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Bildmanipulation - Virtuelle Gesichter werden zum Problem

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Systeme mit Künstlicher Intelligenz erstellen gelungene Porträtfotos. Die Menschen zu diesen Porträts gibt es aber nicht. Gefakte Gesichter werden zunehmend zum Problem.

Archiv: Ein Mann hält ein Tablet mit einem Portraitfoto vor sein Gesicht.
Real oder Fake? Heute lässt sich das nicht mehr so leicht sagen, ob es sich um ein Porträtfoto eines echten Menschen handelt oder nicht.
Quelle: imago

Die Grafikkartenherstellerin Nvidia hat vorgemacht, wie einfach es geht. Sie hat die Webseite thispersondoesnotexist.com ins Web gestellt. Zu sehen sind hier gut gemachte Porträts. Der sportliche Typ Mitte Dreißig, die Blondine mit dem leicht ironischen Grinsen oder der Geschäftsmann, Anfang 50, der äußerst seriös in die Kamera lächelt.

Neuronale Netze als Bildgestalter

Die Porträts sind handwerklich und von der Bilddramaturgie her gut gemacht. Allerdings hat hier kein Fotograf mit seiner Kamera Porträts von Menschen im Studio gefertigt. Die hier abgebildeten Menschen existieren gar nicht. Sie sind ein Fake, der mit Hilfe Künstlicher Intelligenz gemacht wurde.

Die Idee dazu hatte der Programmierer Philip Wang. Der war ganz fasziniert von der Idee generativer Netzwerke. Dabei handelt es sich um neuronale Netze. Diese generativen neuronalen Netzwerke spielen inzwischen viel besser Schach oder andere Strategiespiele als Menschen. Wang entwickelte ein Softwaresystem, bei dem ein neuronales Netzwerk aus vielen Hunderttausenden Fotos von echten Menschen neue Porträts komponiert. Von einem Bild wird das Haar genommen, vom anderen die Nase, von einem dritten die Ohren.

Virtuelle Portraits werden aus Bilddaten komponiert

Ist das neue Porträt aus diesen Bildbestandteilen zusammenkomponiert, dann prüft das zweite neuronale Netzwerk das so generierte Bild auf Anzeichen für Bildmanipulationen oder Fälschung. Findet das neuronale Netz Anzeichen für eine Fälschung, schickt es das Foto mitsamt der Manipulationsanalyse zurück an das erste Netz.

Dieses neuronale Netz vergleicht die Manipulationsanalyse mit seinen Anweisungen für die Bildherstellung und korrigiert sie. Es lernt also, besser zu fälschen. Und so entstehen Porträts, die dem unbefangenen Betrachter als perfekte Fotos toller Menschen erscheinen.

Nur, dass diese Menschen gar nicht existieren. Und genau da liegt das Problem. Denn solche gefälschten Porträts werden auf Facebook, Instagram oder anderen sozialen Plattformen benutzt, um Fake-Accounts als vertrauenswürdige Benutzerkonten wirklich existierender Menschen erscheinen zu lassen.

So arbeiten generative neuronale Netzwerke

Kriminelle arbeiten gern mit Fake Faces

Der normale Nutzer kann die Täuschung gar nicht mehr erkennen, ob hinter solch einem Account ein wirklicher Mensch oder nur ein Bot, eine Software steckt, für die ein täuschend echtes Porträt hergestellt wurde. Mittlerweile sind erste Mails mit solchen Fake Faces in Umlauf, die deren Empfänger auf eine Webseite locken sollen. Dort werden den arglos klickenden Nutzern dann Zugangsinformationen und andere persönliche Daten gestohlen.

Mit gefälschten Accounts auf Twitter, Facebook und Co. wird die Glaubwürdigkeit von solchen Abzock-Seiten mit gefälschten Gesichtern noch unterstützt. Mitunter wird dann auch eine rührselige Geschichte in einer mit Fake Faces bebilderten Mail erzählt und um Spenden gebeten.

Aber nicht nur Kriminelle interessieren sich für die täuschend echten Porträts, die von neuronalen Netzen gefertigt wurden. "Die Computerspielebranche sieht hier phantastische Möglichkeiten", meint der Medienpsychologe Jo Gröbel. In computergenerierten Spielszenen sind die virtuellen Gesichter aus den neuronalen Netzen preiswerter als die bisherigen Produktionsverfahren.

Computerspiele können profitieren

Auch die Modebranche, Werbefirmen und Kommunikationsagenturen interessieren sich dafür. So wollte der Designer Ingo Butsch zur Europawahl Wahlspots mit künstlich generierten Menschen aus den neuronalen Netzwerken erstellen. Ihm kamen dann aber Bedenken. "Wir müssen erst noch lernen, mit solchen Möglichkeiten umzugehen", meint Ingo Butsch. Auf jeden Fall ist er überzeugt: "Das wird unsere Kommunikation massiv verändern."

Vielseitiger Einsatz von Künstlicher Intelligenz

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