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Vorsicht süß - Wie sich Zuckerfallen vermeiden lassen

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34 Kilogramm Zucker isst jeder Deutsche im Schnitt pro Jahr. Aber den Großteil des Zuckers nehmen wir nicht durch Süßigkeiten zu uns. Die wahren Fallen lauern an anderer Stelle.

Softdrinks in Pappbecker
Softdrinks in Plastikbechern - viele Kalorien.
Quelle: dpa

Schokolade, Eis, Fruchtgummis - die Deutschen sind Naschkatzen. 18 Gramm Zucker aus Süßigkeiten essen wir Tag für Tag. Doch der Großteil unserer täglichen Zuckeraufnahme stammt aus Getränken. 26 Gramm konsumieren wir laut der Verbraucherorganisation Foodwatch im Schnitt pro Tag in Form süßer Eistees, Schorlen und Softdrinks. In Europa trinken nur die Niederländer und die Slowaken mehr Limo und Co. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland auf Platz elf der Zuckertrinker.

Ein Glas Softdrink enthält neun Zuckerstücke

26 Gramm Zucker aus Getränken kommen viel schneller zusammen als viele Menschen meinen, warnt Ernährungswissenschaftlerin Monika Bischoff vom Zentrum für Ernährungsmedizin und Prävention in München. Mit einem Glas fertiggemischter Fruchtsaftschorle sind mehr als sechs Stücke Würfelzucker weggetrunken. Das entspricht 18 Gramm Zucker.

Zuckerwürfel
Die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlene Tagesdosis an freiem Zucker beträgt maximal 25 Gramm.
Quelle: imago

Mit jedem Glas Softdrink nimmt man etwa neun Zuckerstücke zu sich. Die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlene Tagesdosis von maximal 25 Gramm an freiem, also zugesetztem Zucker, ist dann bereits überschritten. Eine Überraschung sei das nicht, sagt Bischoff. "Es steht auf den Nährwertangaben auf der Rückseite, man muss nur rechnen."

Ein dickes Problem

Gerade in Bezug auf die Getränke ist Monika Bischoff sicher: "Wenn wir das Problem mit den gesüßten Getränken nicht hätten, wären bedeutend weniger Menschen übergewichtig." Deutschland hat ein dickes Problem. Laut Robert-Koch-Institut sind

  • 67 Prozent der Männer im Land übergewichtig.
  • Gleiches gilt für 53 Prozent der Frauen.
  • Knapp ein Viertel der Deutschen ist adipös, also fettleibig. Ihr Body-Mass-Index liegt über 30.

Stichwort

Smoothies als Zuckerfallen

Grüner Smoothie wird in ein Glas gegossen
"Auch Fruchtzucker ist Zucker, das wird oft unterschätzt", sagt Ernährungswissenschaftlerin Bischoff.
Quelle: Imago / Westend61

Mit den Zusatzkilos steigt die Gefahr, etwa an Diabetes und Bluthochdruck zu erkranken. Aber nicht nur Softdrinks, auch die als gesund geltenden Smoothies haben es in sich. Etwa zehn Gramm Zucker stecken in 100 Milliliter des flüssigen Obsts. "Auch Fruchtzucker ist Zucker, das wird oft unterschätzt", sagt Monika Bischoff. Hinzu kommt: Durch die flüssige Form liefert das enthaltene Obst keinen Sättigungseffekt. Besser ist es, auch hinsichtlich der Nährwerte, das Obst zu essen.

Aber auch da gibt es Richtlinien. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt nicht mehr als zwei Portionen Obst am Tag. Das sind zwei Hände voll. "Eine Kiwi und eine Banane für einen Erwachsenen am Tag, das ist genug. Bei Kindern sind die Portionen den Händen entsprechend kleiner", sagt Monika Bischoff.

Zuckerfallen aus dem Gemüseregal

Doch nicht nur die Getränke enthalten viel versteckten Zucker, sondern auch eingemachtes Gemüse. Eine Portion Rotkohl kann mit etwa neun Stück Würfelzucker zu Buche schlagen. Und auch Essiggurken sind oft eher süß als herzhaft. Ein Glas kann bis zu zwölf Gramm Zucker pro 100 Gramm enthalten. Je stärker ein Produkt industriell verarbeitet ist, desto höher ist in der Regel der Zuckergehalt. Ein Teller Fertigtomatensuppe hat etwa drei Stück Würfelzucker. Fertigkrautsalat liegt bei bis zu 14 Prozent Zuckergehalt. Eine Portion von 100 Gramm entspricht fast fünf Stücken Würfelzucker.

Auch eine unterschätzte Zuckerbombe: fertige Salatdressings. Um die neun Gramm Zucker auf 100 Gramm Dressing sind üblich. Karottensalat aus dem Glas kommt auf über elf Gramm Zucker. Wer 200 Gramm verzehrt, hat seine Tagesportion an Zucker fast ausgeschöpft.

Ein Regal mit verschiedenem Gemüse
Viel gesünder - frisches Gemüse
Quelle: dpa

Wer Zucker vermeiden will, sollte laut Experten wenig Fertigprodukte essen. "Wir wissen nicht mehr, was im Essen steckt, aber auf den Zutatenlisten und den Nährwertangaben steht es, deshalb sollte man die immer genau lesen", rät Monika Bischoff. Und einen weiteren Tipp für den Alltag gibt es: Je weiter vorne Zucker unter den Zutaten eines Produktes steht, desto mehr davon ist enthalten.

Wir lieben Zucker: Er macht uns konzentriert, leistungsfähig und vorübergehend sogar glücklich. Doch er wirkt auch wie eine Droge. Die Nahrungsmittelindustrie scheint das seit Jahrzehnten auszunutzen. Sind wir Opfer einer Verschwörung? Mehr dazu in Leschs Kosmos:

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29 min
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