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Viele Windkraftanlagen vor Aus - Alte Windräder - ein ungelöstes Müllproblem?

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Ab kommenden Jahr droht vielen Windrädern der Abriss - und uns damit ein großes Müllproblem. Dabei könnte es eine Lösung geben, die ganz im Sinne des Erfinders ist.

Windrad im Sonnenuntergang
Viele Windräder werden Ende 2020 stillgelegt werden, dadurch werden mehr als vier Millionen Tonnen Schrott im Jahr 2021 entstehen.
Quelle: dpa

Fast 30.000 Windkraftanlagen gibt es derzeit in Deutschland; öffentlich gefördert durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das den Anlagen 20 Jahre lang garantierte Abnahmepreise bescherte.

Doch in fast genau einem Jahr, Silvester 2020, endet erstmals für viele ältere Windräder diese Förderung, und die Anlagen werden dadurch unprofitabel. Aber auch deren durchschnittliche Lebensdauer von 20 Jahren sorgt dafür, dass Ende kommenden Jahres rund 6.000 Windenergieanlagen stillgelegt und schließlich abgerissen werden müssen.

Was das Bundesumweltamt über den Müll sagt

Mit mehr als vier Millionen Tonnen Windenergieanlagen-Schrott, so eine aktuelle Studie des Umweltbundesamtes (UBA), muss allein im Jahr 2021 gerechnet werden. Abfallmengen, die zwar in den folgenden Jahren zunächst abnehmen, aber ab Mitte des nächsten Jahrzehnts wieder dramatisch zunehmen werden und die Recycling-Industrie vor extreme Herausforderungen stellen wird.

Trotz der ungeheuren Mengen von Beton (bis zu 5,5 Millionen Tonnen pro Jahr) und Stahl (rund eine Million Tonnen jährlich) rechnet die UBA-Studie zwar damit, dass die vorhandenen Recyclingkapazitäten in Deutschland ausreichen, diese Massen zu bewältigen. Allerdings könnte es zu Absatzproblemen recycelter Baustoffe kommen, da diese immer wieder auf fehlende Akzeptanz in der Baubranche stoßen, besonders bei hochwertigen Bauvorhaben.

Deshalb sind bestimmte Teil so gefährlich

Während Metallschrott wie Kupfer oder Aluminium bei Windrädern nur einen Anteil von weniger als ein Prozent des Abfalls ausmachen und dieser eher einfach wieder verwendbar gemacht werden kann, müssen beim Abbau von Windenergieanlagen auch gefährlichere Stoffe wie spezielle Transformatorenöle, Hydraulik- und Kühlflüssigkeiten sowie Isoliergase kontrolliert aufgefangen und entsorgt oder recycelt werden.

Rotorblätter von Windkraftanlagen sind Sondermüll.
Michael Schneider, Remondis

Richtig Sorgen aber machen Experten die Rotorblätter. Denn die bestehen aus faserverstärkten Kunststoffen, die nicht einfach auf Deponien entsorgt werden dürfen. "Rotorblätter von Windkraftanlagen sind Sondermüll", erklärt Michael Schneider von Remondis, einer der weltweit größten Spezialfirmen für Müllentsorgung und Recycling.

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Bis zu 50 Meter lang und tonnenschwer muss dieser Sondermüll zunächst zersägt oder gebrochen werden, um transportfähig zu werden. Dabei aber können Stäube entstehen, die lungengängig sind und deshalb für Mensch und Umwelt eine Gefahr darstellen.

Schmelzende Glasfaser macht den Verbrennungsanlagen große Probleme.
Michael Schneider, Remondis

Dessen ungeachtet ist aber auch das Verbundmaterial der Flügel und Gondeln - bei älteren Anlagen oft Glasfaser - wenig geeignet, vernünftig recycelt zu werden und wird deshalb als Ersatzbrennstoff in der Zementindustrie verwertet oder gar in konventionellen Müllverbrennungsanlagen entsorgt. "Das geht aber nur in überschaubaren Mengen und findet wenig Abnehmer", so der Sprecher von Remondis. "Schmelzende Glasfaser macht den Verbrennungsanlagen große Probleme; kann sie gar nachhaltig blockieren. Deshalb versuchen selbst Spezialbetriebe, diesen Müll erst gar nicht anzunehmen", Schneider.

Und auch die moderneren, carbonverstärkten Flügel der Windenergieanlagen jüngeren Datums werden das Sondermüll-Problem nicht verringern. Denn echtes Recyceln macht bei diesem Kunststoff kaum Sinn, verschlechtern sich doch dessen Eigenschaften durch die Aufbereitung ganz wesentlich. Und einfach Verbrennen geht auch nicht. Weil Carbonfasern bei hohen Temperaturen Feinstaub entwickeln, der die Abluftfilterung der Verbrennungsanlagen zusetzt und, sollte der Staub entweichen, die Umwelt massiv belastet.

Das könnte ein möglicher Ausweg sein

Angesichts der drohenden Abfallmengen ab 2021 und der ungelösten Verfahrensfragen bei der Entsorgung oder des Recyclings, besonders der Rotorblätter, resümiert Michael Schneider ernüchtert: "Wir verschieben einfach dieses Problem auf die nächste Generation."

Doch es könnte einen möglichen Ausweg geben. Im Ausland sind schon genutzte deutsche Windkraftanlagen beliebt, vor allem in Osteuropa ist die Nachfrage groß. Denn in Polen, vielen Regionen Russlands, Weißrusslands oder der Ukraine ist der Wunsch nach Ökostrom aus Windkraft vorhanden, es sind aber schlicht nicht genügend Neuanlagen auf dem Markt. 

Zweitverwertung "Made in Germany" kann da die Lösung bedeuten. Bernd Weidmann, Geschäftsführer von wind-turbine.com, einem Internetportal für gebrauchte Windenergieanlagen, erklärt: "Der Zweitmarkt eröffnete sich in den Jahren ab 2005, 2006. Damals waren es besonders die Polen, die kleinere, gebrauchte Windenergieanlagen gesucht haben." Eine gute Chance, den Problemen der Verschrottung und Wiederverwertung bei Windenergieanlagen zu entgehen, besteht darin, die gebrauchten Anlagen einfach weiter zu verkaufen.

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