Wagenknecht kandidiert nicht mehr als Fraktionsvorsitzende

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Die Linke - Wagenknecht kandidiert nicht mehr als Fraktionsvorsitzende

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Linksfraktionschefin Sahra Wagenknecht kandidiert im Herbst nicht erneut für das Amt. Eine inzwischen überstandene Krankheit habe ihr gesundheitliche Grenzen aufgezeigt.

Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht will nicht erneut für dieses Amt kandidieren. Das bestätigte ein Pressesprecher der Partei dem ZDF. Wagenknecht begründete ihre Entscheidung mit gesundheitlichen Problemen. Zuvor hatten die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland darüber berichtet.

Krankheit habe Wagenknecht Grenzen aufgezeigt

Wagenknecht führt die Fraktion seit Oktober 2015. Ende vergangenen Jahres stand sie wegen ihres Engagements für die Sammlungsbewegung "Aufstehen" auch in der eigenen Fraktion heftig in der Kritik. Zuletzt hatte Wagenknecht wegen einer nicht näher genannten Krankheit zwei Monate lang pausiert und deshalb auch beim Linken-Parteitag in Bonn gefehlt.

Inzwischen gehe es ihr wieder gut, teilte sie am Montag der Fraktion mit. Allerdings habe ihr die lange Krankheit Grenzen aufgezeigt, die sie in Zukunft nicht mehr überschreiten wolle. Auslöser seien Stress und Überlastung gewesen.

"Aufstehen" und Flüchtlingspolitik sorgen für viel Kritik

Bis zum Herbst, wenn turnusmäßig die Neuwahl des Fraktionsvorstands ansteht, will die 49-Jährige ihre Aufgaben trotzdem weiter wahrnehmen. Danach bleibe sie selbstverständlich politisch aktiv und werde sich weiter für ihre Überzeugungen und sozialen Ziele engagieren. Wagenknecht hatte erst am Wochenende mitgeteilt, sich aus der Führung der von ihr mitgegründeten linken Sammlungsbewegung "Aufstehen" zurückziehen zu wollen. Dieses Engagement hatte in der Fraktion für viel Streit gesorgt und auch den Zwist zwischen Wagenknecht und Parteichefin Katja Kipping verschärft.

Viele Linke waren zuletzt auch unzufrieden mit Wagenknechts Alleingängen in der Flüchtlingspolitik. Sie wandte sich etwa in einem von ihr mitverfassten Text gegen die "allgemeine Moral einer grenzenlosen Willkommenskultur". Solche Äußerungen sind es auch, die maßgeblich zum Dauerzwist zwischen Wagenknecht und der Parteispitze, bestehend aus den beiden Vorsitzenden Bernd Riexinger und Katja Kipping, geführt haben. Dieser Konflikt lähmt die Linken seit Jahren. Nach Bekanntwerden von Wagenknechts Rückzug sagte Parteichef Bernd Riexinger den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland knapp: "Ich hoffe, dass Sahra Wagenknecht der Linken als wichtiges Gesicht weiter zur Verfügung steht."

Von Anfang an umstritten

In der Fraktion wurde sogar laut über einen Putsch nachgedacht - bis man sich im Januar wegen der anstehenden Landtagswahlen einen Burgfrieden aufzwang. Zwar hat Wagenknecht zuletzt viel von ihrer Schärfe früherer Jahre abgelegt, sie tritt aber immer noch für eine Überwindung des Kapitalismus in Deutschland ein. Sie zieht die Aufmerksamkeit eines Massenpublikums auf sich - in Talkshows ist sie gefragt. Im Bundestag ruft sie regelmäßig gereizte Reaktionen der anderen Parteien hervor.

Wagenknecht führt seit 2015 gemeinsam mit dem Co-Vorsitzenden Dietmar Bartsch die Bundestagsfraktion der Linken. Doch der Weg ins Spitzenamt war steinig, denn sie hatte lange Zeit einen schweren Stand in der Partei: Als Mitglied der Kommunistischen Plattform war sie all jenen ein Dorn im Auge, die die Partei auf Regierungskurs trimmen wollen. Wagenknecht war immer wieder auf Distanz zu möglichen Bündnissen mit SPD und Grünen gegangen.

Die studierte Volkswirtin gehört seit 1991 - mit Unterbrechungen - dem Parteivorstand von PDS und Linken an, 2004 zog sie für fünf Jahre ins Europaparlament ein. 2010 übernahm Wagenknecht für vier Jahre den Posten einer stellvertretenden Parteichefin. 2011 wurde sie stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion, bald darauf meldete sie ihren Anspruch auf den Fraktionsvorsitz an.

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