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#wahlde - Wer mit wem? - Die etwas andere K-Frage

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Wer mit wem? Die Koalitionsfrage ist im Wahlkampf mindestens so kompliziert wie nach der Wahl - diesmal Thema bei #wahlde. Hauptstadtkorrespondent Thomas Walde liefert wieder einen Blick hinter die Kulissen des Berliner Politikbetriebes.

Heute geht es um die andere K-Frage, die Koalitionsfrage. „Wer nach allen Seiten offen ist, kann nicht ganz dicht sein“ - so Kurt Tucholsky. Die Parteien beeindruckt das herzlich wenig, sie wollen sich alle Optionen offen halten.

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"Wer nach allen Seiten offen ist, kann nicht ganz dicht sein." Dieses Bonmot wird Kurt Tucholsky zugeschrieben. Die deutschen Parteien beeindruckt das - herzlich wenig. Sie sind nach - fast - allen Seiten offen. Eine Besonderheit am Bundestagswahljahr 2017 ist, dass sie sich nicht festlegen, mit wem sie denn eine Mehrheit bilden wollen.

Die CSU zum Beispiel hat sich nur schweren Herzens durchringen können zu einer Koalitionsaussage zugunsten der - CDU. Andere Parteien tun sich noch schwerer. Die SPD meint, wer mit ihr regieren wolle, müsse schon auf sie zukommen. Das klingt stark, sagt aber wenig, ob es neben den Grünen lieber mit der Linken oder der FDP gehen soll. Und eine Koalitionsaussage als Juniorpartner der Union ist für Sozialdemokraten nicht sexy.

Eigenständigkeit oder die Katze im Sack?

Die Linke will einen Regierungswechsel weg von Angela Merkel. Aber ein mutiges Bekenntnis zur SPD gibt es von ihr nicht. Und die Grünen können sich nicht zu einer klaren Aussage durchringen, ob sie lieber mit Angela Merkel oder mit Martin Schulz regierten. Ihr Ausweg nennt sich - wie bei der FDP: Eigenständigkeit. Das kann alles mögliche bedeuten, klingt aber besser als "bei uns kaufen Sie die Katze im Sack".

Das Zögern und Ausweichen im Wahljahr 2017 erschwert die Orientierung für Wählerinnen und Wähler, hat für die Parteien aber Vorteile: Zunächst wird in den eigenen Reihen niemand verprellt, weil klare Richtungsentscheidungen aufgeschoben sind. Und: Es gibt keinen Lagerwahlkampf, der polarisieren und den Gegner mobilisieren würde. Angst vor rot-rot-grün etwa muss man nicht haben, wenn rot-rot und grün sich gar nicht so deutlich zueinander bekennen. Und je weniger man sich vor der Wahl festlegt, umso mehr Optionen hat man nach der Wahl.

Für den Moment halten es die Parteien also weniger mit Tucholsky als mit Brecht: Möglich, dass am Wahltag der Vorhang fällt - und die Koalitionsfrage bis dahin offenbleibt.

Dem Autoren auf Twitter folgen: @ThomasWalde

Alles rund um die Bundestagswahl gibt's auf wahl.zdf.de

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