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Quallen-Plage - Schön, aber schmerzhaft

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Badestrände lahmgelegt, Fischernetze gerissen: Die Masse an Quallen macht den Menschen zu schaffen - und es werden immer mehr. Ursachen sind Klimawandel und Umweltverschmutzung. Was nämlich anderen Meeresbewohnern schadet, finden viele Quallen gerade gut.

Quallen vermehren sich mancherorts invasionsartig. Zum Schrecken der Badetouristen. Denn sobald die Feuerqualle mit ihren langen Tentakeln die Haut berührt, hinterlässt diese Begegnung verbrennungsartige Spuren.

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Ein Quallenschwarm gehört wohl zu den schönsten Motiven, die mit der Unterwasserkamera eingefangen werden können. Mit majestätischer Ruhe driften die bizarr geformten Nesseltiere dahin. Optisch ein Leckerbissen. Unschön wird es nur, wenn regelrechte Qualleninvasionen die Strände heimsuchen und jeden Badespaß zum Erliegen bringen. Geschehen ist das zum Beispiel am Osterwochenende im Meer vor Portals Vells, Mallorca. Wie ein rosafarbener Teppich lagen die Medusen, wie Quallen auch genannt werden, in der Bucht. Ein Sprung ins Wasser wäre eine schlechte Idee gewesen, denn vermutlich waren viele Feuerquallen dabei. Und die können richtig wehtun.

Ein giftiger Speer

Denn sobald ihre langen Tentakel die Haut ertasten, wird eine Explosion in der Nesselzelle ausgelöst. Darin liegt eine Kapsel, aus der ein kleiner Speer katapultiert wird. Zusammen mit einem vergifteten Faden bohrt sich die Pfeilspitze des Speeres in die Haut - und das Gift dringt ein. Das ist für kleine Fische tödlich. Für Menschen schmerzhaft. „Erst fühlt es sich an wie eine Art Krampf nach einem elektrischen Schlag, dann wie Feuer“, sagt David Ariza Osuja. Er ist Rettungsschwimmer auf Ibiza und weiß genau, wovon er redet. Auf seinem Arm sind vom letzten Kontakt mit einer Feuerqualle sogar Narben geblieben. 80 Prozent aller Badeunfälle sind mittlerweile Quallenverbrennungen. „Es ist besser, erstmal im Wasser zu bleiben, weil es kühlt. Wenn man dann in die Sonne geht, brennt und schmerzt es noch viel mehr. Deshalb sollte man so eine Verbrennung sofort weiter kalt halten“, so Ariza Osuja.

Und danach? Die Rettungsschwimmer von Ibiza schwören auf Backpulver. Mit Wasser vermischt benetzen sie damit ein Tuch und wischen vorsichtig über die „verbrannten Stellen“. Das funktioniert bei Feuerquallen. Bei Würfelquallen allerdings, die vor asiatischen und australischen Küsten vorkommen, würde auch das nicht ausreichen. Ihr Gift kann auch für den Menschen tödlich sein. Immer wieder gibt es Todesfälle, zum Beispiel in Thailand.

Quallen zerreißen Netze

Ob giftig oder nicht: Quallen breiten sich in den Ozeanen seit einigen Jahren immer weiter aus. Sehr zum Unmut vieler japanischer Fischer. Sie haben es mit bis zu 200 Kilogramm schweren Riesen-Quallen zu tun, die sie ungewollt mit den Fischen an Bord ziehen und die dabei ihre Netze zerreißen. Eine Plage, die, wie sich kürzlich herausstellte, aus China importiert wurde. Dort, an einigen besonders verschmutzten Küstenbereichen haben sich die gewaltigen Medusen enorm vermehrt. Mit der Strömung werden sie nach Japan getrieben.

Der Vormarsch der Quallen hat vor allem menschgemachte Gründe, erklärt Schinichi Ue, Meeresbiologe an der Universität Hiroshima in Japan: „Zufuhr von Nährstoffen, globale Erwärmung, Überfischung und künstliche Strukturen im Wasser. Vermutlich führen all diese Faktoren dazu, dass die Quallenpopulation wächst.“ Während andere Tiere damit zu kämpfen haben, mögen es Quallen, wenn die Meere wärmer werden. Und auch sonst passen sie sich an: Hafenmauern zum Beispiel sind perfekt für Quallenpolypen, die sich darauf niederlassen und jede Menge Nachwuchs produzieren.

Plastik: Ein Grund zum Siedeln

Und sogar den tonnenweise im Meer treibenden Plastikmüll mögen sie. „Alles was wir ins Meer bringen an Hartsubstraten, eben auch der Plastikmüll ist potentieller Siedlungsgrund für Organismen“, sagt Sabine Holst vom Forschungsinstitut Senckenberg am Meer. „Wir haben in Laborversuchen gezeigt, dass Quallenpolypen an künstlichen Substraten siedeln, auch an Plastik.“

Für das natürliche Gleichgewicht in den Meeren wird die Ausbreitung der Quallen zunehmend zum Problem. Und natürlich auch für die Urlauber. Weltweit haben pro Jahr 150 Millionen Menschen unfreiwilligen Kontakt zu Quallen, schätzt die amerikanische National Science Foundation. Die Ferienregionen reagieren, in dem sie zum Beispiel, wie an der Côte d’Azur, ganze Strandabschnitte mit Netzen absperren. Andere verzichten darauf, beobachten, warnen, wenn Quallen gesichtet werden und halten Backpulver bereit. Dass es auf Ibiza oder Mallorca künftig häufiger zu Qualleninvasionen kommt, daran werden sich die Badegäste außerdem wohl gewöhnen müssen.

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