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Vor Anti-Terror-Demo in Köln - Mazyek: "Muslime sind für Frieden"

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Berlin, London, Paris: Islamisten terrorisieren Europa. "Nicht mit uns" heißt ein Friedensmarsch in Köln, bei dem heute Tausende Muslime sich vom IS-Terror distanzieren wollen. "Moscheen sind nicht das Problem, sondern Teil der Lösung", sagt Aiman Mazyek vom Zentralrat der Muslime im heute.de-Interview.

Tausende Muslime wollen am Samstag in Köln gegen islamistischen Terror auf die Straße gehen. 10.000 Teilnehmer werden erwartet. Aber nicht alle Muslime finden die Aktion gut.

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heute.de: Der Islamverband Ditib, der dem türkischen Präsidenten Erdogan nahesteht, nimmt nicht an der Demo teil. Was ist davon zu halten?

Aiman Mazyek: Es wäre besser gewesen, wenn wir zusammen ein Signal der Geschlossenheit ausgesandt hätten. Wir gehen auf die Straße, um uns zu zeigen und klar zu machen: Muslime sind für den Zusammenhalt der Gesellschaft und den Frieden. Wir verurteilen Extremismus. Aufgrund der Verunsicherung und Angst wird von uns auch ein öffentliches Zeichen erwartet. Es sollte aber nicht vergessen werden, dass die meisten Opfer des IS-Terrors Muslime sind.

heute.de: Wie erklären Sie sich die Ditib-Entscheidung?

Mazyek: Wir können das nur zur Kenntnis nehmen. Ditib hat sich in den letzten Jahren immer klar und deutlich positioniert und mit Wort und Tat den Extremismus bekämpft.

heute.de: Initiatoren der Demo sind die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor und der muslimische Friedensaktivist Tarek Mohamad. Warum sind Sie als Zentralrat der Muslime nicht der Veranstalter?

Mazyek: Wir haben in der Vergangenheit viele Großaktionen selber organsiert oder uns an ähnlichen Veranstaltungen beteiligt. Diese Position hat sich nicht geändert.

heute.de: Ihr letzter großer Aktionstag war 2015. Seitdem hat sich die Terrorlage deutlich verschärft.

Mazyek: Wenn man die Aktionen am Breitscheidplatz ausklammert, hatten wir - zusammen mit der Spitze des Staates, den Kirchen und der Zivilgesellschaft - im Jahr 2015 am Brandenburger Tor etwa 10.000 Demonstranten. Unsere Botschaft ist deutlich: Muslime wollen den Frieden und zeigen ihre Verbundenheit mit Deutschland.

heute.de: Durch den islamistischen Terror sehen sich viele Muslime unter Generalverdacht. Hat die Stigmatisierung in letzter Zeit zugenommen?

Mazyek: Das ist nicht von der Hand zu weisen. Und auch die Demonstration in Köln birgt die Gefahr, dass Muslime mit Terror verbunden werden. Aber die Vorteile überwiegen, wenn wir uns positionieren. Und uns für Frieden, Zusammenhalt und gegen Terror exponieren.

heute.de: In 99 Tagen ist Bundestagswahl. Was fordern Sie von der Politik?

Mazyek: Wir brauchen eine breite gesellschaftliche Unterstützung, die will, dass die Muslime mit ihren Einrichtungen den Kirchen endlich gleichgestellt werden. Und mit ständigen Schuldzuweisungen kommen wir da nicht weiter.

heute.de: Moscheen gelten als Ort, wo Menschen nicht nur beten, sondern auch radikalisiert werden. Was tun Sie als Zentralrat dagegen?

Mazyek: Ich sehe das anders: Die Moscheen stützen den gemäßigten Islam. Sie verhindern, dass sich radikale Haltungen ausbreiten können. Natürlich gibt es schwarze Schafe, das steht außer Frage. Aber die Mehrheit der Muslime ist friedlich. Wir wollen an den Moscheen die Präventionsprogramme ausbauen, aber das können wir nicht alleine. Ich bin mir aber sicher: Moscheen sind nicht das Problem, sondern Teil der Lösung.

Das Interview führte Raphael Rauch. Dem Autoren auf Twitter folgen: @raphael_rauch

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