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Vor Münchner Sicherheitskonferenz - Deutsche vertrauen Putin mehr als Trump

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Die Münchner Sicherheitskonferenz hält die weltweite Lage für so gefährlich wie nie seit dem Kalten Krieg. Das liegt auch daran, dass die USA unter Trump Vertrauen verlieren.

Donald Trump
Nur zehn Prozent der Deutschen haben Vertrauen in die Außenpolitik Donald Trumps.
Quelle: dpa

Traditionelle Verbündete der Vereinigten Staaten nehmen die Macht und den Einfluss der USA als große Bedrohung für ihr Land wahr, sogar im Vergleich zu China und Russland. Das zeigt eine Meinungsumfrage des Pew Research Centers, die jetzt im Report zur Münchner Sicherheitskonferenz veröffentlicht wurde.

So sind 49 Prozent der Deutschen der Meinung, dass Macht und Einfluss der USA eine große Bedrohung für ihr Land darstellen. Russland halten 30 Prozent für eine große Bedrohung, China 33 Prozent.

Drastisch fällt auch die Beurteilung der Staats- und Regierungschefs aus: Nur 10 Prozent der Deutschen haben Vertrauen in die Weltpolitik von US-Präsident Trump. Russlands Präsident Wladimir Putin vertrauen 35 Prozent, Chinas Staatschef Xi Jinping 30 Prozent. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron trauen 77 Prozent der Deutschen die richtige Außenpolitik zu, Kanzlerin Merkel 68 Prozent.

600 Experten der Sicherheitspolitik

Zur Münchner Sicherheitskonferenz werden ab Freitag 600 Experten für Sicherheitspolitik erwartet, darunter 35 Staats- und Regierungschefs sowie 80 Außen- und Verteidigungsminister. Trotz einiger Absagen rechnen die Organisatoren damit, dass das diesjährige Expertentreffen das "wichtigste und größte" seit der Gründung vor mehr als 50 Jahren wird. Konferenzleiter Wolfgang Ischinger begründete das am Montag bei einer Auftakt-Pressekonferenz in Berlin unter anderem damit, dass die Delegationen aus den USA und China so groß und prominent besetzt seien wie noch nie.

Mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu haben allerdings zwei der prominentesten Gäste bei der Sicherheitskonferenz abgesagt. Macron sollte eigentlich zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel auftreten und über die Rolle Europas in der Welt sprechen. Netanjahu nimmt zwar kurz vor der Konferenz an einem als Anti-Iran-Konferenz kritisierten Nahost-Treffen in Warschau teil, verzichtet aber auf eine Weiterreise nach München.

Merkel und Pence prominenteste Redner

Neben Merkel wird nun wohl der US-Vizepräsident Mike Pence der prominenteste Redner in München. Er wird wie schon vor zwei Jahren den außenpolitischen Kurs von US-Präsident Donald Trump darlegen. Daneben sind unter anderen der kommissarische US-Verteidigungsminister Patrick Shanahan und die Sprecherin des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi dabei, so wie auch Präsidententochter Ivanka Trump und ihr Mann Jared Kushner.

Aus China kommt der oberste Außenpolitiker der Kommunistischen Partei Chinas, Yang Jiechi. Der 67-Jährige gilt als deutlich einflussreicher als der Außenminister des Landes.

Zehn Krisenherde im Fokus

Auf der Agenda der Konferenz stehen die Krisenherde weltweit. Die Nicht-Regierungsorganisation "International Crisis Group" warnt im Munich Security Report für 2019 vor einer "neuen Epoche des Grenzen-Austestens". Während die amerikanische Führungsrolle schwinde, wollten mehr Staaten ihren Einfluss ausbauen und in fremden Konflikten mitmischen. Die Experten richten ihren Fokus auf diese zehn Schauplätze:

1. Jemen: In dem Land herrscht nach Ansicht der "International Crisis Group" die schlimmste humanitäre Krise der Welt. Die Lage dort könnte 2019 sich weiter verschlechtern.

Bürger erhalten Lebensmittel in einem Verteilzentrum am 25.09.2018 in Sanaa, Jemen.
Im Jemen werden Lebensmittel an die hungernde Bevölkerung verteilt.
Quelle: dpa

2. Afghanistan: Dort wurden einer Zählung zufolge 2018 mehr als 40.000 Soldaten und Zivilisten im Krieg getötet - so viele wie nie, seit die Taliban vor 17 Jahren aus Kabul vertrieben wurden. Das halbe Land werde de facto von den Taliban kontrolliert. Die Entscheidung der USA, ihre Truppen in Afghanistan zu halbieren, habe weitere Unsicherheit gebracht, so die Gruppe.

3. Spannungen zwischen den USA und China: Auch wenn der Handelskrieg kein tödlicher Konflikt sei, könnte eine Verschlechterung der Beziehungen zwischen den USA und China nach Ansicht der Gruppe ernstere geopolitische Auswirkungen haben als alle andere Krisen.

4. Saudi-Arabien, USA, Israel und der Iran: Das Risiko einer Konfrontation bleibt nach Ansicht der Experten bestehen. Saudi-Arabien, die USA und Israel sehen den Iran als Bedrohung an.

5. Syrien: Die Ankündigung der USA, ihre Truppen abzuziehen, habe das Risiko eines blutigen Konflikts zwischen der Türkei und ihren syrischen Verbündeten, den syrischen Kurden und der Assad-Regierung erhöht, so die Gruppe.

Kurdische YPG-Kämpfer in Syrien.
Kurdische Kämpfer in Syrien.
Quelle: Reuters

6. Nigeria: Hier werden am 16. Februar ein neuer Präsident und ein neues Parlament gewählt. In der Vergangenheit gab es bei Wahlen häufig Gewalt in dem afrikanischen Land.

7. Südsudan: In dem Land herrscht seit fünf Jahren Bürgerkrieg, 400.000 Menschen starben. Die Krise im Nachbarland Sudan könnte die Lage weiter destabilisieren.

Flüchtlingslager im Südsudan
Flüchtlingslager im Südsudan: Seit fünf Jahren herrscht Bürgerkrieg.
Quelle: dpa

8. Kamerun: In Kamerun droht ein Konflikt in den englischsprachigen Gebieten zu einem Bürgerkrieg zu eskalieren. Fast eine halbe Millionen Menschen mussten schon ihre Heimat verlassen.

9. Ukraine: Im Konflikt in der Ukraine - der auch ein Konflikt zwischen dem Westen und Russland ist - ist kein Ende in Sicht.

10. Venezuela: Das Land befindet sich in einer Staatskrise, die Wirtschaft im freien Fall - mit drastischen sozialen Folgen. Das könnte die ganze Region in eine Krise stürzen, warnt die "International Crisis Group".

Demonstranten halten Plakate mit dem Schriftzug "Demokratie" hoch, während eines Protestes gegen Maduro in Caracas, Venezuela am 03.02.2019
"Demokratie" fordern Kritiker von Staatschef Maduro in Venezuela.
Quelle: dpa
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