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Drohnen-Führerschein - Die Papiere bitte!

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Von heute an müssen auch Drohnen-Piloten einen Führerschein für ihr unbemanntes Fluggerät vorlegen können. Wirklich sicherer wird der Luftraum dadurch aber kaum. Denn die Verordnung gilt nicht für alle Drohnen - aus Sicht von Experten ein Unding.

Für alle Drohnen über zwei Kilogramm braucht man ab Oktober einen Kenntnisnachweis, einen so genannten Drohnenführerschein. Eine Verordnung mit Hintertürchen?

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In dem kleinen Raum neben dem Hangar eines Privatflugplatzes in Tornesch bei Hamburg ist es still. Zehn erwachsene Männer sitzen an Einzeltischen und beantworten 55 Fragen aus dem Bereich der Luftfahrt. Fast könnte man meinen, es geht hier um die Fluglizenz für eine von den beiden Cessnas, die draußen auf dem Rollfeld stehen. Dabei machen die Schulungsteilnehmer hier gerade den Test zur Erlangung eines Kenntnisnachweises. So sperrig ist die offizielle Bezeichnung des "Drohnenführerscheines".

Die Luftverkehrsordnung sieht vor, dass alle Steuerer von unbemannten Flugsystemen - gerne auch Drohnen genannt - ab dem 1. Oktober einen solchen Kenntnisnachweis brauchen, wenn ihr Fluggerät mehr als zwei Kilogramm auf die Waage bringt.

Das ist viel für einen Multicopter

Die meisten Modelle, die Schätzungen gehen von bis zu 80 Prozent aller verkauften Copter aus, wiegen weniger, teils deutlich weniger als zwei Kilo. Das ist für die Benutzer gut, sie müssen - ab 250 Gramm aufwärts - "nur" eine feuerfeste Plakette mir ihrem Namen und Adresse auf den Copter kleben.

Schulungsleiter Ralf Spoerer aber findet das ein Unding. Die Idee der Drohnenverordnung, den Luftraum sicherer zu machen, geht aus seiner Sicht komplett verloren. Die Schüler in seinem Unterrichtsraum haben sich schon immer mit Luftfahrtrecht, Sperrzonen, Abstandsregeln oder Versicherungen beschäftigt. Die aber, die hier nicht herkommen müssen, die - so sagt der gelernte Fotograf - sind für nahezu alle Zwischenfälle mit Drohnen verantwortlich.

Immer wieder Zwischenfälle mit Drohnen

Zwischenfälle wie im April in Hamburg, als die Feuerwehr zum Fernsehturm gerufen wurde. Oben auf der Technik-Plattform war eine Drohne hängen geblieben. Eine Mavick von DJI. Ein relativ kleiner Copter mit anklappbaren Flügeln - 800 Gramm schwer. Schon vom gesunden Menschenverstand her würde man sagen: bloß nicht höher als 50 Meter fliegen.

Doch an diesem Abend um 23.10 Uhr blieb der rund 1.000 Euro teure Copter in 124 Metern Höhe hängen. Der Besitzer war auch noch so "schlau", Polizei und Feuerwehr zu informieren. Das Ende vom Lied: 400 Euro für den Feuerwehreinsatz und vermutlich eine fünfstellige Summe für den Verstoß gegen das Luftfahrtrecht. Fast die gesamte Hansestadt ist Kontrollzone des Flughafens. Für Drohnen ist ohne Ausnahmegenehmigung bei 50 Metern Höhe Schluss. Und später als 30 Minuten nach dem offiziellen Sonnenuntergang dürfen die Batterie-Flieger ohnehin nicht mehr aufsteigen.

Alle sollten die wichtigsten Regeln kennen

Das alles wissen die Teilnehmer im Copter-College von Ralf Spoerer natürlich. Müssen sie auch wissen, denn diese Fragen kommen im Test vor. Allen anderen würde der vom Luftfahrtbundesamt zertifizierte Drohnen-Lehrer diese Infos gerne zwangsweise verordnen.

