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Vor G20-Gipfel in Hamburg - Moskau: Warten auf das Treffen mit Trump

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Ab kommenden Freitag wird auf dem G20-Gipfel in Hamburg über die Themen der Welt beraten. Die Erwartungen und Ziele der Teilnehmer sind äußerst unterschiedlich - unsere Korrespondenten geben Einblicke.

Hamburg ist am 7. und 8. Juli Gastgeber des G20-Gipfels. Proteste und Demonstrationen werden die umstrittene Zusammenkunft begleiten - in Sachen Sicherheit rüstet die Stadt deshalb hoch.

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Berlin: Merkels Risiken

Archiv: Bettina Schausten am 17.08.2015
Bettina Schausten, ZDF-Hautstadtstudio Berlin Quelle: dpa

Weltpolitik vor Elbpilharmonie - und eine deutsche Kanzlerin, die die Großen der Welt in Harmonie vereint. So sehen Kanzler-Träume aus, zumal in Wahlkampfzeiten. Doch so schön wird es kaum werden für Angela Merkel, die bei diesem G20-Treffen viele Klippen zu umschiffen hat.
Risiko eins: Das Thema Klimapolitik droht nach dem Ausstieg der USA aus dem Pariser Abkommen zum Spaltpilz zu werden. Nachdem der G7-Gipfel in Sizilien mit seinem 6:1-Ergebnis die USA isolierte, steht Merkel unter Druck, bei G20 ein 19:1-Bündnis zu schmieden. Aber: Eine Pranger-Situation könnte andere animieren, sich Trump anzuschließen und ebenfalls auszuscheren. Ein Risiko, das Merkel nicht eingehen will. Die Lösung ist offen, eine weichgespülte Erklärung in Sachen Klimaschutz allerdings soll es nicht sein. Paris sei nicht verhandelbar.

Risiko zwei: Auch beim Thema Handel liegt man mit den USA überkreuz. Nutzt Trump seinen ersten Besuch in Deutschland, um erneut "bad Germany" anzuprangern in Sachen Handelsüberschüsse? Merkel muss damit rechnen. Und auch damit, dass die allererste Begegnung überhaupt von Trump mit Russlands Präsident Putin ihr die Gipfelregie durcheinanderbringt. Eigendynamik nicht ausgeschlossen auch, was den schwierigen Gast aus der Türkei angeht, Erdogan.

Risiko drei: Statt schöner Bilder vor Hafenkulisse könnte Hamburg in Gewalt versinken. "Welcome to hell“ heißt der Aufruf zum Protest. Mehr als 19.000 Polizisten sollen sicherstellen, dass der friedlich bleibt.

Chaotisch, hochgerüstet und wenig ertragreich - vor dieser Gipfelbilanz muss Merkel sich fürchten.

Moskau: Warten auf das erste Treffen mit Trump

Dass Russland wegen seiner Krim-Politik aus der G8 ausgeschlossen wurde, bedauere er nicht besonders, sagte einmal Präsident Putin. Viel wichtiger seien ohnehin die G20-Treffen.

Dafür ist es dann umso erstaunlicher, dass von einer eigenen politischen Agenda, die man beim Gipfel in Hamburg vortragen und umsetzen will, in Moskau keine Rede ist. Lediglich, dass man kooperationsbereit sei. "Es gibt eine Tagesordnung, die die deutsche Seite vorgeschlagen hat. Diese ist recht reichhaltig. Und darüber hinaus finden im Rahmen solcher Treffen traditionell bilaterale Begegnungen am Rande statt. Es wird dabei einen Kontakt mit Trump geben", so Außenminister Lawrow. Der russische Fokus scheint tatsächlich ausschließlich auf einem ersten Treffen zwischen Trump und Putin zu liegen. Auf das Verhältnis zu den USA - möglichst auf Augenhöhe versteht sich.

Man betrachte die USA nicht als Feind, so Putin kürzlich. Auch wenn er dort eine zunehmende Russland-Feindlichkeit beobachte. Von einem potentiellen "Moment der Wahrheit“ ist in Russland die Rede, wenn von der in Hamburg zu erwartenden Begegnung die Rede ist. Der Kreml registriert genau - und ist unangenehm berührt -, dass Donald Trump seit seinem Amtsantritt im Januar dutzende Staats- und Regierungschefs aus Ost und West getroffen hat. Auch den ukrainischen Präsidenten Poroschenko. Nur eben nicht Putin.

Afrika: "Wir sind ein Boom-Kontinent"

Für die Afrikaner sind drei Themen wichtig: Klimawandel, Terrorismusbekämpfung und vor allem Wirtschaftsförderung. Denn Afrika braucht Ausbildungs- und Arbeitsplätze.

    Jörg Brase
Jörg Brase, ZDF-Studio Nairobi Quelle: zdf

Die G20 haben eine Initiative gestartet, die "Compact with Africa" heißt. Dabei geht es um immense Finanzhilfen, im Gegenzug müssen sich die afrikanischen Partner verpflichten, zum Beispiel Korruption zu bekämpfen, oder ihre Rechts- und Steuersysteme zu reformieren.

Klingt gut, sagen viele Kritiker, heißt aber trotzdem mal wieder: Nur wer brav ist, darf mitmachen. Und am Ende gehe es darum, dass die Industrienationen ihre eigenen Unternehmen fördern, um in Afrika Profite zu machen. Die Afrikaner wollen ernst genommen werden. "Wir sind der Boom-Kontinent", sagen sie: Es kann nicht sein, dass ihr nur unsere Rohstoffe haben wollt, aber wenn wir unsere Rohstoffe selbst weiterverarbeiten wollen, macht ihr eure Märkte für unsere Produkte dicht. Die Afrikaner wollen faire Bedingungen. Und sie wissen, weit über eine Milliarde Kunden sind ein Pfund, mit dem man wuchern kann.

China: Das Protokoll muss stimmen

China präsentiert sich seit einiger Zeit als Klima-Champion und als Verfechter des Freihandels. Umso erstaunlicher ist, dass die Chinesen bei der Vorbereitung des G20-Gipfels zu diesen Themen denkbar wenig beigetragen haben.

Thomas Reichart
Thomas Reichart, ZDF-Studio Peking Quelle: ZDF

Beim Klimaschutz sind sie offenbar schon damit zufrieden, ihre Versprechungen einzuhalten. Und was einen drohenden Handelsstreit mit den USA angeht, hat China eine einfache Strategie. Sie schicken Deutschland vor nach dem Motto: Macht Ihr das mal, Ihr kennt die Amerikaner sowieso besser, vielleicht könnt Ihr Deutschen sie zur Vernunft bringen.

Was ist den Chinesen wichtig? Vor allem viel Protokollarisches. Wo sitzt Staatspräsident Xi Jinping? Welche Auftritte hat er? Wie wird er am effektivsten vor drohenden Protesten abgeschirmt? Daran zeigt sich das neue Selbstbewusstsein Chinas, das den G20-Gipfel in Deutschland vor allem als Bühne nutzen will, um sich als das zu präsentieren, als was sich China schon lange sieht: als neue Großmacht, die mindestens ebenbürtig mit den USA ist.

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