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Hauptversammlung - Schwere Prüfung für Deutsche-Bank-Manager

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Es wird heute ungemütlich für die Manager der Deutschen Bank. Sie müssen sich ihren Aktionären stellen - und die reisen nicht gerade in Hochlaune an.

Deutsche Bank Türme
Quelle: dpa

Es ist Premiere für Christian Sewing: Zum ersten Mal tritt er als Chef der Deutschen  Bank vor die Aktionäre. Seit dem Abend des 8. April steht er an der Spitze des Instituts, nachdem sein Vorgänger, der Brite John Cryan, das Haus hatte verlassen müssen: Die Probleme habe der nicht schnell genug in den Griff bekommen, hieß es damals. Sewing ist nun mit viel Schwung angetreten, verkündete schon am ersten Arbeitstag nach seiner Berufung, es müsse nun eine neue "Jägermentalität" Einzug halten in der Bank.

Weniger Investmentbanking – mehr Europa und Deutschland

Ende April dann skizzierte er, wohin die Reise des Geldhauses gehen soll: Das Investmentbankgeschäft in Amerika soll zurückgefahren werden, das Geldhaus will sich auf Deutschland und Europa konzentrieren. Allerdings kann sie sich nicht vollständig aus dem Investmentbankgeschäft verabschieden, weil dies auch der Wirtschaft dient.

Die Deutsche Bank werde sich auf ihre alte Stärke in der deutschen Industrie besinnen, hofft Klaus Nieding, Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Die in internationale Märkte zu begleiten, das sei seit jeher Aufgabe der Bank gewesen. "Wir sollten darauf achten, dass die Deutsche Bank im Investmentbanking bleibt, damit in Zukunft internationale Transaktionen zu Fusionen und Übernahmen nicht nur noch von amerikanischen oder französischen Banken durchgeführt werden können", warnt auch Christoph Schalast, Bankenexperte der Frankfurt School of Finance and Management, vor einer kompletten Abkehr.

Es müssen wieder Erträge her

Wirklich konkret ist die Strategie noch nicht, etwa wo und wie viele Jobs der neue Kurs kosten wird. Vor allem aber ist nicht klar, wo die Bank, wenn sie denn ihr Geschäft zurückschneidet, künftig noch Erträge erwirtschaften will. Das hatte sich schon bei der Vorlage der Bilanz für das erste Quartal gezeigt, die bezeichneten Analysten wie Philipp Häßler von der Equinet-Bank als "sehr enttäuschend". Die hatte zwar Sewing noch nicht zu verantworten, aber es zeigt den weiten Weg, den er noch gehen muss, soll die einst so stolze Bank wieder mehr Erfolg haben.

Wie schlecht es um das Institut steht, wie schlecht auch Aktionäre es bewerten, lässt sich am Aktienkurs ablesen. Der sank am Tag vor der Hauptversammlung auf unter elf Euro – zu Hochzeiten war eine Aktie 108 Euro wert, das war vor gerade einmal elf Jahren. Allein das dürfte die anreisenden Aktionäre schon wurmen. Immerhin, so könnte man ironisch einwenden: Sie erhalten eine Dividende – aber elf Cent pro Aktie sind eher Pflicht als wirkliche Rendite.

Ackermanns Wachstumsstrategie war falsch

Dass es soweit abwärts ging, liegt vor allem an den Fehlern der Vergangenheit, die nun auch der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, David Folkerts-Landau, wieder für die aktuelle Misere des Geldhauses anführt: Zu Beginn des Jahrtausends habe Wachstum oberste Priorität gehabt: "Im Rückblick wird klar, dass die Strategie des 'Wachstums über alles' scheitern musste", sagte er dem Handelsblatt vor wenigen Tagen.

Er griff damit vor allem den damaligen Vorstandschef Josef Ackermann an, der sich umgehend dagegen zur Wehr setzte: Es handle sich um einen "ebenso durchsichtigen wie untauglichen Versuch, von eigenen Fehlern und der Tatsache abzulenken, dass direkte Wettbewerber im Investmentbanking, mit denen die Deutsche Bank einmal auf Augenhöhe gewesen sei, heute viel besser dastünden“, ließ sich Ackermann in der Neuen Zürcher Zeitung vernehmen. Erst nach der Ära Ackermann, die 2012 endete, begann die Aufarbeitung der zahlrechen Skandale, in die die Bank verwickelt war. Die wesentlichen Rechtsstreitigkeiten sind inzwischen beigelegt – ein Verdienst vor allem John Cryans.

Für Achleitner wird es wohl unangenehm

Nun aber wollen die Aktionäre wieder mehr sehen. Und sie werden auch Fragen an Aufsichtsratschef Paul Achleitner stellen: Dessen Verhalten beim Chefwechsel findet Aktionärsschützer Nieding "unprofessionell": Wochenlang war über das bevorstehende Karriereende von John Cryan bei der Deutschen Bank spekuliert worden, obwohl der eigentlich einen guten Job beim Abbau der Altlasten gemacht hatte. Dann ließ Achleitner quasi im Handstreich am zweiten April-Wochenende Sewing vom Kontrollgremium installieren– wohl wissend, dass dies seine letzte Chance sein würde, als Aufsichtsratschef zu bestehen.

Die häufigen Abgänge von Vorständen ließen Fragen aufkommen, ob es Defizite beim Auswahlprozess gebe, kritisiert aber Hans-Christoph Hirt, Chef des Aktionärsberaters Hermes. Um seinen Job wird Achleitner, dessen Vertrag noch vier Jahre läuft, auf der Hauptversammlung dennoch nicht fürchten müssen. Er hat die Rückendeckung der großen Aktionäre, also sowohl des Emirats Katar, des chinesischen Mischkonzerns HNA und der Fondsgesellschaft Blackrock als auch die des Aktionärsberaters ISS. Hans-Christoph Hirt von Hermes empfiehlt jedoch, der Nominierungsausschuss solle damit beginnen, die Nachfolge Achleitners zu prüfen. Der wird sich also auf eine recht unangenehme Hauptversammlung einstellen müssen.

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