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Durch die Ruinen: Von Mossul nach Palmyra

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Ausstellung in Bonn - Durch die Ruinen: Von Mossul nach Palmyra

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In Bonn versetzt eine Ausstellung den Besucher in durch Krieg und Extremismus zerstörte Welterbestätten des Nahen Ostens. Animationen zeigen, was wieder aufgebaut werden könnte.

Ein Mann steht vor der virtuellen Rekonstruktion der Umayyaden-Moschee in Aleppo, am 27.08.2019in Bonn
Ein Mann steht vor der virtuellen Rekonstruktion der Umayyaden-Moschee in Aleppo.
Quelle: dpa

Es ist ein zugleich überwältigender und erschütternder Eindruck: Der Besucher steht vor einer riesigen Leinwand und hat das Gefühl zu schweben. Er fliegt über das zerstörte Mossul, die zweitgrößte Stadt des Irak, die von 2014 bis 2017 in der Hand der Terrormiliz IS war. So weit das Auge reicht, sieht man Ruinen.

Kameraflug durch Ruinen

Eingestürzte Häuser, Trümmer, Autowracks. Plötzlich aber erwächst aus der Steinwüste die vom IS gesprengte Große Moschee des an-Nuri mit ihrem berühmten schiefen Minarett. Virtuell entsteht neu, was eines Tages vielleicht auch in Wirklichkeit wieder aufgebaut werden könnte. "Von Mossul nach Palmyra - Eine virtuelle Reise durch das Weltkulturerbe" heißt die Ausstellung, die von Freitag (30. August) an bis zum 3. November in der Bundeskunsthalle zu sehen ist.

Entworfen hat sie das Institut du Monde Arabe (IMA) in Paris. Es ist eine Schau, die man selbst erleben muss - Fotos oder Trailer können die Wirkung nicht vermitteln. Im Kameraflug bewegt man sich um die Ruinen herum, schwebt hinein, erkundet die Rekonstruktionen zerstörter Monumente. So viele TV-Dokus man zum Krieg in Aleppo auch gesehen haben mag: Erst hier wird für den Außenstehenden erlebbar, dass die uralte Stadt mit ihren berühmten Suks - Basaren und Karawansereien - in Teilen dem Erdboden gleichgemacht worden ist.

Zwei Männer stehen vor der virtuellen Rekonstruktion der großen Moschee des An-Nuri in Mossul, am 27.08.2019in Bonn
Zwei Männer stehen vor der virtuellen Rekonstruktion der großen Moschee des An-Nuri in Mossul
Quelle: dpa

Aufnahmen wie von einem anderen Planeten

Durch den Vergleich mit historischen Aufnahmen lässt sich das Ausmaß der Zerstörung erahnen. "Es sind Landschaften, die fast nicht mehr von unserem Planeten zu stammen scheinen", sagt der Intendant der Bundeskunsthalle, Rein Wolfs. Aufgenommen wurden die Filme mithilfe von Drohnen. Menschen fehlen. Das komme daher, dass manche Viertel nahezu entvölkert seien, sagt Pressesprecher Sven Bergmann. Außerdem seien die Drohnen meist am frühen Morgen ausgeflogen. Menschen, die sich bewegen, würden zudem aus technischen Gründen in den 3-D-Animationen nicht wiedergegeben. Ein Nachteil der insgesamt beeindruckenden Schau ist, dass man nicht immer abschätzen kann, was authentisch ist und was rekonstruiert.

Rein Wolfs, am 27.08.2019in Bonn
Rein Wolfs, Intendant der Bundeskunsthalle
Quelle: dpa

Die Ausstellung behandelt vier Orte: das vom IS verwüstete Mossul im Nordirak, die syrische Stadt Aleppo, die vom IS zerstörte antike Oasenstadt Palmyra in der syrischen Wüste und das weniger bekannte Leptis Magna. Diese erst teilweise ausgegrabene römische Stadt an der libyschen Küste ist nicht durch Krieg oder Extremismus, sondern durch Vernachlässigung vom Zerfall bedroht. "Das sind vier Städte, die eine Wahnsinnsgeschichte haben, wenn es um kulturelles Erbe und architektonische Qualität geht", sagt Wolfs der Deutschen Presse-Agentur.

Bleibt Palmyra in Ruinen?

Auf weiteren Bildschirmen berichten Einwohner und Archäologen von ihren Erlebnissen und Versuchen, die Schönheiten ihrer Städte zu retten. Angrenzende Räume bieten die Möglichkeit, in die Geschichte und Kultur des jeweiligen Orts einzutauchen. Im Fall von Mossul geht es zum Beispiel um das multireligiöse Erbe der Stadt, in der Christen und Muslime unterschiedlicher Prägung mehr als 1.000 Jahre zusammenlebten.

Ich denke, viele Ruinen werden Ruinen bleiben müssen, um zu zeigen, was geschehen ist.
Rein Wolfs, Intendant der Bundeskunsthalle

Schon seit längerem läuft eine Debatte darüber, ob und inwieweit die verwüsteten Monumente wiederaufgebaut werden sollen. In Palmyra etwa haben die Kahlschlag-Ideologen so vollständige Arbeit geleistet, dass vieles neugebaut werden müsste - wäre eine solche Kopie nicht zwangsläufig ein Disneyland? "Ich denke, viele Ruinen werden Ruinen bleiben müssen, um zu zeigen, was geschehen ist", sagt Wolfs. "Aber es ist auch wichtig, gewisse Symbole wiederherzustellen, um die Geschichte wieder darstellbar und konkret zu machen, um einer Stadt ihren Stolz zurückzugeben. Und auch um deutlich zu machen, dass man solche Zerstörungen nicht hinnimmt."

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