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Vor dem Treffen in Kanada - G7-Gipfel der Zerrüttung

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Viel Dissens in traumhafter Umgebung: Die mächtigsten Staats- und Regierungschef treffen sich am Nachmittag zum G7-Gipfel im idyllischen Quebec. Aber schön wird das sicher nicht.

Zwietracht bei G7-Gipfel
Quelle: reuters

Es könnte alles so schön sein: Bilderbuch-Kanada, ein nobler Golf-Club 120 Kilometer nord-östlich von Quebec über dem mächtigen Sankt-Lorenz-Strom, grüne Hügel, blaue Seen. Der perfekte Ort für ein Rendezvous zwischen dem alten Europa - immerhin waren die Franzosen die Ersten, die am Sankt-Lorenz-Strom niederließen - und der Neuen Welt, mitten in der kanadischen Wildnis.

Bei G7 hängt der Haussegen schief

Es wird aber nicht schön. So viel ist schon vor Beginn des G-7 Treffens klar. Denn  bei G-7 hängt der Haussegen schief, der Riss zwischen dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump und den sechs anderen Staats-und Regierungschefs aus Japan, Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, Gastgeber Kanada und der EU ist so tief, dass manche schon das Treffen an sich in Frage stellen.

Die G7, die Runde der großen Industriestaaten, sahen sich  immer auch als eine "Wertegemeinschaft", bei jedem Gipfel geht es um die traditionellen Themen von Welthandel, Wachstum, von Klima, Umweltschutz und Entwicklung. Es mag nicht immer viel dabei herausgekommen sein, doch es war ein Wert an sich, dass sich die sieben Chefs großer Industrieländer treffen, diskutieren und am Ende eine mehr oder weniger aussagekräftige Abschlusserklärung verabschieden. 

Vorbei.  Das war einmal.

Partner und Gegner in Einem

Donald Trump gefällt sich in der Rolle des Spielverderbers. An diesem Freitag trifft er gleich in der ersten nachmittäglichen Arbeitssitzung auf sechs "Partner“, die er alle seit einer guten Woche mit Strafzöllen auf Stahl und Aluminium belegt. Er trifft auf einen wütenden kanadischen Premierminister, der die Zölle "beleidigend" schimpfte, auf den Franzosen Macron, der sie "illegal" nennt und eine auf Krawall gebürstete EU, die längst Gegenmaßnahmen beschlossen hat.

Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow versucht den Streit am Vortag herunter zu spielen: "Das Welthandelssystem ist kaputt, Donald Trump versucht es zu reparieren", sagt er in einem Pressebriefing vor Gipfelbeginn. Die Erwartungen daran, dass das G7-Treffen etwas an den Zöllen ändern könnte, sind entsprechend gering.

Keine Panik, aber auch wenig Hoffnung

"Wir haben extrem wenig Hoffnung, dass Donald Trump die Zölle auf Stahl und Aluminium wieder aufhebt", tiefstapelt ein hoher EU-Diplomat. Es gäbe auf europäischer Seite keine Panik, keine Hysterie, aber: „Machen wir uns nichts vor, die Haupt-Story dieses Gipfels ist das Zerwürfnis innerhalb der G-7, oder besser das Zerwürfnis zwischen den Vereinigten Staaten und dem Rest der Gruppe.“

Schon vor einem Jahr, beim letzten G-7 Gipfel im italienischen Taormina, und dem ersten mit Donald Trump, war die Spaltung im G-7-Club  deutlich geworden. Fieberhaft verhandelten die 6 anderen damals mit dem Amerikaner über einen Satz in der Abschlusserklärung, der sich gegen protektionistische Maßnahmen im Welthandel aussprach. Am Ende stimmte der US-Amerikaner dem Kommunique zu. Genutzt hat es nichts.  Auch sonst gab es einem Jahr auf Sizilien schon viele Fragen, wie würde Trump sich in der Klimapolitik verhalten, wie mit dem Iran-Deal umgehen?

"Dieser Gipfel wird noch schwieriger als Taormina", seufzt der frustrierte EU-Diplomat, "damals hatten wir viele Fragezeichen, jetzt haben wir zu viele Antworten."
Donald Trump stieg kurz nach Taormina aus dem Pariser Klimaabkommen aus, vor ein paar Wochen kündigte er das Nuklear-Abkommen mit Iran.

Beim Abendessen am Freitag, das außenpolitischen Themen gewidmet ist, werden die sieben Chefs über den Iran-Deal streiten, ohne Hoffnung auf Annäherung. Einigkeit ist vielleicht möglich beim Punkt Nord-Korea und der De-Nuklearisierung der koreanischen Halbinsel. Trump reist direkt nach dem Gipfel in Kanada zum Treffen mit dem nordkoreanischen Präsidenten Kim Jong Un nach Singapur.

Karte: La Baie in Quebec, Kanada
Der G7-Gipfel findet in La Malbaie in Quebec, Kanada statt. Quelle: ZDF

"Wir werden uns nicht verbiegen"

Ob es dieses Mal überhaupt eine Abschlusserklärung gibt, die alle unterschreiben werden, ist unklar. Die Verhandlungen dauern noch an, die Chefs selbst werden bis Gipfelende am Samstagnachmittag darüber beraten müssen. "Wir werden uns nicht verbiegen", heißt es aus vielen europäischen Delegationen, am Ende wird man möglicherweise nur noch das transatlantische Zerwürfnis festschreiben. Schon heißt es aus dem Weißen Haus, Trump habe gar nicht teilnehmen, sondern seinen Vize-Präsidenten zu dem lästigen Treffen in Kanada schicken wollen.

Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow dementiert, verbreitet aber auch Null-Optimismus: "Der Präsident freut sich auf den Trip nach Kanada. Es macht ihm nichts aus über all diese schwierigen Themen zu sprechen".

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