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Warum Vorlesen mehr als Vor-Lesen ist

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Vorlesestudie 2019 - Warum Vorlesen mehr als Vor-Lesen ist

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Noch immer liest ein Drittel der Eltern ihren Kindern zu selten oder nie vor. Und: Berufstätige Mütter lesen häufiger vor als nicht berufstätige. Dies zeigt die Vorlesestudie 2019.

Erzieherin liest Kindern vor
Erzieherin liest Kindern vor
Quelle: imago

Laut aktueller Studie, die heute in Berlin vorgestellt wurde, lesen vor allem Eltern mit formal niedriger Bildung zu selten oder nie vor (51 Prozent), genauso wie Eltern, die einen Migrationshintergrund haben. Kindern wird ebenfalls tendenziell zu wenig vorgelesen, wenn die Familie in einer Großstadt lebt, die Kinder viele Geschwister haben und das Haushaltseinkommen niedrig ist.

Berufstätige Mütter lesen häufiger vor als nicht berufstätige

Die Vorlesestudie 2019 hat zudem herausgefunden, dass berufstätige Mütter mehr vorlesen als nicht berufstätige. Im Vergleich lesen 27 Prozent berufstätiger Mütter zu selten vor, bei den nicht berufstätigen sind es 39 Prozent. Die Erklärung der Studie: Berufstätige Mütter haben zwar stärker begrenzte Zeiten mit ihrer Familie bzw. ihren Kindern, sie nutzen diese Zeiten aber gezielter und intensiver. Übrigens: Väter sind weiterhin Vorlesemuffel. 58 Prozent von ihnen lesen selten oder nie vor.

Vorlesen funktioniert nicht nur mit Büchern

Die Vorlesestudie 2019 zeigt darüber hinaus, dass viele Eltern den Begriff des Vorlesens zu eng fassen und denken, dass dazu immer ein gedrucktes Buch mit viel Text gehört. Schauen Eltern gemeinsam mit ihren Kindern Wimmelbücher an oder lesen Texte vom E-Reader vor, verstehen dies 23 Prozent nicht als Vorlesen.

Mit Babys einfache Bilderbücher zu betrachten, gehört für jeden fünften Befragten nicht dazu - obwohl gerade diese Impulse von Anfang an für die Entwicklung von Kindern wichtig sind. Vor allem jene Eltern, die selten vorlesen, denken nur an das klassische Lesen von Buch mit Text. Auch Comics und Bilderbücher anschauen oder das Erzählen von Geschichten hilft den Kindern, Sprache zu entwickeln und lesen zu lernen, so das Ergebnis der Studie.

Lesen fördert Kinder auf vielfältige Weise

Unsere Aufgabe bleibt es weiterhin, Eltern zu motivieren und ihnen zu zeigen, dass Vorlesen wichtig für die Entwicklung von Kindern ist.
Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen

"Unsere Aufgabe bleibt es weiterhin, Eltern zu motivieren und ihnen zu zeigen, dass Vorlesen wichtig für die Entwicklung von Kindern ist", fasst Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen, die Vorlesestudie 2019 zusammen. "Sie können im Alltag auf vielfältige Weise sprachliche Anreize geben. Viele, gerade bildungsferne Eltern, tun dies bereits. Dann ist es vom Märchenerzählen über das gemeinsame Betrachten des Fotobuchs zum klassischen Vorlesen nicht weit." Die Studien-Initiatoren raten daher allen Müttern und Vätern, jeden Tag 15 Minuten vorzulesen.

Fazit: Unverändert hoher Förderbedarf

Wenn man Eltern nach "Vorlesen" fragt, stellt sich die Situation seit 2013 unverändert dar: 32 Prozent der Eltern lesen höchstens einmal pro Woche vor - und damit in den Augen der Studien-Initiatoren zu selten. Weiterhin hätten viele Eltern einen (zu) engen Vorlesebegriff, so das Fazit der Vorlesestudie 2019. Weiter heißt es: Eltern, die im wörtlichen Sinne zu selten vorlesen, setzen auch vorlesenahe Aktivitäten kaum um - dennoch geben sie ihren Kindern (vermutlich meist unbewusst) im Alltag Sprachanregung.

Die Studien-Initiatoren raten deshalb, Alltags- und freizeitbezogene Aktivitäten zu nutzen, um Eltern zu motivieren, das, was sie bereits tun, auch im Sinne von Vorlesen und gemeinsamem Lesen zu intensivieren. Der diesjährige bundesweite Vorlesetag am 15. November stellt deshalb "Sport und Bewegung" als lebensweltlichen Bezug in den Mittelpunkt.

Vorlesen hilft in der Schule und hat soziale Bedeutung

Die zentralen Ergebnisse aus den zurückliegenden Vorlesestudien lauten: Kinder, denen regelmäßig vorgelesen wird, sind allgemein erfolgreicher in der Schule. Sie haben in Deutsch, Mathe und Fremdsprachen bessere Noten als Kinder, denen nicht vorgelesen wird (Vorlesestudie 2011). Vorlesen hat darüber hinaus eine längerfristige soziale Bedeutung.

Wurde Kindern regelmäßig vorgelesen, sind diese häufiger darum bemüht, andere in die Gemeinschaft zu integrieren. Auch ist der allgemeine Gerechtigkeitssinn dieser Kinder besonders ausgeprägt (Vorlesestudie 2015). Vier von fünf Kindern, denen regelmäßig vorgelesen wurde, fällt das Lesenlernen in der Grundschule leicht. Bei den anderen ist das laut ihren Eltern deutlich seltener der Fall (50 Prozent). Fragt man die Kinder selbst, ist sogar mehr als die Hälfte der Grundschüler mit wenig Vorleseerfahrung frustriert, weil das Lesenlernen ihnen zu lange dauert (Vorlesestudie 2018).

Die Stiftung Lesen

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