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Präsidentschaftswahl in Kamerun - Wahl unter besonderen Umständen

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Heute wird in Kamerun gewählt. Der Konflikt zwischen den englischsprachigen Separatisten und der französischsprachigen Regierung ist in vollem Gange.

Kameruns Präsident Paul Biya
Kameruns Präsident Paul Biya Quelle: ap

Dzebam Godlove lebt als Binnenflüchtling in einer französischsprachigen Region Kameruns. Eigentlich ist er Lehrer in Bamenda, einer Stadt im englischsprachigen Nordwesten. Aber die englischsprachige Minderheit lebt im Ausnahmezustand. Viele Schulen sind seit zwei Jahren geschlossen. "Ich hoffe, dass die Kinder in Bamenda bald wieder zur Schule gehen können", sagt er.

Die Regierung verhängt Ausgangssperren. Separatisten verüben Angriffe. Trotzdem finden am Sonntag Präsidentschaftswahlen statt. Neun Kandidaten stehen zur Wahl.

Präsident vor seiner siebten Amtszeit?

Der Präsident Paul Biya regiert Kamerun seit 35 Jahren und hofft auf eine Wiederwahl. Es wäre die siebte Amtszeit des 85-Jährigen. Im Parlament hat seine Partei "Rassemblement démocratique du Peuple Camerounais" (Demokratische Versammlung des Kamerunischen Volkes) bereits die Mehrheit. Zweitstärkste Partei ist die "Social Democratic Front" (SDF), die den 49 Jahre alten Joshua Osih ins Rennen schickt. Er wird vor allem von den 20 Prozent der Kameruner unterstützt, die Englisch sprechen. Die anderen sieben Kandidaten haben kaum eine Chance.

Bei den letzten Wahlen gewann Biya mit 77 Prozent der Stimmen. Auch englischsprachige Kameruner unterstützten ihn, weil er für Stabilität und Frieden stand. Trotzdem fühlte sich die englischsprachige Minderheit vor allem bei Infrastrukturprojekten benachteiligt. Die Regierung strebt offiziell an, den Staat bilingual zu führen. In der Praxis dominiert aber Französisch: Wer in den englischsprachigen Regionen zu Ämtern geht, muss oft mit Beamten klarkommen, die nur Französisch sprechen. Auch bestimmte Finanz-Dokumente liegen nur auf Französisch vor.

Als Präsident Paul Biya im Oktober 2016 das Schul- und Rechtssystem in den englischsprachigen Regionen an das der Mehrheit anpassen wollte, streikten die Anwälte und bald auch Lehrer. Mehr als hundert Aktivisten wurden verhaftet.

Militär gegen Separatisten

In den vergangenen zwei Jahren gewann die Abspaltungsbewegung an Einfluss. Am 1. Oktober 2017 riefen Separatisten in den englischsprachigen Regionen die Republik Ambazonia aus, die von keinem Land anerkannt wurde. Seitdem geht das Militär gegen die Separatisten vor. Unter den gegenseitigen Vergeltungsaktionen leidet vor allem die ländliche Bevölkerung. Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen brannten mehr als 70 Dörfer. Von wem die jeweiligen Angriffe ausgehen, ist nicht immer klar. Videoanalysen des britischen Senders BBC zeigen wie auch Soldaten Feuer legen. Die Separatisten greifen auch Busse, Schulen und andere staatliche Einrichtungen an. Laut Amnesty International wurden seit Oktober vergangenen Jahres 400 Zivilisten getötet. 180.000 Binnenflüchtlinge können nach UN-Angaben momentan nicht in ihre Heimatorte zurück.

Karte von Kamerun
Karte von Kamerun Quelle: ZDF

Am Wochenende vor der Wahl verhängte die Regierung eine 48-stündige Ausgangssperre in den anglophonen Regionen. Separatisten haben angekündigt, die Wahl zu blockieren. Der Lehrer Dzebam Godlove würde ein Bündnis der Gegenkandidaten unterstützen, das nach der Wahl eine Interimsregierung bilden, das Wahlsystem erneuern und dann Neuwahlen durchführen soll. Der Vorschlag stammt von einem anderen Lehrer. Aber dieses Bündnis wird nicht zustande kommen, also hat er sich nicht für die Wahl registriert.

Egal, wie die Wahl ausgeht - er will wieder unterrichten. Gewaltfreie Kommunikation ist dabei eines seiner Prinzipien. Damit zukünftige Generationen von Kamerunern, egal unter welchem Präsidenten, in Sicherheit und Frieden lernen und leben können.

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