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Von China nach Deutschland - Endlich: Panda-Paar bezieht Gehege in Berliner Zoo

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Zwei Riesenpandas beziehen ihr neues Gehege in Berlin. Der Zoo fiebert der Ankunft der beiden schon lange entgegen. Viel Vorbereitung und Diplomatie waren nötig, damit sie nach Deutschland kommen konnten.

Die beiden chinesischen Pandas „Träumchen“ und „Schätzchen“ sind in Deutschland eingetroffen. Nach jahrelangen Bemühungen des Berliner Zoos, des Bürgermeisters, des Botschafters und der Bundeskanzlerin haben sie jetzt ein neues Zuhause.

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Am Samstag nachmittag steht der Panda-Countdown des Berliner Zoos auf null: Die beiden Riesen-Pandas Meng Meng und Jiao Qing landen am Flughafen Berlin Schönefeld. Wenn alles nach Plan läuft darf die Öffentlichkeit einen ersten Blick auf die beiden schwarz-weißen Bären werfen - hinter Plexiglas.

Pandas sind anspruchsvolle Zoobewohner

Das Pärchen kommt per Frachtflug aus Chengdu und wird in Berlin sehnsüchtig erwartet. Im November wurde mit dem Bau eines neuen Geheges mit Außenanlage, Kletterbäumen und künstlichem Flussbett begonnen. Neun Millionen Euro investierte der Zoo. Riesen-Pandas sind anspruchsvolle Zoobewohner. "Sie sind zum Beispiel sehr wählerisch bezüglich ihres Futters", sagt Philine Hachmeister, Sprecherin des Zoos. Die passende Bambussorte wird deswegen palettenweise aus den Niederlanden angeliefert. 40-60 Kilo der grünen Halme und Blätter verspeisen Pandas täglich.

Außerdem gab es Vorgaben aus China, die bei der Planung des Geheges zu beachten waren. Damit sich Meng Meng und Jiao Qing in ihrem neuen Zuhause wohlfühlen, gibt es zum Beispiel eine Klimaanlage. Generell passt ihnen das kühle und feuchte Wetter in Deutschland aber gut. "Erst über 30 Grad wird es ihnen zu heiß", sagt Hachmeister.

Tierpfleger zu Schulungszwecken nach China

Ihr zukünftiger Tierpfleger ist Christian Toll. Er ist zur Vorbereitung extra nach Chengdu gereist, um seine neuen Schützlinge vorab kennenzulernen. Er weiß schon, dass Jia Qing - das bedeutet "Schätzchen"- eher träge ist und gerne badet. Panda-Dame Meng Meng - das bedeutet "Träumchen" - ist aktiver und lässt sich ihr schwarz-weißes Fell schon von ihm streicheln.

"Die größte Herausforderung wird sein, immer ruhig zu bleiben, weil Pandas relativ empfindlich auf Stress und Lautstärke reagieren", sagt Toll. Während seines Besuch in China hat Toll bei einer Schulung gelernt, woraus man Panda-Brot backt: verschiedene Mehlsorten, Haferflocken und Erdnussöl. Die Spezialität enthält energiereiche Zusatzstoffe, um die einseitige Bambus-Ernährung zu ergänzen.

Alle Pandas in europäischen Zoos sind nur geliehen

Für Toll sind "Schätzchen" und "Träumchen" das erste Panda-Paar, das er pflegt. Im Berliner Zoo lebte aber bis 2012 noch Bao Bao. Er war 1980 zusammen mit Panda-Dame Tjen Tjen als Staatsgeschenk nach Deutschland gekommen. Tjen Tjen starb schon vier Jahre nach ihrer Ankunft und Bao Bao lebte als Junggeselle, bis zehn Jahre später Yan Yan als Leihgabe nach Berlin kam. Nach ihrem und Bao Baos Tod blieb das Panda-Gehege aber leer.

Alle Riesen-Pandas, die aktuell in europäischen Zoos leben sind Leihgaben aus China. Nach 15 Jahren müssen sie wieder in ihre Heimat zurückkehren und die Zoos zahlen eine Leihgebühr: 920.000 Euro pro Jahr. Das Geld fließt in China in den Artenschutz, in die Forschung und in die Verwaltung. In Europa dürfen noch sechs weitere Zoos den wolligen Bären ein Zuhause bieten, unter anderem in Frankreich, Österreich, Spanien oder Schottland.

Panda-Diplomatie

Wenn China ausländischen Zoos ihre Riesen-Pandas ausleiht, ist es ein Zeichen von Freundschaft zwischen den Ländern. So ist auch von "Panda-Diplomatie" die Rede, wenn China die große Begeisterung für ihren Nationalschatz auf diese Weise für sich nutzt. Nur wenn die Beziehungen zwischen China und dem Gastland stimmen, wird angeboten, in einem Zoo Pandas zu halten.

Für Berlin hatte Angela Merkel 2015 bei einem China-Besuch die Verhandlungen in Rang gebracht. Nach vielen Gesprächen und Reisen einer Zoo-Delegation nach Peking wurde Ende Mai der Vertrag unterzeichnet. Dabei war auch der chinesische Botschafter. Bei der offiziellen Begrüßung von Meng Meng und Jiao Qing am 5. Juli werden der chinesische Präsident Xi Jinping und Kanzlerin Angela Merkel im Zoo sein. Es werde das wichtigste Foto vom Besuch werden, heißt es aus informierten Kreise.

Wappentier des WWF

Die Beliebtheit des schwarz-weißen Bären nutzt auch der WWF. Seit 1961 ist der Panda als Logo der Organisation ein Symbol für den Umweltschutz. Der damals neu gegründete WWF entschied sich für den Riesen-Panda, weil die Art bedroht war und das Tier bei Menschen auf der ganzen Welt beliebt ist. Dass lebende Exemplare ihres Maskottchens nun nach Berlin kommen, begrüßen die Tierschützer.

Denn für den WWF sind Meng Meng und Jiao Qing Botschafter ihrer Art. "Der Mensch schützt bekanntlich, was er kennt und mag", sagt WWF-Sprecher Roland Grammling. "Seriöse und wissenschaftlich arbeitende Zoos haben einen Aufklärungs- und Bildungsauftrag."

"Nur noch" eine gefährdete Art

Noch knapp 2.000 Tiere leben in den grünen Bambuswäldern im Südwesten Chinas - es waren mal weniger. Durch Zucht in Gefangenschaft gibt es wieder mehr Pandas. Die Bären sind nicht mehr vom Aussterben bedroht, sondern gelten nur noch als "gefährdet". Auch andere Arten konnten dank Zoos und Umweltorganisationen erhalten werden und wieder in Freiheit leben: der europäische Bison, das Prezewalski-Pferd oder das Goldene Löwenäffchen.

Wenn Meng Meng und Jiao Qing in den Berliner Zoo einziehen, lernen sie nicht nur eine neue Umgebung kennen - sie sehen sich auch gegenseitig zum ersten Mal. Wenn alles nach Plan läuft, freunden sie sich nicht nur an, sondern werden auch Eltern von kleinen Pandas. Aber das Zeitfenster ist knapp: Weibliche Pandas sind nur drei bis vier Tage pro Jahr fruchtbar. Sollte es Nachwuchs geben, dürfen die kleinen Bären wie ihre Eltern nicht dauerhaft in Berlin bleiben. Sie wären das Eigentum der Volksrepublik China.

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