"Wie bei einer Medikamentenpackung", stellt Spoerer sich das vor. "Zu jedem verkauften Multicopter in Deutschland muss eigentlich eine Packungsbeilage Pflicht sein. Mit den 15 wichtigsten Regeln." Dann, so Spoerer, könnte hinterher keiner mehr sagen, er habe dies oder das nicht gewusst.

Dabei schützt schon heute Unwissenheit vor Strafe nicht. Wer mit seiner Drohne am Flughafen richtige Flugzeuge gefährdet, den stellt Carsten Brandt auf eine Stufe mit Kriminellen. Der Leiter der Hamburger Luftaufsicht war einer der ersten, der einen Befähigungsnachweis von Drohnen-Fliegern haben wollte. Wer keinen glaubhaften Beweis dafür hatte, dass er mit seinem Copter richtig umgehen kann, musste zum Vorfliegen kommen. Das war in Deutschland einmalig.

Hamburg hat seine eigenen Regeln

Überhaupt geht die Hamburger Luftaufsicht viele andere Wege. Da die Drohnenverordnung in vielen Teilen sehr schwammig formuliert ist, haben die Luftaufseher der Hansestadt ihre eigenen Deutungen gemacht. So dürfen Drohnen in Hamburg sehr wohl über der Elbe fliegen. Die ist eine Bundeswasserstraße und damit eigentlich tabu für unbenannte Fluggeräte. Zu Bahnlinien in Hamburg müssen die Steuerer immer so viel Abstand halten wie sie hoch fliegen. Also zehn Meter weg, gleich zehn Meter hoch. Die Drohnenverordnung sieht eigentlich 100 Meter Abstand vor. "Legte man alle Bestimmungen der Drohnenversordnung eins zu eins auf Hamburg um", so Brandt, "dann könnten Multicopter hier vielleicht noch am Stadtrand rauf und runter fliegen, mehr aber nicht."

Denn die 100-Meter-Abstandsregel gilt für Wohngebiete, Bundesstraßen, Autobahnen, Bahnlinien, Konsulate, Behörden, Menschenmengen, Polizeieinsatzgebiete und noch einiges mehr. Außerdem sind alle Hamburger Kliniken mit einem Hubschrauberlandeplatz ausgestattet. Abstandspflicht: 1,5 Kilometer. Da bleiben nicht viele freie Flecken auf der Luftverkehrskarte.

Beauty-Shots der Elbphilharmonie sind erlaubt

Die Luftaufseher haben sich also ein paar "Kniffe" einfallen lassen, damit Kamera-Copter noch immer das schöne Panorama der Elbphilharmonie einfangen können. Carsten Brandt und seine Kollegen sind auch tatsächlich hin und wieder dort, wo Hobby-Piloten gerne mal ihre Flieger steigen lassen. Ganz unverfänglich stellen die Luftfahrtexperten dann Fragen.

Nach der Versicherung etwa. Die braucht nämlich jede Drohne. Die private Haftpflichtversicherung reicht nicht. Nach Höhen- und Abstandsregeln. Was Sichtflugbedingungen sind. Wo man Sperrzonen nachsehen kann. Alles Fragen, die Teilnehmer am Luftverkehr, sofort beantworten können müssen. Also auch der zwölfjährige Junge, der die Drohne von Oma zum Geburtstag bekommen hat. Nicht selten ist nach der Fragestunde Schluss mit dem Flug.

Auch bei Ralf Spoerer ist inzwischen Schluss. Seine Teilnehmer hatten vor rund einer Stunde ihren Test abgegeben. Noch am gleichen Tag hat Spoerer die von ihm entworfenen Fragen ausgewertet. Alle haben bestanden. Natürlich möchte er sagen. Alle waren ja schließlich nicht das erste Mal in seiner Schulung. Das würde er gerne von allen Drohnen-Besitzern sagen. Dann wäre der Himmel über Deutschland wohl wirklich ein wenig sicherer.

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