Sie sind hier:

Vor Unabhängigkeitsreferendum - Katalonien: Polizei riegelt Wahllokale ab

Datum:

Einen Tag vor dem Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien bringt sich die Polizei für eine Blockade des Votums in Stellung. Um eine Online-Abstimmung zu unterbinden, drangen Beamte in das IT- und Telekomzentrum der Regionalregierung ein. Zudem riegelte die Polizei mehrere Wahllokale ab.

Die spanische Zentralregierung will das Unabhängigkeitsreferendum der spanischen Region Katalonien mit allen Mitteln verhindern. Sie schickt tausende zusätzliche Polizisten in die Region. Unabhängigkeitsbefürworter besetzten derweil dutzende Wahllokale.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Die Polizei riegelte am Samstag mehr als die Hälfte der Schulen ab, die als Wahllokale vorgesehen sind. Befürworter des Votums besetzten aber auch Dutzende Schulen, um sie für die Wahl offen zu halten. Die Regierung in Madrid hat Tausende Polizisten nach Katalonien geschickt, um die Abstimmung zu verhindern. Die Organisatoren zeigten sich dennoch zuversichtlich, dass am Sonntag wie geplant ab 09.00 Uhr gewählt werden kann.

Google soll Wahltool löschen

Berichten örtlicher Medien zufolge kreiste ein Hubschrauber über dem Technik-Zentrum der katalanischen Regionalregierung, als die Polizisten eintrafen. Die Regierung rechnet einem Sprecher zufolge damit, dass die Beamten zwei Tage dort bleiben werden. Die Polizei und das spanische Innenministerium bestätigten den Einsatz in dem IT-Zentrum zunächst nicht.

Das oberste katalanische Gericht hatte die Polizei zuvor angewiesen, Abstimmungen über das Internet zu verhindern. Die Richter ordneten zudem an, dass Google ein Programm löscht, mit dem nach Einschätzung des Gerichts Informationen über das Referendum verbreitet werden.

Regierungskreise: Bis zu 300.000 Euro Strafe für Wahlhelfer

Von den gut 2.300 Schulen, die als Wahllokale vorgesehen sind, wurden nach Informationen aus Regierungskreisen etwa 1.300 abgeriegelt. Die Polizei sei zudem angehalten, Menschen aus den Wahllokalen zu entfernen. Dabei sei es den Beamten überlassen, wie sie vorgehen wollten. Wer sich als Wahlhelfer bei dem verbotenen Referendum betätige, habe mit Geldstrafen von bis zu 300.000 Euro zu rechnen. Zuvor hatte die Polizei schon Stimmzettel beschlagnahmt.

Es wird trotzdem damit gerechnet, dass Zehntausende Katalanen ihre Stimme abgeben - auch wenn das Votum rechtlich nicht bindend ist. Das spanische Verfassungsgericht hat das Referendum für illegal erklärt und beruft sich dabei auf die gesetzlich verankerte Unteilbarkeit des spanischen Staates.

Demos gegen die Abspaltung

Es gibt aber auch Demonstrationen für ein geeintes Spanien. Tausende Spanier haben gegen die Teilung ihres Landes demonstriert. Einen der größten Proteste gab es am Samstag im Zentrum der Regionalhauptstadt Barcelona vor dem Sitz der Regierung Kataloniens und dem Rathaus. Spanische Fahnen wurden geschwenkt, ein Mann verbrannte eine katalanische Flagge.

Auch in der Landeshauptstadt Madrid forderten Hunderte Demonstranten mit Sprechchören die Einheit Spaniens. Einige stimmten aber auch die Faschisten-Hymne "Gesicht zur Sonne" an, die oft während der Diktatur von Francisco Franco gespielt wurde. An vielen Balkons hingen spanische Fahnen. Einheitskundgebungen gab es auch in zahlreichen weiteren Städten, darunter Cordoba, Malaga und Zaragoza.

Ein "demokratischer Tsunami"

Katalonien ist eine wohlhabende Region an der Grenze zu Frankreich, in der mit Katalanisch eine eigene Sprache gesprochen und ein Fünftel der spanischen Wirtschaftsleistung erwirtschaftet wird. Die Befürworter der Unabhängigkeit hatten in der Vergangenheit argumentiert, dass es der Region ohne Transferzahlungen an ärmere Gebiete Spaniens noch besserginge. Die Regierung in Madrid warnte hingegen, dass eine Abspaltung
Katalonien in die Rezession stürzen könne.
Der katalanische Regionalpräsident Carles Puigdemont sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", Millionen Wähler würden sich in einem "demokratischen Tsunami" an dem Votum beteiligen. Zu Reuters sagte der Politiker, in mehr als 2.000 Wahllokalen sei alles vorbereitet. Es gebe Urnen und Wahlzettel - "alles, was die Leute brauchen, um ihre Meinung zu sagen".
Familien halten nach Informationen aus Regierungskreisen 163 Schulen besetzt, um eine Abriegelung durch die Behörden zu verhindern. Eine Frau in einer Schule im Zentrum von Barcelona sagte, die Eltern und Kinder hätten die Nacht in Schlafsäcken auf Gymnastikmatten verbracht. Die Polizei sei einmal gekommen, dabei aber sehr höflich gewesen.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.