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E-Auto geht in Serienproduktion - Größenwahn als Überlebensstrategie bei VW

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Ein Elektroauto für die ganze Welt: In Zwickau hat VW die Produktion des ID.3 gestartet. Damit will Volkswagen global ganz nach vorn.

Feierliche Eröffnung der ID.3-Produktion in Zwickau
Feierliche Eröffnung: In Zwickau wird der ID.3 jetzt in Serie produziert.
Quelle: Reuters

Die Dieselkrise hatte den Volkswagen-Konzern für eine Weile eher kleinlaut werden lassen. Diese Zeiten sind vorbei. VW nimmt den Mund wieder voll und brennt vor Ehrgeiz. Sofern der Ausdruck noch im Trend liegt, denn Verbrennung soll ja im Laufe des Umbauprozesses in der Autoindustrie Technik von gestern werden.

Bis 2025 will Volkswagen sich als führender Hersteller bei der Massenproduktion von Elektroautos positionieren. Bis 2030, so gibt Vorstandschef Herbert Diess zu Protokoll, soll das Unternehmen sogar die Führungsrolle in der gesamten schönen neuen Welt des Automobils übernehmen. Diese Welt hat mit dem Auto alter Prägung dann vielleicht nicht mehr so viel zu tun. Die Autos würden zwar weitgehend elektrisch fahren, aber noch mehr Zukunft steckt in der Digitalisierung und Vernetzung des Fahrzeugs. Das Auto von morgen würde eher ein Smartphone auf vier Rädern mit Sitzgelegenheit sein - nur Beamen wäre  noch schöner.

Volkswagen Sachsen Fahrzeugwerk Zwickau-Mosel
Die neue Produktionsstraße für den ID.3 steht im VW-Werk in Zwickau.
Quelle: imago/Rainer Weisflog

Aber da sind wir ja noch nicht. Jetzt geht erst einmal die neue Produktionsstraße für den ID.3 in Zwickau in Serienbetrieb. Für Volkswagen ist der Umbau des Zwickauer Werkes hin zu 100 Prozent Elektro in seinen eigenen Worten "der Einstieg in die Volumenfertigung von E-Autos".

Volumen ist das Zauberwort. Ohne Masse wird Volkswagen die angestrebte Klasse auch nicht erreichen können. Zu wenige verkaufte E-Fahrzeuge, wie derzeit noch, machen keinen profitablen Markt. Zu wenig Ladesäulen bundesweit halten auch Käufer ab, die sich von der ambivalenten Umweltbilanz der bisherigen Elektroautos nicht abschrecken lassen. Und wie war das mit der Reichweite?

Bis zu 550 Kilometer - ab 45.000 Euro

Die kraftvollste angebotene Batterie soll den ID.3 550 Kilometer lang rollen lassen - mit ihr wird der Stromer für einen Einstiegspreis von etwa 45.000 Euro zu haben sein. Volumen gelingt auf Dauer allerdings vermutlich nur, wenn der ID.3 tatsächlich so etwas werden kann wie ein elektrischer Käfer oder Golf. Ein Volksauto, eins für die ganze Welt.

Die Strategie des Wolfsburger Konzerns geht in diese Richtung: Neben einer zweiten E-Fertigungsstraße für den ID.3 in Zwickau sollen eine in China und eine in den USA aufgebaut werden. In Amerika setzt VW darauf, mit seinem digitalen und elektrischen Angebot in Zukunft von einem Nischenanbieter zum echten "Player" zu werden. Und in China? An der Entwicklung des Mobilitätsmarktes im Reich der Mitte hängt Volkswagen ohnehin wie am Tropf.

Die Gewinne in China bezahlen die Skandale zu Hause

VW ID.3 auf der Internationalen Automobilausstellung IAA in Frankfurt
Wird der ID.3 ein Volksauto wie Käfer und Golf?
Quelle: imago/ Ralph Peters

Das gute Chinageschäft  hat in den letzten Jahren maßgeblich die Gewinne eingefahren, mit denen der Ablass für den Dieselbetrug bezahlt werden konnte. Das Bremsmanöver beim Verbrennungsmotor verbunden mit der Elektro-Wende ist zwar auch den europäischen CO2-Zielen geschuldet, war aber zuallererst ein Kotau in Richtung chinesischer Kundschaft. Chinas Planer lassen nur noch Stromer ins Land und setzen konsequent auf die emissionsfreien Antriebe. Wer dort mitverkaufen will, muss nach der chinesischen Pfeife tanzen - und im Fall Volkswagen darauf achten, dass die heimischen Anbieter dem derzeit größten Autokonzern der Welt nicht sowohl in Volumen als auch in  Qualität beizeiten den Rang ablaufen. China kann schon lange gut kopieren und hat sich inzwischen bei mancher Technologie sogar das Bessermachen beigebracht.

Volkswagens Strategie für eine globale Vormachtstellung bei der Fertigung von Elektroautos setzt auf eine bewährte Rezeptur in neuem Gewand: Die Vielzahl  geplanter Modelle von Audi bis VW soll aus dem einheitlichen sogenannten Modularen Elektrobaukasten (MEB) zusammengesetzt werden, um sich die Kosten vieler Einzellösungen zu ersparen. Der Bereich Software könnte in Zukunft sogar eine eigenständige Marke im Unternehmen werden, weil Steuerungssysteme und  IT bei der Bewegung von A nach B und bei der Aufholjagd in der Autoindustrie den Ton angeben.    

Bis 2030 will die Bundesregierung ein flächendeckendes Netz an Ladestationen für Elektrofahrzeuge aufbauen. Wie realistisch ist das? Fragen an Professor Stefan Bratzel vom Center of Automotive Mangement an der FHDW in Bergisch-Gladbach.

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Möglicherweise gibt es derzeit  kaum einen anderen erfolgversprechenden Pfad als den, den Volkswagen mit seiner Volumenoffensive einschlagen will. Unabhängig davon, ob der Wandel zur Elektromobilität auf Dauer wirklich der Königsweg bleibt. Momentan gewinnt wohl, wer so schnell wie möglich Masse macht. Der die Teslas dieser Welt bei der Stückzahl überholt und über hohe Stückzahlen auch die Preise senken kann. Für die eigene Produktion und für den Verbraucher. Neuer Größenwahn ist bei Volkswagen derzeit eine Überlebensstrategie.

Peter Kunz leitet das ZDF-Landesstudio in Hannover.

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