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Vor Trump-Kim-Treffen in Vietnam - Auf den letzten Drücker: Wie Hanoi sich auf den Gipfel vorbereitet

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Blumen und Fähnchen für Trump und Kim: Hanoi macht sich hübsch für das Treffen der beiden Staatschefs. Kims Limousine ist bereits eingetroffen, es herrscht Alarmbereitschaft.

Das Gästehaus der vietnamesischen Regierung, möglicher Ort des Treffens von Trump und Kim
Das Gästehaus der vietnamesischen Regierung, möglicher Ort des Treffens von Trump und Kim
Quelle: Andre Groenewoud

Auf den letzten Drücker schwirren sie aus, all die fleißigen Helfer, die amerikanische, vietnamesische und nordkoreanische Fähnchen an Laternenmasten befestigen, Beete mit Geranien bepflanzen und mit Plastikrosen die US-amerikanische und nordkoreanische Flagge in XXL gestalten. Handwerker säubern noch schnell das Gästehaus der vietnamesischen Regierung, ein Prachtbau aus der französischen Kolonialzeit, in dem sich voraussichtlich US-Präsident Donald Trump und Kim Jong Un, Staatschef von Nordkorea, zu ihrem zweiten Gipfel an diesem Mittwoch treffen werden.

Das Dachgesims wird vom Taubendreck befreit und der gusseiserne Zaun bekommt einen frischen Anstrich. Hanoi macht sich hübsch, einen Tag vor Gipfelbeginn. Dabei zeigt der Gastgeber Vietnam, dass es - ähnlich wie Singapur im vergangenen Jahr - kreativ und effizient ein Staatstreffen auf die Schnelle stemmen kann. 

Warum nicht nochmal Singapur?

Politische Beobachter glauben, Singapur als erneuter Austragungsort hätte einen Stillstand in den Verhandlungen beider Länder symbolisiert. "Es gibt einige Kriterien, die zutreffen müssen", sagt Le Hong Hiep, politischer Analyst des Instituts für südostasiatische Studien in Singapur. "Vietnam ist ein sicheres Land, hat gute Beziehungen zu beiden Ländern und Nordkorea unterhält eine Botschaft in Hanoi", so der Experte. Hinzu käme: Die Entwicklung Vietnams könnte auch ein Modell für Nordkorea sein. "Kim Jong Un will von dieser Reise etwas mit nach Hause nehmen. Und für die USA ist Vietnam ein wichtiger wirtschaftlicher und strategischer Partner in Asien geworden", sagt Le Hong Hiep.

Letzte Arbeiten vor dem Medienzentrum
Letzte Arbeiten vor dem Medienzentrum
Quelle: Andre Groenewoud

Wie auch beim Gipfel in Singapur müssen nun die Gastgeber auf den letzten Drücker einiges organisieren. Nur 20 Tage hätte die vietnamesische Regierung Zeit zur Vorbereitung gehabt, sagt Tram, die Mitarbeiterin aus dem Informationsministerium, die das ZDF rund um den Gipfel begleitet. Doch Stolz schwingt mit in ihrer Stimme. Die Produktion der Fähnchen, so sagt sie, sei reibungslos verlaufen, ebenso der Aufbau des Medienzentrums und die Organisation des Gipfeltreffens mit den Wünschen Nordkoreas und der USA. "Nur die Fragen der Sicherheit bereiten uns ein paar Sorgen", sagt Tram. Warum? Darauf gibt sie keine Antwort. Aber man kann sich gut vorstellen, dass der unberechenbare US-Präsident das Protokoll durcheinanderwirbeln könnte und der nordkoreanische Diktator - wenn er denn schon mal sein Land verlässt - auf Sightseeingtour geht.

Höchste Sicherheitsstufe für den Gipfel

Vor dem Mélia-Hotel, in dem Kim nächtigt
Vor dem Mélia-Hotel, in dem Kim nächtigt
Quelle: Andre Groenewoud

Die Sicherheitsbehörden des Landes sind in Alarmbereitschaft. "Wir haben höchste Sicherheitsstufe", sagte Le Hoai Trung, stellvertretender Außenminister Vietnams. An vielen Straßenkreuzungen patrouillieren derzeit Polizisten in Hanoi, sie grüßen (noch) freundlich und winken.

