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Vom TV-Duell ins Bierzelt - Schulz startet den Wahlkampf-Endspurt

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Das eher sachliche TV-Duell Merkel gegen Schulz ist schon wieder Geschichte. Der SPD-Kanzlerkandidat hat den Befreiungsschlag verpasst. Der Wahlkampf geht im Bierzelt und beim Diesel-Gipfel weiter. Die Unions-Führung warnte währenddessen die eigenen Reihen vor Siegessicherheit.

Viele Beobachter fanden das TV-Duell wenig kontrovers. Immerhin hat es ein paar inhaltliche Erkenntnisse gebracht: Merkels Ablehnung der Rente mit 70. Und Schulz legte sich fest, dass er die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei abbrechen will.

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Nach der verpassten Trendwende für die SPD beim TV-Duell mit Kanzlerin Angela Merkel setzt Herausforderer Martin Schulz im Endspurt zur Bundestagswahl verstärkt auf Angriff.

Beim Gillamoos-Volksfest im niederbayerischen Abensberg sagte Schulz vor Anhängern im Bierzelt: "Was gestern klar geworden ist: Es gibt jemanden, der will die Vergangenheit verwalten, der heißt Angela Merkel. Und es gibt jemanden, der will die Zukunft gestalten, und der heißt Martin Schulz." Er attackierte erneut den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und bekräftigte seine Forderung nach einem Stopp der EU-Beitrittsgespräche. "Irgendwann muss man dem auch mal sagen: Genug ist genug."

Nahles: "Martin Schulz hat gezeigt: Er kann Kanzler"

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) sieht im TV-Duell trotz enttäuschender Umfragen eine gute Ausgangsbasis für die letzten Wochen des Wahlkampfs. "Martin Schulz hat eindeutig gewonnen beim Thema soziale Gerechtigkeit, auch bei Bürgernähe", sagte Nahles der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Darauf setze die SPD in den nächsten Tagen. "Martin Schulz hat gezeigt: Er kann Kanzler", sagte Nahles. Bundesjustizminister Heiko Maas sagte der dpa, Schulz sei überzeugend und souverän gewesen, sein Auftritt habe der SPD Mut gemacht. "Martin Schulz und der gesamten SPD wird das Duell Rückenwind geben."

Der SPD-Vorsitzende hatte das einzige Fernsehduell am Sonntagabend laut Umfragen trotz größerer Angriffslust verloren. Führende SPD-Politiker sahen dennoch Rückenwind für die verbleibenden drei Wochen. Allerdings muss die SPD angesichts der durchschnittlich 15 Prozentpunkte Rückstand auf die Union eine Aufholjagd starten.

"Wahl wird nicht in TV-Duell entschieden"

Unionsfraktionschef Volker Kauder drückte trotzdem auf die Euphoriebremse. Zwar gingen CDU und CSU nun mit großer Zuversicht in den Schlussspurt zur Wahl am 24. September. Im Gespräch mit dpa mahnte er jedoch: "Wir wissen aber auch: Die Wahl wird nicht in einem TV-Duell entschieden."

Merkel kümmerte sich am Montag um ein weiteres wichtiges Thema im Wahlkampf: die Luftverschmutzung durch Diesel-Abgase. Bei einem Treffen mit Vertretern von Städten und Ländern sagte sie 500 Millionen Euro zusätzlich zu, um Projekte in den Kommunen zu unterstützen. So sollen drohende Fahrverbote noch abgewendet werden. Der beim Dieselgipfel Anfang August aufgelegte Fonds soll damit eine Milliarde Euro umfassen. Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) will die Autobranche stärker zur Kasse bitten. Sie könnten "durchaus mehr" als die bisher zugesagten 250 Millionen Euro beitragen.

In Umfragen nach dem TV-Duell lag Merkel vorne

Schulz hatte im einzigen Duell vor der Wahl Merkel schwere Fehler in der Flüchtlingskrise vorgeworfen. Zudem hielt er ihr vor, sie wolle die Rente mit 70 einführen. Merkel widersprach jeweils energisch.

In Blitzumfragen von ARD und ZDF zum TV-Duell lag Merkel vorn. Allerdings waren die Zahlen des Instituts Infratest dimap und der Forschungsgruppe Wahlen sehr unterschiedlich. Nach ARD-Angaben lag Merkel mit 55 zu 35 Prozent so weit vorn wie noch nie in ihren drei Duellen als Kanzlerin. Im ZDF war es viel knapper: Hier kam die Kanzlerin auf 32 Prozent Zustimmung, Schulz auf 29 Prozent.

Linke: "Die wirklichen Gewinner waren die Rechtspopulisten"

Aus Sicht der Linken-Vorsitzenden Katja Kipping profitieren vor allem rechte Parteien von dem Schlagabtausch. "Die wirklichen Gewinner waren die Rechtspopulisten und die Kapitalseite", sagte sie im ARD-Morgenmagazin und bemängelte: "Themen, von denen ich weiß, aus dem direkten Gespräch mit Menschen, die wirklich die Leute umtreiben, sind so gut wie gar nicht vorgekommen." Linke-Spitzenkandidat Dietmar Bartsch sprach von einem "großkoalitionären Therapiegespräch". "Martin Schulz hat sich nicht von der Union abgesetzt."

Die Grünen kritisierten, Schulz habe keine Ideen für die Zukunft gehabt. "Dass von Merkel keine Dynamik für Veränderung kommt, war zu erwarten, aber auch von Martin Schulz kamen keine Impulse für einen echten sozialen und ökologischen Wandel in diesen dramatischen Zeiten", sagte Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt der dpa.

Zu Guttenberg fordert klarere Profilbildung gegenüber der SPD

FDP-Chef Christian Lindner kritisierte beim Gillamoos-Volksfest, das TV-Duell habe sich zu sehr um Flüchtlinge und Manager gedreht. Es gebe dazwischen jedoch Millionen Menschen, die nicht bedürftig, aber auch nicht aus dem Gröbsten raus seien. "Diese Menschen haben sich gestern Abend doch gefragt: Wo war eigentlich ich?"

Auch Schulz beklagte beim politischen Frühschoppen in Niederbayern, viele drängende Fragen seien beim TV-Duell gar nicht gestellt worden. Das gelte zum Beispiel für die soziale Gerechtigkeit. Deutschland sei ein reiches Land, aber es seien "nicht alle Menschen in diesem Land reich", betonte Schulz und beklagte massive Einkommensunterschiede. "Das spaltet das Land."

Der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg rief CDU und CSU zu einer klareren Profilbildung gegenüber der SPD auf. Während der ersten Stunde des TV-Duells habe er gedacht, "wir müssen aufpassen, dass sich die beiden nicht plötzlich umarmen" und die Fusion von zwei großen Volksparteien verkünden.

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