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Volles Risiko in Gröden - Abfahrer spielen mit ihrem Leben

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Zwei Tote in vier Wochen. Der alpine Skisport durchlebt eine schwere Phase. Heute stürzen sich die Abfahrer die Saslong in Gröden hinunter - mit bis zu 130 Kilometer pro Stunde.

Die Abfahrtspiste in Gröden (Archivbild)
Die Abfahrtspiste in Gröden (Archivbild)
Quelle: imago

Die Rufe nach mehr Sicherheit in der Hochgeschwindigkeitssportart werden immer lauter. Aber die Show muss auch weitergehen. Die Abfahrtsstrecke in Südtirol gilt, neben Kitzbühel und Wengen, als Klassiker des Abfahrtssports.

Große Bekanntheit erreichte sie durch die sogenannten Kamelbuckel, eine schnelle Aneinanderreihung von drei mittelgroßen Bodenwellen. Dem Österreicher Uli Spieß (62) gelang es 1980 erstmals, sie zu überspringen. Allerdings zweifelte er, ob er es "schaffen würde oder ob meine Knochen beim Aufprall eingesammelt werden müssten". In den Jahren danach fanden sich einige Nachahmer. Manchen glückte der waghalsige Flug, andere flogen mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus. Grund genug, die spektakuläre Stelle im Laufe der Jahre zu entschärfen.

Deutscher Skiverband zieht Konsequenzen

Auch der Deutsche Skiverband (DSV) zieht Konsequenzen aus dem Fall des 17-jährigen Oberammergauers Max Burkhart, der Anfang Dezember im Training des zweitklassigen Nordamerika Cups tödlich verunglückte. Künftig wolle man keine jungen Leute mehr für den Abfahrtssport freigeben, die sich nicht dem Ausbildungskonzept des DSV unterworfen haben, kündigte Alpinchef Wolfgang Maier an. Burkhart ging formell für den DSV an den Start, war aber in die Mannschaft der Sugar Bowl Academy, eine Art Skigymnasium in Kalifornien, eingebettet.

Die Frage ist: Kann man im Abfahrtssport Unfälle wie von Burkhart oder den des französischen Weltcupfahrers David Possion (45), der Mitte November bei einem Trainingssturz im kanadischen Nakiska verstarb, verhindern? Nein, meint Markus Anwander, im vergangenen Jahr noch Trainer der deutschen Frauenmannschaft und heute Olympia-Stützpunktleiter in Garmisch-Partenkirchen. "Wenn der Teufel das so will, dann passiert so etwas. Man kann den Organisatoren keinen Vorwurf machen", sagt der 56-Jährige.

14 Tote seit 1990

Anwander war vor 16 Jahren selbst in einen Todesfall verwickelt. Die französische Abfahrtsweltmeisterin Regine Cavagnoud kollidierte 2001 bei einem Abfahrtstraining auf dem Pitztaler Gletscher mit dem damaligen DSV-Trainer. Sie stießen frontal mit den Köpfen zusammen und stürzten rund 100 Meter über einen Steilhang hinab. Cavagnoud starb zwei Tage später im Krankenhaus in Innsbruck an ihren schweren Verletzungen.

Insgesamt starben seit 2000 neun (Nachwuchs-) Skifahrer im Training oder in einem Rennen, in den zehn Jahren davor waren es fünf Athleten. Jeder Fall bleibt für sich tragisch, aber die Quote in etwa gleich. "Dass der Sport gefährlich ist, weiß jeder, der am Start steht", sagt Doppel-Olympiasieger Markus Wasmeier, der in seiner Karriere zwei Abfahrten (Wengen und Garmisch) gewann und sieben Podestplätze einfuhr. "Das Risiko und die Herausforderung zu meistern, ist auch genau das, was Spaß macht."

Die Höchstgeschwindigkeit auf einer Weltcupabfahrt erreichte Johan Clarey 2013 in Wengen, der Franzose rauschte mit 161,90 Kilometer pro Stunde den Hang hinunter. Auch Hannes Reichelt (160,34 km/h) knackte die 160er-Marke. "160 km/h - das ist schon ein geiles Gefühl", sagte der Österreicher danach.

A-Netz und B-Netze zum Schutz

Wer sich für den Abfahrtssport entscheidet, geht bewusst hohes Risiko ein. Was auf den vereisten Pisten passiert, können selbst die hochauflösenden TV-Bilder nur ansatzweise vermitteln. Die Organisatoren unternehmen unterdessen viel, um die Athleten zu schützen. Im Weltcup sind sogenannte A-Netze, die über Betonsockel im Boden verankert sind, seit geraumer Zeit Usus. Sie sind hart wie ein Brett und verhindern ein Durchrutschen. Davor werden B-Netze aufgebaut, um die erste Energie des gestürzten Fahrers zu bremsen. Dass auch die größten Sicherheitsvorkehrungen nicht immer helfen, zeigen die Fälle von Burkhart und Poisson. Manchmal entscheidet das Schicksal.

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