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Trump reist nach Davos - America first trifft auf Handel für alle

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So richtig passt er nicht nach Davos - der Präsident der Abschottung auf dem Treffen der Weltwirtschaft. Trotzdem wird Trump dort wie ein Star empfangen werden.

Traditionell halten sich US-Präsidenten von dem elitären Gipfel in Davos eher fern. Ausgerechnet Donald Trump wird in dem Schweizer Alpenstädtchen nun aber als Gast erwartet. Auf viele Gleichgesinnte dürfte er dort nicht treffen. Denn während kaum etwas so sehr für den globalen Freihandel steht wie das jährliche Weltwirtschaftsforum, steht Trump vor allem für Abschottung. Mit der Einführung neuer Strafzölle bestätigte er dies am Dienstag erneut.

Derzeit findet in Davos das Weltwirtschaftsforum statt. Heute ist US-Präsident Trump eingetroffen. Sein Auftritt wird mit Spannung erwartet, denn sein Credo "America first" steht den auf dem Forum propagierten Freihandelszielen entgegen.

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"America first" kein Thema für Davos

In seiner Zeit als Immobilien-Mogul hätte Trump gut nach Davos gepasst. Schließlich werden am Rande der politischen Vortragsrunden meist auch maßgebliche internationale Wirtschaftsdeals vereinbart. Doch nun kommt er in einer anderen Rolle: als der große Protektionist, für den die Globalisierung nur in solchen Fällen erstrebenswert ist, in denen sie zum eigenen Vorteil verläuft. "Wir werden wieder über Investitionen in den Vereinigten Staaten sprechen", sagte Trump vor seiner Abreise.

Viele Experten rätseln, was genau der US-Präsident mit seiner Reise in die Schweiz eigentlich bezweckt - und wen er dort alles treffen will. Fest steht, dass sein Mantra "America First" im Kreise der Globalisierer nicht auf Zustimmung stoßen wird. "Er begibt sich in eine Situation, in der ihm das Publikum nicht sehr freundlich gesonnen ist", sagt Nariman Behravesh, Chefökonom des Marktforschungsunternehmens IHS Markit.

Grundsatzrede am Freitag

Nach offizieller Ankündigung will Trump während seines Aufenthalts in Davos am Donnerstag und Freitag mit mindestens vier Personen persönlich sprechen: mit der britischen Premierministerin Theresa May, dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, Ruandas Präsidenten Paul Kagame und mit dem Schweizer Bundespräsidenten Alain Berset. Darüber hinaus wird er eine Grundsatzrede halten und europäische Wirtschaftsbosse zu einem Empfang laden. Die zentrale Botschaft des US-Präsidenten wird sein, dass Amerika "offen für Geschäfte" sei, wie Trumps Wirtschaftsberater Gary Cohn ankündigte. Voraussetzung dafür seien allerdings "faire und wechselseitige" Handelspraktiken. Wie aus Kreisen des Weißen Hauses verlautete, wurde Trump vor allem von seinem Vize Mike Pence sowie von Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron dazu ermutigt, diese Botschaft in Davos zu übermitteln.

Ganze 18 Jahre ist es her, seit ein amtierender US-Präsident zuletzt bei dem Treffen der globalen Eliten zu Gast war. Der Freihandelsbefürworter Bill Clinton forderte die Anwesenden im Jahr 2000 auf, angesichts der fortschreitenden Globalisierung Arbeiter und ärmere Nationen nicht zu vergessen. In späteren Jahren kam Clinton weitere Male nach Davos und wurde meist herzlich empfangen - ebenso wie sein einstiger Vize Al Gore, der sich inzwischen als Umweltaktivist einen Namen gemacht hat.

Promi-Treff in der Schweiz

Neben Führungskräften aus Wirtschaft und Politik wurden in jüngerer Vergangenheit zunehmend auch Stars aus der Unterhaltungsbranche nach Davos eingeladen. Der Gipfel im Jahr 2006 war in der öffentlichen Wahrnehmung stark von einem Besuch der Schauspieler Angelina Jolie und Brad Pitt geprägt. Leonardo DiCaprio, Matt Damon, Goldie Hawn und der U2-Sänger Bono standen ebenfalls schon auf der Gästeliste. In diesem Jahr sorgten Elton John und Cate Blanchett bereits für Promi-Flair.

EU-Regierungschefs haben in Davos für einen europäischen Weg in der Globalisierung geworben: "Wir glauben, dass Abschottung uns nicht weiter führt", sagte Kanzlerin Angela Merkel.

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Während Trump zwar zum ersten Mal persönlich dabei ist, war sein politischer Aufstieg zuletzt schon ein großes Thema. "Ich erinnere mich noch gut, wie vor zwei Jahren in Davos jede Sitzung, ganz egal worum es ging, mit Bemerkungen darüber aufgehört hat, dass Trump niemals zum Präsidenten gewählt werden könnte", sagt der Harvard-Professor Kenneth Rogoff. Im vergangenen Jahr - in den letzten Tagen der Regierungszeit von Barack Obama - nutzte dessen Vizepräsident Joe Biden das Treffen in der Schweiz für eine indirekte Kritik am bereits gewählten Nachfolger im Weißen Haus. Biden appellierte an Europa und die USA, die Werte der "liberalen" Weltordnung zu verteidigen und die zunehmenden Tendenzen in Richtung Isolationismus zu bekämpfen. Bemerkenswert war 2017 außerdem, dass sich ausgerechnet der chinesische Präsident Xi Jinping in einer Rede als Verfechter des Freihandels präsentierte.

Der Vorkoster

Das Team des aktuellen US-Präsidenten wurde damals in gewisser Weise von Anthony Scaramucci vertreten. Der Hedgefonds-Manager und Trump-Berater, der im Sommer 2017 für wenige Tage als Kommunikationschef des Weißen Hauses diente, bemühte sich seinerzeit, dem besorgten Publikum die politischen Pläne seines Chefs zu erläutern. Er betonte dabei, dass Trump keinen Handelskrieg wolle. Zugleich gab er scherzhaft zu verstehen, dass er sich über die Vorbehalte unter den Gästen in Davos im Klaren sei. "Es ist nun schon mein zehntes Jahr hier", sagte Scaramucci. "Aber es ist das erste Jahr, in dem ich mit einem Vorkoster hier bin."

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