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Kein Visum für ARD-Journalist - Baerbock fordert Konsequenzen

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Der ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt darf zur Fußball-WM nicht nach Russland einreisen. Grünen-Chefin Annalena Baerbock fordert deutsche Politiker auf, den Spielen fernzubleiben.

Annalena Baerbock
Annalena Baerbock
Quelle: dpa

Grünen-Chefin Annalena Baerbock hat die Bundesregierung aufgefordert, eine Einreisegenehmigung für den von Russland abgewiesenen ARD-Dopingexperten Hajo Seppelt zu erwirken. Die Bundesregierung müsse "klipp und klar deutlich machen, dass die Verweigerung der Einreise für kritische Journalisten nicht akzeptabel ist", und dafür sorgen, dass Russland diese Entscheidung zurücknehme, sagte Baerbock der "Welt am Sonntag".

Der Vorfall sei zudem "ein Grund mehr, dass deutsche Regierungsvertreter den Spielen fernbleiben sollten". Baerbock sagte, deutsche Regierungsvertreter könnten "nicht einfach bei den WM-Spielen nett neben russischen Regierungsvertretern auf der VIP-Tribüne jubeln, während Journalisten ausgesperrt sind und das Regime die eigene Bevölkerung bei Demos willkürlich verhaftet."

Röttgen und Kubicki fordern Konsequenzen

Ähnlich kritisch äußerten sich Vertreter von CDU und FDP. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen, forderte Russland auf, das Einreiseverbot für Seppelt aufzuheben. "Russland sollte die Verweigerung des Visums für Herrn Seppelt korrigieren", sagte Röttgen dem "Tagesspiegel" aus Berlin. Es entstehe sonst "der begründete Verdacht, dass Russland entweder etwas zu verbergen oder ein Problem mit Transparenz und Fairplay im Sport hat oder beides".

Der stellvertretende FDP-Chef Wolfgang Kubicki forderte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) auf, den russischen Botschafter einzubestellen. Maas solle darauf hinweisen, dass "auch während der WM eine freie Berichterstattung für Deutschland unabdingbar ist und auch im Interesse Russlands liegen dürfte", sagte Kubicki der "Welt am Sonntag". Das Auswärtige Amt stellte klar: "Wir haben, auch in Absprache mit der ARD, mit den zuständigen Stellen Kontakt aufgenommen und drängen auf unverzügliche Klärung."

Seppelt wartet auf FIFA-Reaktion

Seppelts Film "Geheimsache Doping: Wie Russland seine Sieger macht" hatte die Aufdeckung des russischen Dopingskandals zur Folge. Dem Journalisten wurde nun das bereits ausgestellte Visum für die Einreise zur Fußball-WM entzogen. Seppelt stehe auf einer Liste der in Russland "unerwünschten Personen".

Für den Journalisten liegt der Grund für die Maßnahme auf der Hand. "Offenkundig hat die Aufdeckung des Staatsdoping-Systems so große Tragweite, dass Russland glaubt, solche Maßnahmen ergreifen zu müssen", sagte Seppelt dem SID, "das spricht für sich. Man darf gespannt sein, ob die FIFA, die den Zugang zu ungehinderter Berichterstattung über ihr Turnier gewährleisten muss, sich dieser Sache annehmen wird."

Russland forderte Seppelt-Informationen vom deutschen Justizministerium

Russland hat nach SID-Informationen schon seit Monaten ein genaues Auge auf Seppelt geworfen. In einem internationalen Rechtshilfeersuchen an das Bundesamt für Justiz forderte Russland im Jahr 2017 detaillierte Informationen über den Dopingexperten an. Das Ersuchen wurde von der Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Justizministeriums, das damals noch von Maas geleitet wurde, abgelehnt.

Unterdessen meldete sich der Vorsitzende des russischen Journalistenverbandes, Wladimir Solowjow, zu Wort: "Ein russisches Visum sollte Seppelt unbedingt ausgestellt werden, er muss unsere WM besuchen! Nur muss ihm ganz bestimmt Personenschutz bereitgestellt werden, damit Kenner seines journalistischen Talents ihn nicht zufällig verprügeln", zitierte Sputnik News Solowjow. Die Fußball-WM findet vom 14. Juni bis zum 15. Juli in Russland statt.

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