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Konzern setzt voll auf E-Autos - Volkswagen fährt auf Risiko

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Volkswagen treibt die Wende zur Elektromobilität voran – stärker als die anderen deutschen Autohersteller. Kann diese Strategie aufgehen, oder ist sie zu riskant?

Die letzten Schadensersatzklagen bezüglich der Dieselkrise und Veränderungen des Konzerns in Richtung Elektromobilität werden auf der Hauptversammlung von VW thematisiert.

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Der Blick geht nach vorn, denn die Rückschau ist für den VW-Konzern unangenehm. Schließlich ist der Dieselskandal zuallererst mit den Wolfsburgern verbunden, auch wenn inzwischen klar ist, dass sie nicht die einzigen waren, die ihre Kunden betrogen haben.

Auch deshalb lenkt der seit gut einem Jahr amtierende VW-Chef Herbert Diess den Blick lieber auf die Zukunft: Er setzt voll auf Elektromobilität und will auch die Aktionäre auf der Hauptversammlung für diesen Strategieschwenk begeistern. Der Volkswagen-Konzern soll zum führenden Massenanbieter für Elektroautos werden - weltweit. Bis 2028 sollen 70 neue Elektromodelle auf den Markt kommen, bis 2023 werden allein 30 Milliarden Euro investiert. Und nicht nur das: Diess will auch in die Batteriezellenproduktion einsteigen.

VW will ganz weg vom Verbrennungsmotor

VW kann sich das noch leisten: Unter dem Strich stand im vergangenen Jahr ein Gewinn von gut zwölf Milliarden Euro, der Konzern war auch 2018 mit nun 10,8 Millionen ausgelieferten Fahrzeugen größter Autohersteller der Welt. Gerade deshalb aber ist das Umsteuern weg vom Verbrennungsmotor kritisch. "Voll auf die neue Technologie zu setzen, ist sehr riskant", sagt Tim Schuldt, Autoexperte von Pareto Securities. Das Risiko eindämmen könnte der Hersteller, wenn er einen Mittelweg beschreiten würde, sich also auch andere Möglichkeiten offen hielte: "Doch das ist nicht der Weg, der das größter Potenzial in sich birgt", sagt Schuldt.

Diess‘ Rechnung geht so: "Wollen wir jetzt die Umweltvorgaben erfüllen, die die Politik uns setzt, und Strafzahlungen vermeiden, gibt es in den nächsten Jahren keine Alternative zum Elektroauto", sagte er vor wenigen Tagen der "FAZ".  Notfalls finanzielle Anreize zu setzen, damit die Kunden Elektroautos kaufen, sei da für VW wahrscheinlich die bessere Variante, meint Autoexperte Schuldt.

Bisher nicht genügend Ladestationen

Herbert Diess, am 22.02.2019 in Wolfsburg
VW-Chef Herbert Diess
Quelle: dpa

"Es ist eine risikoreiche Wette", sagt auch Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch-Gladbach, "denn die Voraussetzungen dafür, dass sie aufgeht, kann VW nicht allein schaffen."

Schließlich muss dafür endlich eine flächendeckende funktionierende Ladeinfrastruktur aufgebaut werden, und das schaffe VW nicht ohne etwa die großen Stromproduzenten, ist auch Christoph Stürmer, Autoexperte der Unternehmensberatung PWC, überzeugt. Bisher aber hätten die Regulierer den Aufbau einer guten Ladeinfrastruktur versäumt.

Gesellschaftliche Verantwortung

Volkswagen, so meint Stürmer, habe aber aus seiner historischen Tradition als "Wagen für das Volk" heraus geradezu eine Verpflichtung, nun die Elektromobilität voranzutreiben, weil Elektroautos für die Menschen weniger Emissionen beim Fahren und weniger Lärm bedeuteten. Allerdings haben die Wolfsburger auch eine große gesellschaftliche Verantwortung: Denn dieser Strukturwandel geht nicht ohne den Abbau von Arbeitsplätzen: ein Drittel weniger Mitarbeiter sind wahrscheinlich für den Bau der E-Autos nötig.

Doch der geplante Einstieg in die Batteriezellenproduktion könnte Jobs sichern. Denn die soll jetzt am Standort Salzgitter aufgebaut werden. Helfen könnte beim Umsteuern auch, dass in den nächsten Jahren die geburtenstarken Jahrgänge aus dem Berufsleben ausscheiden. Darauf  hatte VW-Chef Diess gegenüber der FAZ verwiesen: "Damit lässt sich ein solcher Strukturwandel sozialverträglich auch ohne betriebsbedingte Kündigungen bewerkstelligen." Schließlich aber müssen die Kunden noch von den Elektroautos überzeugt werden. "Das muss vor allem über den Preis geschehen", sagt Autoexperte Bratzel. Elektroautos müssten also günstiger werden als solche mit Verbrennungsmotor

Dass Bewegung in die Entwicklung hin zur Elektromobilität kommt, zeigt auch die Haltung des Branchenverbands VDA. Denn zunächst hatten die anderen Hersteller, vor allem Daimler und BMW, etwas verschnupft auf Diess‘ Vorstoß reagiert. Vor wenigen Tagen jedoch sagte VDA-Präsident Bernhard Mattes, die deutsche Autoindustrie wolle ihren Beitrag zu einem weitgehend CO2-neutralen Verkehr bis 2050 leisten.

ID3 soll Tesla Konkurrenz machen

Zunächst liege das Hauptaugenmerk auf der Elektromobilität. Langfristig müssten jedoch auch andere Optionen berücksichtigt werden. Eine dieser Optionen könnte vor allem die Brennstoffzelle sein. Die vor allem für Nutzfahrzeuge interessant werden könnte. Sie aber ist noch zu teuer im Vergleich zur Lithium-Ionen-Batterie. Generell gilt auch: Die Batterieherstellung müsste noch klimaneutraler werden, zudem sollte der Strom für die Elektroautos vollständig aus regenerativen Energien kommen.

Wenn es VW-Chef Diess gelingt, die Kunden für das Elektromodell VW ID3 zu begeistern, das die Basis-Plattform nur für Elektroautos schaffen soll, dann hätte er einen großen Schritt für den Erfolg seiner Strategie getan. Der ID3 soll Tesla in Deutschland Konkurrenz machen, weil er das erste Elektroauto des Konzerns ist, das schon als solches konzipiert wurde. Bisher wurden die Modelle wie etwa beim E-Golf  einfach umgerüstet.

Für eine Batterie aber ist weit weniger Platz im Motorraum nötig als für einen Verbrennungsmotor, dieser Platz kann dem Innenraum zugutekommen. Der ID3 soll deshalb für VW die dritte Phase einläuten - nach den vorher durch den Käfer und dann den Golf geprägten Phasen des VW-Konzerns. Angeblich aber liegt der ID3 schon etwas im Zeitplan zurück. Ob das Modell wie geplant Anfang kommenden Jahres ausgeliefert werden kann, ist deshalb fraglich.

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