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217 Tote - Erdbeben in Mexiko: "Die Zeit läuft gegen uns"

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Eingestürzte Häuser, Panik in den Straßen: Das zweite schwere Erdbeben in Mexiko innerhalb von zwei Wochen hat bisher knapp 220 Menschen das Leben gekostet. Überall wird nach Überlebenden gegraben, doch Innenminister Chong warnte: "Die Zeit läuft gegen uns".

Bei einem Erdbeben der Stärke 7,1 sind in Mexiko mehr als 200 Menschen ums Leben gekommen. Für die Einsatzkräfte ist es ein Kampf gegen die Zeit. Das Beben richtete vor allem in Mexiko Stadt schwere Schäden an.

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Bei einem Erdbeben der Stärke 7,1 sind in Mexiko nach aktuellen Angaben bisher knapp 220 Menschen ums Leben gekommen. Die Lage vor Ort ist jedoch unübersichtlich. Am Mittag (MESZ) korrigierten die mexikanische Behörden erste Angaben vom Morgen: Bisher seien 217 Opfer bestätigt, erklärte der Leiter des mexikanischen Zivilschutzes, Luis Felipe Puente, auf Twitter. Zuvor hatte seine Behörde 248 Tote gemeldet.

Da gerade in der Hauptstadt viele Gebäude eingestürzt sind, wird mit weiteren Opfern gerechnet. Nach Angaben des Seismologischen Instituts lag das Zentrum bei Axochiapan, rund 130 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Mexiko-Stadt, die eine der größten Metropolen der Welt ist.

Erdbebenübung

Die Erde bebte auch noch ausgerechnet am Jahrestag des verheerenden Erdbebens von 1985. Vor 32 Jahren waren rund 10.000 Menschen ums Leben gekommen. Rund zwei Stunden vor dem heftigen Erdstoß am Dienstag hatten viele Behörden, Unternehmen und Schulen sich noch an der alljährigen Erdbebenübung beteiligt.

Allein in Mexiko-Stadt stürzten 38 Gebäude ein. Der Flughafen wurde geschlossen und auf Schäden untersucht. Beschädigte Krankenhäuser wurden evakuiert. Nach Angaben des Elektrizitätsunternehmens CFE waren mindestens 3,8 Millionen Menschen ohne Strom.

Mexikos Staatschef Enrique Peña Nieto berief seinen nationalen Krisenrat ein und machte sich im Helikopter ein Bild von den Schäden. "Ich habe angeordnet, dass Scheinwerfer aufgestellt werden, damit wir der ganzen Nacht der Bevölkerung helfen und eventuell noch Menschen aus den Trümmern bergen können", sagte der Präsident.

Schule in Mexiko-Stadt eingestürzt

Besonders tragisch: In den Trümmerbergen einer in Mexiko-Stadt eingestürzten Schule suchten die Helfer in der Nacht zum Mittwoch (Ortszeit) nach Dutzenden verschütteten Kindern und einigen Lehrern. "Wir schätzen, dass noch zwischen 30 und 40 Menschen in den Trümmern gefangen sind. Wir hören aber Stimmen, einige sind noch am Leben", sagte Marine-Sprecher José Luis Vergara dem Fernsehsender "Televisa".

Beim Einsturz der Schule Enrique Rebsamen kamen mindestens 32 Kinder und fünf Erwachsene um, wie der Fernsehsender "Televisa" unter Berufung auf Helfer berichtete. Die Leichen dieser Opfer seien alle geborgen worden. Elf Kinder seien lebend gerettet worden. Ein "Televisa"-Reporter, der die Rettungsaktionen aus nächster Nähe verfolgte und unter anderem die Bergung eines toten Mädchens erlebte, sagte: "Mein Herz ist gebrochen."

"Die Zeit läuft gegen uns"

"Es ist hässlich, sehr hässlich", sagte der 30 Jahre alte freiwillige Helfer Carlos Mendoza. Nach drei Stunden habe er zusammen mit anderen zwei Menschen lebend aus einer Wohnung retten können. "Wir haben das gesehen und geholfen", sagte er.  Mindestens 70 wurden laut Behörden mit Verletzungen im Krankenhaus behandelt. Die Suche nach Verschütteten müsse sehr vorsichtig erfolgen, warnte Innenminister Miguel Ángel Osorio Chong. "Die Zeit läuft gegen uns."

US-Präsident Donald Trump schrieb auf Twitter: "Gott schütze die Menschen in Mexiko-Stadt." Man stehe an ihrer Seite. Das Erdbeben überraschte die Menschen am Dienstagmittag (Ortszeit). Es hinterließ schwere Schäden an Hunderten Gebäuden in den Bundesstaaten Morelos, Puebla, México und in Mexiko-Stadt.

Das Telefonnetz brach zusammen

Ein dpa-Reporter berichtete von schwankenden Gebäuden in der Hauptstadt und Gasgeruch. Tausende verängstigte Menschen seien auf die Straßen und Plätze geflüchtet. Das Telefonnetz brach zusammen. Auf TV-Bildern waren verschüttete Menschen in Trümmern zu sehen.

In der Hauptstadt und dem angrenzenden Großraum leben rund 20 Millionen Menschen. Die Universität von Mexiko-Stadt teilte mit, dass alle Kurse und Veranstaltungen bis auf weiteres ausfallen, um die Gebäude auf Schäden zu untersuchen. Auch Schulen setzten den Unterricht aus.

Situation nach Erdbeben völlig unübersichtlich

In Internetvideos waren Menschen zu sehen, die um ihr Leben bangen, schreien, weinen. An Gebäuden fielen riesige Gesteinsbrocken und Fassaden ab. Die Situation war zunächst völlig unübersichtlich. Menschen erhielten unter freiem Himmel Infusionen, Helfer suchten mit bloßen Händen in den Trümmern nach Überlebenden.

Erst am 7. September waren bei einem Beben der Stärke 8,2 rund 100 Menschen im Land umgekommen, dabei lag das Zentrum aber im Pazifik und war in Mexiko-Stadt längst nicht so stark zu spüren. Danach gab es weit über tausend Nachbeben. Der Seismologe Paul Earle sagte, beim aktuellen Erdstoß habe es sich allerdings nicht um ein Nachbeben des letzten Bebens gehandelt. Dafür hätten die Epizentren zu weit auseinander gelegen.

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