Sie sind hier:

Webseite "Aufstehen" - Wagenknechts Bewegung geht ins Netz

Datum:

Die Website der neuen Sammlungsbewegung von Linken-Fraktionschefin Wagenknecht wirbt seit Samstag um Anhänger. Linken-Chef Riexinger gibt sich relaxed, die SPD wenig beeindruckt.

Die von Sahra Wagenknecht ins Leben gerufene Initiative "Aufstehen" startet mit einem Internet-Auftritt.

Beitragslänge:
3 min
Datum:

Offizieller Start der neuen Bewegung ist der 4. September, wie auf der am Samstag um punkt 14:00 Uhr freigeschalteten Website von "Aufstehen" angekündigt wurde. Auf der Seite sind bislang keine politischen Forderungen zu finden, sondern 18 Videoclips von Bürgern zu sehen, die über ihre Sorgen, Themen und Forderungen an die Politik sprechen. Wagenknecht will mit ihrer neuen Bewegung neben Anhängern ihrer eigenen Partei auch Mitglieder von SPD und Grünen sowie Parteilose ansprechen.

Riexinger bleibt gelassen

"Wir möchten vor allem natürlich auch die vielen erreichen, die sich in den letzten Jahren von der Demokratie abgewandt haben. Und die erreicht man nicht mit einer traditionellen und zwangsläufig starren Parteistruktur. Hier wollen wir unkonventionelle Angebote machen", sagte sie am Samstag.

Linken-Fraktionschefin Wagenknecht startet ihre Sammlungsbewegung "Aufstehen". Damit wolle sie Menschen erreichen, die sich von der Demokratie abgewandt hätten, sagte sie.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

In ihrer eigenen Partei hatte die Initiative der ebenso umstrittenen wie prominenten Wagenknecht die Befürchtung hervorgerufen, die Fraktionsvorsitzende könnte die Linke spalten. Die Parteispitze lehnte das Vorhaben lange ab. "Wo die Grenze ist, ist wenn neue Parteien entstehen würden oder wenn es zur Vorbereitung einer neuen Partei dienen würde. Das wäre ein falscher Schritt, das würde praktisch die linken Kräfte aufspalten", hatte Linken-Chef Riexinger beim Linke-Parteitag gesagt. Er sehe allerdings keine Gefahr für die eigene Partei. "Die Initiative richtet sich an die enttäuschten Anhänger der anderen Parteien", betonte er in Interview mit AFP.

Wagenknecht fordert "solide und soziale Politik in Deutschland"

Wagenknecht sagte der "Berliner Zeitung" von Samstag, die regionale und tiefe Spaltung beim Wertpapiervermögen zeige "das eklatante Versagen" der letzten Regierungen bei der Schaffung gleicher Lebensverhältnisse und einer gerechten Verteilung des Reichtums. "In Merkels Niedriglohnparadies Deutschland hat sogar jeder zweite Bürger kein Vermögen mehr und kann nichts ansparen, geschweige denn in Aktien investieren".

Wagenknecht forderte "eine solide und soziale Politik in Deutschland und Europa, die seriöse und risikolose Geldanlagen mit einer angemessenen Rendite für alle wieder möglich macht". Die Linken-Politikerin bezog sich auf eine Umfrage für die Direktbank Comdirect. Demnach halten in Magdeburg ein Prozent der Bürger Aktien, in Hamburg-Harburg dagegen 35 Prozent und in Starnberg 66 Prozent. Für den Anlage-Atlas wurden 45.000 Bundesbürger zu ihrem Anlageverhalten befragt.

"Bewusst überparteilich"

Wagenknechts Ehemann, Ex-SPD-Chef Oskar Lafontaine, warb in der "Welt am Sonntag" für das neue Projekt. "Wir verstehen uns nicht als Partei, sondern als eine Bewegung, die eine inhaltliche Erneuerung der Politik in unserem Land anstrebt." Die Bewegung sei "bewusst überparteilich" und lade alle zum Mitmachen ein, "die sich mehr soziale Gerechtigkeit und eine friedliche Außenpolitik wünschen und die für die Erhaltung unserer Umwelt eintreten".

Parteiforscher Karl-Rudolf Korte sieht gute Chancen für die Bewegung. "Sie kann Unruhe in die Machtmonotonie der Berliner Republik bringen. Sie kann neue Ideen für Oppositionsgeist auch in Berliner Parlamenten produzieren", sagte er dem ZDF.

Stegner: Egotrip notorischer Separatisten

SPD-Parteivize Ralf Stegner sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, zwar seien progressive Mehrheiten diesseits von CDU und CSU dringend notwendig in einem Europa, das kontinuierlich nach rechts drifte. Aber "sogenannte Sammlungsbewegungen sind keine überzeugende Antwort. Schon gar nicht, wenn sie eher dem Egotrip notorischer Separatisten entspringen", sagte Stegner offensichtlich mit Blick auf Wagenknecht und Lafontaine. Die SPD wolle mit möglichen Partnern für progressive Mehrheitskonstellationen in einem "konstruktiven Dialog" bleiben, fügte Stegner hinzu. "Das kann und muss auch intensiviert werden. Automatismen gibt es aber nicht."

"Deutschland braucht weder die Bierzeltreden von Horst Seehofer, noch die linke Sammlungsbewegung von Sahra Wagenknecht. Ich glaube, es ist auch nicht gut, wenn linke oder rechte Sammlungsbewegungen wie beispielsweise in Italien die Geschicke unseres Landes bestimmen", sagte Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann (SPD) dem ZDF. "Dazu brauchen wir starke demokratische Parteien."

SPD-Fraktionsvize Matthias Miersch äußerte sich ebenfalls skeptisch: In der Vergangenheit habe sich Wagenknecht aus rot-rot-grünen Gesprächskreisen "eher herausgehalten", sagte Miersch dem "Spiegel". SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bezeichnete Wagenknechts Projekt in der neuen Ausgabe des Nachrichtenmagazins als "Unsinn". "Wir können nicht alle drei Jahre eine neue Partei gründen und die Linke weiter spalten." In der Parteiführung ist demnach von einer "PR-Nummer" die Rede.

Die Bewegung sei Ausdruck zweier Linien innerhalb der Linkspartei, sagte Grünen-Politiker Jürgen Trittin dem ZDF. "Und ehrlichgesagt möchte ich mich da als Grüner nicht einmischen."

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.