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Söder auf CSU-Klausur in Seeon - Zuhören und Austeilen

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Markus Söder hat mit seinem Vorstoß, das Bundeskabinett zu verjüngen, alle überrumpelt - sogar die CDU-Vorsitzende. In Seeon stellte er sich zudem der Kritik vieler Landwirte.

Lange Zeit hat sich Horst Seehofer zurückgehalten. In der CSU-Landesgruppe ward er nur selten gesehen und Äußerungen zur Politik seines Nachfolgers ließ er sich überhaupt nicht entlocken. Bis heute. Bei der Jahrestagung des Beamtenbundes konnte er sich einen Seitenhieb auf Markus Söder nicht verkneifen. "In meinem Alter – werden Sie alle noch erleben – müssen Sie täglich nach dem Aufstehen prüfen, ob Sie noch im Amt sind." Und während er wie weiland Franz Josef Strauß genüsslich wippend da auf der Bühne stand, konnte man ein großes, ÄTSCH!! in seinen Gesichtszügen lesen.

Nach Zurückhaltung mit neuer Wucht

Markus Söder mag da der Satz vom Mond und dem Hund in den Sinn gekommen sein. Kommentiert – quasi zum erneuten Gegenschlag ausgeholt – hat er das alles nicht. Früher hätte er, heute nicht. Ist er zahm geworden? Am Ziel angekommen? Die vergangenen Monate ließen diese Vermutung durchaus zu. Aus dem Wadlbeißer, dem politischen Raufbold ist einer geworden, der die Wogen glätten wollte und auch geglättet hat: Söder und die CDU, Söder und seine Wähler, Söder und "seine" Bayern: "Alles auf dem Weg" wie Herbert Grönemeyer so schön singt.

Und dann dieses "Rummmsss" wie es die "Bild"-Zeitung am Sonntag beschreibt. Ein Satz in einem Interview, der die vielen programmatischen Papiere zur Klausurtagung in Seeon vergessen macht: "… wir sollten daher das Regierungsteam bis Mitte des Jahres verjüngen und erneuern …" DAS Regierungsteam! Nicht die CSU-Mannschaft, die mit Horst Seehofer den ältesten Minister im Kabinett stellt, nicht Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, dessen Arbeit an der PKW-Maut nun Gegenstand eines Untersuchungsausschusses ist. DAS Regierungsteam. Soso. Wer denn nun? Dieser Frage weicht Söder auch heute aus. Es gehe um Impulse, um neue Konzepte. Das erwarteten schließlich die Menschen.

Söder mit sich zufrieden

Ob das die CDU-Vorsitzende genauso sieht? Im politischen Seminar: Sicherlich. Im politischen Berlin? Kaum. "War Ihr Vorstoß denn mit Annegret Kramp-Karrenbauer abgesprochen", will ein Reporterkollege wissen. "Wir waren im Gespräch", gibt der CSU-Chef betont lässig zurück. "Aber nicht vorher." Gelächter. Söder wirkt in diesem Moment sehr zufrieden mit sich selbst. Die Rolle des Alphas, die er – zumindest nach außen - so lange nicht mehr spielen durfte, jetzt hat er sie wieder.

Wir waren im Gespräch" - "Aber nicht vorher."
Markus Söder über Absprachen mit der CDU-Vorsitzenden

Dazu trägt auch das Bild des Erneuerers bei, dem er aus Bayern heraus mit zahlreichen Projekten Ausdruck verleiht: Da ist die Hightech-Agenda – ein Milliarden-Programm zur Förderung der künstlichen Intelligenz. Da ist die programmatische Frischzellenkur, die Söder seiner CSU verordnet hat. Das "jünger", "weiblicher" und "grüner" wird in der Partei mitnichten von allen nachvollzogen oder von allen akzeptiert. Eine Alternative dazu gibt es in der CSU (im Moment) nicht. Und die jüngsten Umfragen, in denen auch die Partei von Söders Kurs profitiert, entfalten die von Söder gewünschte Wirkung. Viele Kritiker sind leise(r) geworden.

Bauern sind sauer

Viele enttäuschte Wähler sind nicht leiser geworden - im Gegenteil. Zu Tausenden protestierten die Landwirte in den vergangenen Wochen auch auf Bayerns Straßen und Plätzen. Und auch nach Seeon sind sie heute angereist. 1.000 Traktoren und doppelt so viele Teilnehmer, schätzt die Polizei. Die Bauern sehen sich zum Teil als Opfer der Söder´schen Erneuerungspolitik. Vor allem die Übernahme des Volksbegehrens "Rettet die Bienen" kommt aus ihrer Sicht einer politischen Ursünde gleich.

Die haben doch mittlerweile keine Ahnung mehr von unserer Arbeit.
Protestierender Bauer

"Die haben doch mittlerweile keine Ahnung mehr von unserer Arbeit", sagt einer. Und ein andere meint, der "Schutzpatron der Landwirte, als der die Unionsparteien immer galten – dieser Schutzpatron ist schon lange abgeflogen." Den Landwirten gegenüber gibt sich Markus Söder verständnisvoll. Kein Auftrumpfen. Fast ein wenig hilflos wirkt seine Forderung nach einem "besseren Marketing" für die Landwirte.

Im Jahr der Kommunalwahlen in Bayern wird sich die CSU mehr einfallen lassen müssen als "Marketing". Runde Tische, zu denen die Staatsregierung aus CSU und Freien Wählern eingeladen hatte, verfehlten zumindest bei den meisten Landwirten ihre Wirkung. Viele wenden sich ab – in Richtung Freie Wähler oder – schlimmer für die CSU – zur AfD. Die kämpft mittlerweile mit Verve um ein Wählerpotential, das ihnen zum Teil auch durch Söders Erneuerungskurs zugefallen ist.

In Seeon jedenfalls ist davon bald keine Rede mehr. Dafür umso mehr von der Kabinettsumbildung, die der CSU-Chef im Alleingang eingefordert hat. Dass ihn das – mal wieder – als Versuch ausgelegt wird, 2021 vielleicht doch nach der Kanzlerkandidatur der Union zu greifen? Nun, dem selbsternannten Erneuerer Söder kann das nur recht sein.

Alexander Poel ist Korrespondent des ZDF-Studios München

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