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Führungsstruktur bei Volkswagen - Kommt Diess für Müller?

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Beim größten deutschen Autobauer zeichnet sich nach ZDF-Informationen ein Wechsel an der Spitze ab: Michael Müller soll durch Markenchef Herbert Diess ersetzt werden.

VW hat in einer Mitteilung an die Finanzwelt über einen bevorstehenden personellen Wechsel an der Spitze des Konzerns informiert. Es wird erwartet, dass der bisherige Vorstandschef Müller vom bisherigen Markenvorstand Diess abgelöst werden soll.

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Vorstandschef Matthias Müller führt den weltgrößten Autobauer seit Bekanntwerden des Dieselskandals vor dreieinhalb Jahren. Bestätigen wollten die Wolfsburger den Wechsel an der Konzernspitze am Dienstag nicht, sie kündigten aber eine Weiterentwicklung der Führungsstruktur an, die auch zu Veränderungen an der Konzernspitze führen könne. Der frühere BMW-Manager Diess war von Volkswagen 2015 an Bord geholt worden. Er hat die lange ertragsschwache Kernmarke mit dem VW-Logo inzwischen auf Kurs gebracht und treibt deren Umbau zu einem führenden Anbieter von Elektromobilität voran.

Kurssprung an der Börse

Über die neue Führungsstruktur soll der Aufsichtsrat offenbar an diesem Freitag beraten. An der Börse sorgte die Aussicht auf Veränderung für gute Stimmung: VW-Aktien stiegen zeitweise um fünf Prozent auf 172,50 Euro und fuhren damit an die DAX-Spitze. Der plötzliche Chefwechsel käme allerdings überraschend: Eigentlich läuft Müllers Vertrag noch bis 2020. VW erklärte, der 64-Jährige habe seine grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, an den Veränderungen mitzuwirken. Derzeit sei offen, ob die Überlegungen über eine neue Struktur zu Ergebnissen führen werde. Aufsichtsratsschef Hans Dieter Pötsch führe Gespräche mit verschiedenen Mitgliedern des Kontrollrats und des Vorstands. Müller führt den Konzern mit zwölf Marken seit dem September 2015, als der damalige Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn wegen der Dieselaffäre zurücktreten musste.

Müller trieb seither die Aufklärung des Dieselbetrugs voran, der den Konzern bereits mehr als 25 Milliarden Euro gekostet hat. Schon bei seinem Amtsantritt ließ der passionierte Tennisspieler erkennen, dass er sich nur schwer von seinem liebgewordenen Amt als Porsche-Chef trennen konnte, um nach Wolfsburg zu wechseln. Als Konzernchef begann Müller dann mit dem Umbau des Unternehmens, das der frühere Aufsichtsratschef Ferdinand Piech zu einem Imperium mit zentraler Führung aufgebaut hatte. Die einzelnen Regionen erhielten durch Müller mehr Mitsprache in der Modellpolitik, die Marken bekamen mehr Eigenständigkeit.Der versprochene "Kulturwandel" kam jedoch nicht schnell genug voran. Hinzu kamen immer wieder Skandale.

Wenn der Volkswagen-Chef den Konzern gerade in etwas ruhigerem Fahrwasser wähnte, kündigte sich schon das nächste Desaster an. Müller musste dann wieder Schadensbegrenzung betreiben. Zuletzt versetzten die fragwürdigen Abgastests mit Affen den Konzern in Aufruhr und setzten Müller auch persönlich zu. Immer wieder stand zudem die Staatsanwaltschaft bei ihren Ermittlungen wegen des Abgaskandals vor der Tür.
Müller hat schon vor längerem angekündigt, Randbereiche zu überprüfen. Dass der Umbau nicht so rasch vorankommt, wie viele erwartet haben, liegt auch daran, dass die Eignerfamilien Porsche und Piech auf der Bremse standen.

Kommen die Markenwelten?

Die Ankündigung von Volkswagen, dass Veränderungen der Führungsstruktur auch mit Änderungen bei den Ressortzuständigkeiten im Vorstand verbunden wären, lässt nach Meinung von Konzernkennern erwarten, dass Volkswagen einen größeren Konzernumbau angehen will. Dazu könnte auch ein Börsengang der Lkw-Sparte gehören, für den Insidern zufolge derzeit Vorbereitungen getroffen werden. Auch dies soll einem Insider zufolge am Freitag Thema im Aufsichtsrat sein. Ob Volkswagen dann allerdings schon Fakten für einen Gang aufs Parkett schaffen wird, gilt angesichts der umfassenden Tagesordnung als unwahrscheinlich.

Bei den Plänen für einen Konzernumbau könnte auch die Idee der so genannten Markenwelten aufleben, wie zuletzt immer wieder aus Unternehmenskreisen zu hören war. Der Konzern gilt trotz der von Müller eingeleiteten Veränderungen immer noch als wenig wendig. Bei der Bündelung müsse darauf geachtet werden, dass keine Synergien verloren gingen, betonen Insider. Unklar ist noch, wie die neue Struktur aussehen könnte. Schon der frühere Konzernchef Winterkorn hatte mit einem solchen Modell experimentiert, das einst von seinem Vorgänger Bernd Pischetsrieder entwickelt wurde. Anfangs sollte eine Premiumgruppe mit Audi, Bentley, Bugatti und Lamborghini und eine Gruppe mit den Volumenmarken VW, Skoda und Seat zusammengefasst werden. Später wurde überlegt, bestimmte Marken nach dem jeweiligen Baukastenprinzip zusammenzufassen, das sie verwenden.

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