Doch als das ZDF-Team das Mausoleum von Ho Chi Minh, dem ehemaligen kommunistischen Präsidenten Vietnams, aus der Ferne filmen will, ist Schluss mit lustig. Sofort wird der Kameramann an seiner Arbeit gehindert. Auch die Intervention der Mitarbeiterin des Ministeriums, die eiligst eine offizielle Drehgenehmigung aus ihrer Handtasche kramt, bleibt erfolglos. Nur bei einer geführten Pressetour am nächsten Morgen zum Sonnenaufgang sind Bilder der Touristenattraktion erlaubt.

Kim Jong Un schon eingetroffen

Kim reist mit Zug nach Vietnam
Kim reist mit dem Zug nach Vietnam
Quelle: dpa

Und während Hanoi die letzten Vorbereitungen trifft, ist Kim Jong Un bereits vor Ort. Er residiert mitten in der Stadt im Mélia-Hotel, das weiträumig abgesperrt ist. Vor dem Hotel und in den anliegenden Straßen stehen Schützenpanzer und bewaffnete Soldaten. Mit einem olivgrünen Sonderzug und seiner Schwester Kim Yo Jong sowie Kim Yong Chol, Berater und Vertrauter des Diktators, an Bord, hatte Kim bei Dandong in der chinesischen Provinz Liaoning die Grenze zu China überquert, fuhr an Peking vorbei immer weiter Richtung Südwesten bis nach Dong Dang im Norden Vietnams.

Für die letzten 170 Kilometer stiegen der Diktator und seine Entourage in zwei Dutzend Limousinen um und fuhren in einem Konvoi bis nach Hanoi. Die Straße wurde dabei über mehrere Stunden für den Verkehr komplett gesperrt. Als er am Dienstag Vormittag (Ortszeit) in Hanoi ankam, ging für den Diktator eine lange Reise zu Ende - seit vergangenem Samstag, 16:30 Uhr Ortszeit, war der nordkoreanische Staatschef unterwegs. Von Dandong nach Dong Dang - über 4.000 Kilometer, über 60 Stunden Reise quer durch China.

Traditionsbewusste Reise statt Flugzeug-Kurztrip

Kim wandelt mit dieser Reise auf den Spuren seines Großvaters Kim Il Sung, der 1958 und 1964 Vietnam per Zug besucht hatte. Zudem, so heißt es, sei die Zugfahrt durch China auch eine Geste an den wichtigsten politischen Partner Nordkoreas. Aber zur Wahrheit gehört auch: Der nordkoreanische Staatsjet, eine Chammae-1, stammt noch aus Zeiten der Sowjetunion und die Piloten gelten als unerfahren. Im vergangenen Jahr flog Kim Jong Un daher mit einer Maschine von Air China zum Gipfel nach Singapur.

Die Anreise mit dem Zug sei eine exzellente Wahl, sagt Tak Hyun Min, ein südkoreanischer Präsidentenberater. Kim sei mit der Reise und den Spalier stehenden Soldaten an den Bahnhöfen sehr präsent in den Medien, schreibt der politische Beobachter auf Facebook. Zudem, so Tak Hyun Min, verweise Kim auf die historische Vergangenheit seines Großvaters.

Kim- und Turmp-Doppelgänger sorgen für Aufsehen

Für den ersten Gipfel-Aufreger sorgte derweil wieder mal Howard X, ein Kim-Doppelgänger, der schon in Singapur die Behörden zur Weißglut trieb, den Gastgeber im Duett mit einem Trump-Doppelgänger ins Lächerliche zog und nun auch die Vietnamesen gegen sich aufbrachte. Howard X trat bereits die Rückreise an. Zwar nicht nach Hause und auch nicht mit dem Zug und schon gar nicht freiwillig. Die vietnamesischen Behörden wollten sich nach ein paar Tagen vom Doppel-Kim nicht länger auf der Nase herumtanzen lassen und schoben ihn kurzerhand nach Hongkong ab, offizieller Grund: sein Visum war ungültig.

Der Trump-Doppelgänger durfte bleiben, allerdings mit der Auflage, nicht mehr öffentlich aufzutreten. Schnell noch küssten sich der falsche Trump und der falsche Kim zum Abschied auf den Mund, dann war das Paar auch schon wieder getrennt. Ob sich die Originale auch so gut verstehen werden? Am Mittwochabend hat das Warten ein Ende.

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