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Gründung von Betrieben - Handwerkskammer begrüßt Meisterpflicht

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Der teilweise Wegfall des Meisterzwangs sollte vor allem neue Arbeitsplätze schaffen. Jetzt rudert die Bundesregierung zurück: Ab 2020 soll die Pflicht für 12 Berufe wieder gelten.

Für zwölf Handwerksberufe kommt ab Januar die Meisterpflicht zurück. Damit soll vor allem die Qualität verbessert werden. Für das Handwerk gilt es jetzt, sich entsprechend darauf vorzubereiten.

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Fliesenlegermeister wie Rainer Brinkmann gibt es nur noch wenige. Er führt seinen Betrieb im niedersächsischen Gronau bereits in vierter Generation. Der Meistertitel stand und steht in seiner Familie für Qualität, sagt er. Doch immer wieder bekomme er Kundennotrufe: Weniger qualifizierte Kollegen hätten gepfuscht, er solle die Fliesen reparieren. "Das krasseste Beispiel war in einem Ort hier in der Umgebung, da konnte ich mein Telefon in der Dusche auf die Fuge stellen, weil diese so weit vorgeguckt hat", erzählt Brinkmann. Ein anderes Mal habe ein Kollege seine Arbeit mitten im Fliesenlegen eingestellt, weil er mit der Wand nicht zurechtgekommen sei. Brinkmann sollte einspringen. "Erstens ging das wegen der Gewährleistung gar nicht und zweitens, wir hätten das nicht zu Ende legen können. Das musste alles rausgerissen und neu gemacht werden", erinnert sich der Fliesenlegermeister.

Gut gemeint ist wohl nicht gleich gut gemacht: 2004 schaffte die rot-grüne Bundesregierung den Meisterzwang in mehr als 50 Handwerksberufen ab, darunter Fliesenleger, Rollladenbauer oder Raumausstatter. Unter Meisterzwang versteht man, dass nur Handwerksmeister handwerkliche Betriebe führen dürfen. 

In Zeiten von Arbeitslosigkeit versprach man sich ein Ankurbeln der Konjunktur. Und tatsächlich: Fliesenlegerbetriebe schossen aus dem Boden: Von 2004 bis Ende 2018 hat sich die Zahl der Unternehmen laut Zentralverband des Deutschen Handwerks mehr als verdoppelt, von rund 25.500 auf 69.400. Viele dieser Firmen sind Solo-Selbständige, die oft nicht lange auf dem Markt bleiben.

Zahl der Lehrlinge seit 2004 drastisch gesunken

Doch die Sache hatte auch eine Schattenseite: Beauftrage ein Kunde einen dieser Betriebe, laufe er große Gefahr, keinen Adressaten für mögliche Reklamationen zu haben, warnt Hildegard Sander, Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammern Niedersachsen. Sie begrüßt, dass die Große Koalition die Meisterpflicht Anfang 2020 in zwölf Handwerksberufen wieder einführen will. "Wir haben bei den Neueintragungen inzwischen 95 Prozent der Betriebe, die ohne jegliche nachgewiesene fachliche Qualifikation in einem Gewerk beginnen und das ist schon sehr weitgehend. Wir haben nur noch 1,4 Prozent Meisterbetriebe bei den Neueintragungen", erläutert Sander.

Eine weitere negative Auswirkung: Die Zahl der Lehrlinge ist seit 2004 drastisch gesunken - beim Fliesenlegergewerk von rund 3.000 Auszubildenden auf 2.300 im Jahr 2018. Die Änderung der Handwerksordnung ging nach hinten los. "Ich glaube, dass sich die Politik in dieser Sache völlig vertan hat. Wir haben in Deutschland einfach keine Chance durch Qualifikationsabbau. Wir brauchen qualifizierte Kräfte und nur das ist nachhaltig am Markt", sagt Hildegart Sander.

Koalition mit Ausbildungsoffensive

Fliesenlegermeister Rainer Brinkmann sucht qualifizierte Mitarbeiter. Es sei mittlerweile sehr schwer, einen Lehrling zu bekommen. Für ihn ist der Meistertitel "das Non plus Ultra im Handwerk". Viele Solo-Selbständige hätten dem guten Ruf seines Metiers geschadet. "Man ist zur Stadt gegangen, hat gesagt: Ich möchte einen Fliesenlegerbetrieb aufmachen. Und dann hat man einen Fliesenlegerbetrieb gehabt. Natürlich hat die Qualität mächtig drunter gelitten und wozu brauchte man noch einen Lehrling, man hatte sich im Baumarkt angeguckt, wie das so geht und ist losgegangen."

Den Grünen im Bundestag geht die Wiedereinführung des Meistertitels trotzdem nicht weit genug: "Im Handwerk haben wir das große Problem des Fachkräftemangels, wir haben nicht genug Nachwuchs und wir haben immer noch niedrigere Löhne und bei diesen ganzen Themen hilft die Meisterpflicht nicht", kritisiert Claudia Müller. Die schwarz-rote Koalition will eine Ausbildungsoffensive starten, das Image des Handwerks verbessern, duale Ausbildungen fördern und an Schulen mehr über die unterschiedlichen Gewerke informieren. Für Fliesenlegermeister Rainer Brinkmann ist die Rückkehr zur Meisterpflicht trotzdem ein Schritt in die richtige Richtung. Seinen Sohn Arndt, derzeit Lehrling im Familienbetrieb, wird er auf jeden Fall zur Meisterschule schicken.

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