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Barmer Pflegereport 2019 - WG statt Heim - wirklich die bessere Wahl?

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Immer mehr Menschen entscheiden sich hierzulande gegen eine stationäre Pflege im Heim. Vor- und Nachteile dieser "Ambulantisierung" wurden im Barmer-Pflegereport 2019 erhoben.

Pflegebedürftige werden immer öfter in Wohngemeinschaften oder im betreuten Wohnen versorgt. 180.000 Menschen in Deutschland leben inzwischen in solchen Einrichtungen.

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Immer mehr Pflegebedürftige in Deutschland suchen Alternativen zum Altenheim und wollen im betreuten Wohnen und Wohngemeinschaften leben. Das geht aus dem aktuellen Pflegereport der Barmer Krankenkasse hervor. Gleichzeitig berge diese "Ambulantisierung der Pflege" allerdings die Gefahr eines Verlusts der Pflegequalität.

Wer sich für betreutes Wohnen oder eine Wohngemeinschaft entscheidet, sucht vor allem mehr Lebensqualität im Vergleich zu einem Heim.
Barmer-Chef Christoph Straub

"Wer sich für betreutes Wohnen oder eine Wohngemeinschaft entscheidet, sucht vor allem mehr Lebensqualität im Vergleich zu einem Heim", sagt Christoph Straub, Vorsitzender der Barmer. "Diese Wohnformen sind für die Bewohner und Betreiber zwar finanziell attraktiv, unterliegen aber keinem Qualitätssicherungsverfahren wie die Heime." Er fordert daher einen Pflege-TÜV analog zu den Qualitätsanforderungen an Pflegeheime.

Weniger Arztkontakte in betreutem Wohnen

Laut Straub zeigt der Report, dass die ambulante Pflege im Vergleich zu Heimen nicht mit mehr Pflegequalität aufwarten kann. Indizien dafür seien zum Beispiel weniger Arztkontakte: In Pflegeheimen würden 86,6 Prozent der Bewohner einmal im Monat ihren Hausarzt sehen, bei Bewohnern von ambulanten Einrichtungen seien es 80 Prozent. Die Frage bleibt, ob die Häufigkeit der Arztbesuche tatsächlich etwas über die Qualität der Pflege aussagt.

Zudem müssten 3,6 Prozent der Bewohner des betreuten Wohnens wegen Erkrankungen ins Krankenhaus, die sich auch ambulant gut behandeln ließen. In Pflegeheimen gäbe es laut Barmer 2,5 Prozent solcher Fälle je Monat.

Als weiteren Nachteil von ambulanten Pflegeeinrichtungen gegenüber Pflegeheimen kann das Risiko für Dekubitus, also Wundliegen, gesehen werden. Laut Report ist ein solcher Dekubitus im betreuten Wohnen zu 66 Prozent wahrscheinlicher als im Pflegeheim. In Pflege-WGs unterscheidet sich die Dekubitusrate jedoch nicht von der in Pflegeheimen. Die Barmer bezieht sich auf Diagnosezahlen von 2017.

Vorteile der ambulanten Pflege?

Auch die ergeben sich aus dem Report. So würden zum Beispiel in betreuten Wohnanlagen und WGs weniger Antipsychotika verordnet werden als in Pflegeheimen. Nach der S3-Leitlinie Demenzen sollen solche Verordnungen möglichst gering gehalten werden. Eine geringere Zahl der Antipsychotikaverordnungen kann daher als Indikator für eine gute Pflege verstanden werden.

Der potenzielle Mehrwert ambulanter Wohnformen lege für die Bewohner vor allem in der hohen Ähnlichkeit zum häuslichen Umfeld, der besseren Einbildung sozialer Netzwerke und der individuelleren Wahl von Leistungen. Kurzum: In ambulanten Einrichtungen ist man nicht so 'abgeschottet' wie es möglicherweise in Altenheimen der Fall ist. Die Herausgeber des Pflegereports betonen jedoch, dass die möglichen Vorteile in der Realität noch nicht umfassend umgesetzt seien und auf Experten-Interviews und wenig aussagekräftigen Studien beruhen.

In der Summe finden sich keine Vorteile in der Pflegequalität in der Pflege-WG oder in betreutem Wohnen gegenüber der Pflegequalität im Pflegeheim.
Barmer-Chef Christoph Straub

Die Schlussfolgerung? "In der Summe finden sich keine Vorteile in der Pflegequalität in der Pflege-WG oder in betreutem Wohnen gegenüber der Pflegequalität im Pflegeheim", lautet das Fazit der Herausgeber. Die "Ambulantisierung" habe zwar Potenziale die Qualität zu steigern. Es seien aber auch einheitliche Qualitätsmaßstäbe nötig. Dass diese auch für Heime fehlen, darin sieht die Krankenkasse die Ursache für das Entstehen neuer Pflegeformen.

"Wir fordern eine Harmonisierung der rechtlichen Rahmenbedingungen zwischen den Bundesländern und einen Pflege-TÜV für die neuen Wohn- und Pflegeformen", erklärte Straub. Zudem sollten die Länder generell für die Pflege die Aufsicht übernehmen und für mehr Transparenz auf dem Markt sorgen. Der Barmer zufolge waren die neuen betreuten Wohnformen im Vergleich zu Pflegeheimen allein 2018 um knapp 400 Millionen Euro teurer.

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