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Assads Macht - gefestigt durch russische Bomben

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Vier Jahre Luftangriffe - Assads Macht - gefestigt durch russische Bomben

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2015 kontrollierte Syriens Machthaber Assad noch knapp 20 Prozent des Landes. Dann bekam er Hilfe aus Russland - und beherrscht nun wieder rund zwei Drittel Syriens.

Die syrische Provinz Idlib nach einem Luftangriff. Archivbild
Die syrische Provinz Idlib nach einem Luftangriff. Archivbild
Quelle: Anas Alkharboutli/dpa

Eine russisch-orthodoxe Kirche, eine Banja, Borschtsch und Buchweizen zum Mittagessen: Das russische Militär hat sich auf dem Luftwaffenstützpunkt Hmeimim eingerichtet. Etwa 2.000 Soldaten tun hier ihren Dienst, die meisten bleiben drei Monate lang. Bei einem Rundgang über das Gelände zeigen die Offiziere uns, einer Gruppe internationaler Journalisten, auch den Platz der syrisch-russischen Freundschaft. Ein Brunnen plätschert, Bäume wurden gepflanzt: Dieser Platz sei seit 2015 stetig gewachsen, erklärt man uns. Wie wohl auch die syrisch-russische Partnerschaft selbst.

Russlands Eingreifen brachte Wende für Baschar al-Assad

Seit 2011 herrscht in Syrien Krieg. Was im Zuge des arabischen Frühlings mit der Niederschlagung einer Demokratiebewegung begann, entwickelte sich seitdem zum unübersichtlichen Stellvertreterkrieg. Unter anderem der IS, al-Nusra, kurdische Kämpfer, die Türkei, der Iran, die USA und eben Russland sind daran beteiligt.

Russische Kampfjets unterstützen die syrischen Regierungstruppen seit September 2015. Damals kontrollierte Machthaber Baschar al-Assad noch knapp 20 Prozent Syriens. Vier Jahre später beherrschen die Syrisch-Arabische Armee und ihre Verbündeten wieder rund zwei Drittel des Landes.

Tausende Menschen getötet

In der heißesten Phase des Krieges sind von Latakia aus bis zu 130 Einsätze täglich geflogen worden. Heute stiegen die hier stationierten SU-35, SU-34 und SU-24 hauptsächlich noch zu Trainingszwecken auf, berichtet uns ein stellvertretender Kommandeur der Luftwaffe. Dennoch wird gerade an einer zweiten Start- und Landebahn gebaut, um die "Möglichkeiten zu erweitern."

In der russischen Heimat betonen Politiker immer wieder, dass der Einsatz in Syrien auch dazu diene, Gefechtserfahrungen zu sammeln sowie die eigenen Waffensysteme zu testen und weiterzuentwickeln. Die genauen Kosten des Einsatzes bleiben dabei unerwähnt. Circa 100 russische Militärangehörige haben in Syrien ihr Leben gelassen. Auf der gegnerischen Seite wurden durch russische Luftangriffe Tausende Terroristen, Aufständische, aber auch Zivilisten, getötet.

Wie weiter in Idlib?

Durch sein Eingreifen in den Syrien-Krieg hat Russland seine Stellung im Nahen und Mittleren Osten ausgebaut. Präsident Wladimir Putin empfängt schon fast regelmäßig die Präsidenten der Türkei und des Irans auf seiner Sommerresidenz in Sotschi. Im 2017 ins Leben gerufenen Astana-Format wird über Syriens Zukunft verhandelt. Die größte offene Frage derzeit: Wie weiter in Idlib? In Bezug auf die letzte große Rebellenhochburg verfolge man eine zweigleisige Strategie, bekamen wir von syrischen Offiziellen immer wieder zu hören. Zum einen den Weg der Diplomatie. Sollte dieser scheitern, stehe die syrische Armee jederzeit für einen Einsatz in Idlib bereit.

Dort leben Schätzungen zufolge circa drei Millionen Menschen, etwa die Hälfte von ihnen Zivilisten – viele von ihnen Vertriebene aus anderen Landesteilen. Auf die Frage, wie sie im Falle einer Militäroffensive geschützt werden sollen, reagierten die syrischen Offiziellen empfindlich: "Diese Schallplatte hören wir in jeder Region, die von der syrischen Armee befreit wird," polterte zum Beispiel Hussain Makhlouf, Minister für die Kommunalverwaltung Syriens. "Wenn es darum geht, dass wir die syrische Heimat von Terroristen befreien, dann hört es sich immer so an, als ob die Armee nur mit Frauen kämpft."

Manchmal ist keine Antwort auch eine Antwort.

Phoebe Gaa ist ZDF-Korrespondentin im Studio Moskau.

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