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Schwimmen in der Spree - Berlins Traum vom eigenen Flussbad

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Baden mitten in Berlin - diesen Traum haben die Architekten Jan und Tim Edler. Sie wollen den Spreekanal ökologisch säubern und als Flussbad eröffnen. Wenn alles klappt, bis 2025.

Während alle Welt auf die Zerstörung unserer Meere schaut, bleiben andere Gewässer oft unbeachtet: Auch unsere Flüsse und Seen brauchen Schutz. "plan b" zeigt, wie der gelingen kann.

Beitragslänge:
29 min
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Weltweit wandeln Städte ihre Wasserstraßen wieder in Lebensadern um. Die Ufer werden zugänglich gemacht, die Wasserqualität kontinuierlich verbessert. Neben Beispielen wie München, Kopenhagen und Chicago ist auch unser Nachbarland, die Schweiz, Vorreiter in Sachen urbanes Schwimmen: In Basel, Bern und Zürich hat das Baden im Stadtfluss schon seit den 90ern wieder Tradition.

Jan Edler
Jan Edler verfolgt gemeinsam mit seinem Bruder den Traum eines Flussbads mitten in Berlin schon seit gut 20 Jahren.
Quelle: Dawin Meckel, OSTKREUZ 2017

Bald wird es auch in Berlin soweit sein. Jan Edler verfolgt diesen Traum gemeinsam mit seinem Bruder schon seit gut 20 Jahren. Sie wollen den kaum genutzten, fast zwei Kilometer langen Spreekanal ökologisch reinigen und für Badende zugänglich zu machen: "Der Fluss ist ein wichtiger Bestandteil der Stadt, der an dieser Stelle aber derzeit nur vor sich hin schlummert und dessen Potentiale man nutzen sollte." Er wünscht sich, dass die Spree zu einem Erholungs- und Begegnungsort wird - wie sie es einst einmal war.

Das Fluss-Schwimmen hat Tradition

Um 1900 hat man auch in Berlin ganz selbstverständlich in der Spree gebadet. In vielen Städten sind kurz vor der Jahrhundertwende zahlreiche Flussbadeanstalten gebaut worden, allein in Berlin waren es rund 30. Wegen der Industrialisierung und der damit einhergehenden schlechten Wasserqualität wurden die Bäder bis 1925 alle geschlossen. Jan Edler hat die Jahreszahl im Blick: "Es wäre doch schön, wenn wir es 100 Jahre, nachdem das letzte Bad geschlossen wurde, bis 2025 schaffen würden, dass man in der Spree - zumindest zeitweise - wieder schwimmen kann."

Testfilter-Kahn
Auf dem Lastkahn "Hans Wilhelm" wird das Spreewasser überprüft und der Schilf-Kies-Filter getestet.
Quelle: Martin Henseler, 2018

Noch lässt die Wasserqualität das Schwimmen nicht zu. Nach Starkregen läuft die Berliner Kanalisation über und spült unbehandelte Abwässer in den Fluss. Um das Wasser im Bereich des geplanten Flussbads sauber zu kriegen, testet der Verein "Flussbad in Berlin" zusammen mit erfahrenen Umweltingenieuren seit 2017 auf dem alten Lastkahn "Hans Wilhelm" die zukünftige Schilf-Kies-Filteranlage und entnimmt wöchentlich Wasserproben, die in einem Umweltlabor analysiert werden. "Wir hoffen, dass der Kahn die Datengrundlage schafft, damit wir bald in Echtzeit sagen können, wie die Wasserqualität ist", so Jan Edler, "dann wäre temporäres Schwimmen sogar schon vor Fertigstellung des Flussbads möglich."

Begegnungsorte statt Wasserstraßen – ein Wandel im Denken

Bei der ersten Präsentation der Flussbad-Idee 1998 wurde das Projekt von Baustadtrat Thomas Flierl als "hinreichend unrealistisch, um unbefangen darüber diskutieren zu dürfen", eingeschätzt. "Damals war das Verhältnis der Stadt zum Fluss noch sehr distanziert und seine Bedeutung für die Stadtentwicklung wurde unterschätzt", so Jan Edler.

Heute ist das Flussbad im Spreekanal als stadtentwicklungspolitisches Ziel im Koalitionsvertrag der Landesregierung verankert und mit hoch dotierten Preisen ausgezeichnet. Im Landeshaushalt für 2019 wurde gar ein eigener Titel für das Flussbad geschaffen. Die Stadt sieht inzwischen das große Potential des Spreekanals, der durch ein Flussbad und die Neugestaltung der Ufer zwischen Fischerinsel und Bode-Museum zu einem lebendigen Begegnungs- und Erholungsort werden wird. Auch aus der Bevölkerung gibt es tatkräftige Unterstützung: Inzwischen arbeiten in dem eigens gegründeten Verein "Flussbad Berlin" rund 500 Mitglieder ehrenamtlich daran, dass das Projekt bald Realität wird.

Testfilter-Probenentnahme
Auf dem Lastkahn "Hans Wilhelm" werden kontinuierlich Wasserproben entnommen.
Quelle: LinusNeubert, 2018

Förderung für erste Freitreppe bekommen

Aktuell freut sich Jan Edler über die Neuigkeit, dass sie "für die Realisierung des ersten Bausteins eine neue Förderung bekommen haben: für die erste Freitreppe vor dem Humboldt-Forum." Wenn die ersten Stufen gebaut sind, ist das Baden zwar noch nicht möglich, aber "immerhin können wir dann schon an der Spree in der Sonne sitzen und die Beine im Wasser baumeln lassen."

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