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Vor Spiel gegen Südkorea - DFB-Elf: Heiß auf die Pflichtaufgabe

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Im letzten WM-Gruppenspiel gegen Südkorea will sich die deutsche Nationalmannschaft alle Rechenspiele ersparen. Das wichtigste vor dem Spiel hier im Livestream.

Nationalmannschaft beim Training (26.06.2018)
Nationalmannschaft beim Training (26.06.2018)
Quelle: dpa

Auf Prozentrechnung wollte Weltmeistertrainer Joachim Löw nur ungern eingehen. Am Tag vor dem letzten WM-Gruppenspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Südkorea (Mittwoch 16 Uhr MESZ/live im ZDF) hatte Trainer Tae-Yong Shin in der Kasan-Arena eine These aufgestellt, die seiner Mannschaft wahrlich nicht viele Chancen einräumte: "Wir haben ein Prozent Chance." Nebenbei verriet der 47-Jährige noch, dass ihm es sehr gefalle, wenn seine äußere Erscheinung mit der von Bundestrainer Joachim Löw verglichen werde: "Das ist eine große Ehre für mich. Er ist der beste Trainer der Welt. Und er zieht sich sehr modisch an."

Genau die Länge eines Fußballspiels später hockte der leibhaftige Löw auf demselben Podium, und diesmal waren die steil ansteigenden roten Klappsessel im Pressekonferenzraum noch besser gefüllt. Was er von dieser Rechnung halte? Nicht so viel. Nur das sei gesagt: "Es ist der absolute Willen bei den Spielern zu spüren, dass sie dieses Spiel gewinnen wollen." Am besten fällt der Sieg gegen die von Schweden und Mexiko geschlagenen Südkoreanern in der Tatarenstadt gleich mit zwei Toren Differenz aus, dann erledigen sich für die DFB-Auswahl alle Rechenspiele. Das Achtelfinale wäre dann erreicht. Eine Pflichtaufgabe.

Eine Matrix führt alle Varianten

"Ich bin keiner, der unterschiedliche Szenarien durchspielt", erklärte Löw. "Wir wollen mit unserem eigenen Spiel für Klarheit sorgen. Wir werden alles daran setzen, es aus eigener Kraft zu schaffen." Wenn das allerdings nicht gelänge, führte der 58-Jährige aus, "werden wir darüber informiert, was bei Mexiko gegen Schweden passiert, damit wir gegebenenfalls reagieren können."

Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff ging fast zeitgleich auf einem Trainingsplatz in Innenstadtnähe ein bisschen tiefer ins Detail: "Wir haben eine Matrix erstellt, die alle Varianten beinhaltet." Das Beispiel von Spanien und Portugal, die am Montagabend bis in die Nachspielzeit zittern (und nachrechnen) mussten, habe doch offenbart, welche Konstellationen auf einmal zusammenkommen könnten.

Die Fitness spielte eine große Rolle

Wegen eines plötzlich einsetzenden Gewitters am späten Dienstagnachmittag mit Starkregen und Hagel konnten kurzfristig weder die Teams von Deutschland noch Südkorea ihre Abschlusstrainings absolvieren. Die Spielfläche der einer Seerose nachempfundenen Kasan-Arena hätte sonst gelitten.

Die deutschen Kicker wurden kurzerhand umgeleitet. Keine Ausreden dürfen aus Löws Sicht am Spieltag die Begleitumstände sein: Bei den angekündigten Temperaturen über 30 Grad werden "Fitness und Physis eine Rolle spielen", räumte er ein, "aber wir können schon auch aufs Tempo spielen - die Hitze macht uns nicht mehr Probleme als den Südkoreanern". Sollte heißen: Seine Elf ist nicht nur druckresistent, sondern auch wetterbeständig.

Mesut Özil ist nicht abgeschrieben

Der gesperrte Jerome Boateng und der nach seinem Nasenbeinbruch keinesfalls einsatzfähige Sebastian Rudy fehlen gegen Südkorea auf alle Fälle. Löw deutete an, seine Aufstellung nach dem (körperlich klar unterlegenen) Gegner auszurichten, was für einen Einsatz des wuchtigen Mittelstürmers Mario Gomez und des flinken Timo Werner am linken Flügel sprechen könnte.

Nicht abgeschrieben ist in den Planspielen auch Mesut Özil. "Er hat eine sehr gute Reaktion gezeigt im Training", lobte Löw, der mit dem formschwachen Thomas Müller ein längeres Gespräch geführt hat: "Er ist sehr aufnahmefähig und selbstkritisch. Und einer, der immer positiv nach vorne schaut."

Der Matchplan beinhaltet, sich "keine einfachen Ballverluste" zu erlauben, um Räume anzubieten, die beispielsweise der flinke Südkoreaner Heung-Min Son zu nutzen weiß. Der Bundestrainer befand, die Mannschaft habe das nach dem Versagen in der ersten Halbzeit gegen Mexiko zuletzt "gegen Schweden in der Umschaltbewegung schon doppelt so gut gemacht - das ist der Maßstab."

Gruppenerster geht nicht mehr aus eigener Kraft

Für sein Ensemble spricht auch die jüngere Historie: Seitdem Löw die Verantwortung trägt, hat es Deutschland bei großen Turnieren von der EM 2008 bis zum Confederations Cup 2017 immer ins Halbfinale gebracht. Auf den ersten Gruppenplatz kann seine Mannschaft zur WM 2018 jedoch nur noch mit schwedischer Schützenhilfe springen.

Im derzeit wahrscheinlicher anmutenden Szenario als Gruppenzweiter hat Deutschland ein Achtelfinale am Montag in Samara gegen den Sieger der Gruppe F zu bestreiten - und das könnte Rekordweltmeister Brasilien sein. So weit ist es noch nicht. Zumal Löw ja vor dem letzten Gruppenspiel noch nicht mal auf die Ein-Prozent-Rechnung des Kollegen eingehen wollte.

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