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Präsident dos Santos tritt ab - Öl und Elend - Angola wählt

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In Angola haben die Parlamentswahlen begonnen, bei denen auch der neue Präsident bestimmt wird. Der Amtsinhaber dos Santos ist seit knapp 38 Jahren an der Macht und will seinen Posten nach der Wahl abgeben - doch im Land ändern dürfte sich nicht viel.

In kaum einem anderen Land der Welt prallen diese Gegensätze so hart aufeinander, wie im westafrikanischen Angola. Die einen leben in Glaspalästen, die anderen versinken in Elendsvierteln in ihrem Müll.

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Wenn der angolanische Rapper MCK sein altes Viertel in der Hauptstadt Luanda besucht, dann wird er wütend: Armut und Elend überall. Er gehört zur Rapperszene in Angola, die sich in ihren Liedern auflehnt gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit. Sie singen über die Glitzerwelt wenige Kilometer entfernt. Über Angolas Elite in den sagenhaften Wolkenkratzern, reich geworden durch das Öl: "Seht Euch doch all diese schönen Gebäude an, wo vor allem Ausländer und die reichen Angolaner leben, die nicht einmal fünfzehn oder 20 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Auf der anderen Seite lebt ein großer Teil unter diesen fürchterlichen Bedingungen."

Angola hat zwei Gesichter

Angola hat zwei Gesichter, vor allem die Hauptstadt Luanda. Es ist beeindruckend, welche Skyline entstanden ist und das nur 15 Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs. Angola konnte zeitweilig märchenhafte Wachstumszahlen präsentieren. Aber es gibt, nicht weit entfernt, noch immer die Elendsviertel, wo nur wenig von dem neuen Reichtum angekommen ist. Reichtum, den das Land den Öl- und Diamantenvorkommen zu verdanken hat.

Nun steht das Land vor einer Zäsur. Der seit 1979 amtierende Präsident José Eduardo dos Santos tritt ab. Jahrzehntelang hat er die Geschicke des Landes bestimmt. Verteidigungsminister João Manuel Lourenço soll übernehmen. Er hat angekündigt die Korruption eindämmen zu wollen. Angola ist laut Transparency International eines der korruptesten Länder Welt.

Die Frage aber ist, welchen Spielraum er wirklich haben wird, sollte er Präsident werden. Viele halten es vielmehr für wahrscheinlich, dass der Kandidat der Regierungspartei MPLA die Wahl gewinnt und damit womöglich jene Clique aus Verwandten und Generälen an der Macht bleibt, die sich seit Jahren bereichern soll. Denn der scheidende Präsident Dos Santos hat vorgesorgt: So bleibt er vorerst Präsident der MPLA. Wichtige Schlüsselpositionen in Armee und Polizei dürfen in den kommenden acht Jahren nicht neu besetzt werden.

Staatsgeschäfte sind Familienangelegenheiten

Seine Tochter Isabel dos Santos etwa, die als reichste Frau Afrikas gilt, machte der Präsident im vergangenen Jahr zur Chefin des staatlichen Ölkonzerns Sonangol. Damit kontrolliert sie die wichtigste Einnahmequelle des Landes.

Vetternwirtschaft, Korruption, Interessenkonflikte – genau das wirft der Aktivist und Journalist Rafael Marques der Machtelite seit Jahren vor: "Die natürlichen Ressourcen kommen nur einer sehr kleinen Gruppe von Leuten zugute, die fest mit der Macht verwurzelt ist."

Die Regierung hingegen verweist stolz auf die Erfolge, etwa die deutlich gestiegene Zahl an Universitäten, die bessere Infrakstruktur. Vieles im Land habe sich verbessert. Man sei außerdem dabei, Angola unabhängiger vom Öl zu machen, sagt der Repräsentant des Präsidenten, Luvualu de Cavalho.

Er bestreitet nicht, dass es noch viel Armut gebe, aber die Regierung habe einen Plan: "In den nächsten 20 bis 25 Jahren wird das Öl noch sehr wichtig sein für Angola, aber die Regierung arbeitet daran, dieses Geld in die Entwicklung anderer Bereiche zu investieren, wie etwa die Industrie, die Landwirtschaft und den Tourismus."

Das aber könnte viel zu spät kommen. Derzeit leidet Angola bereits unter dem schwachen Ölpreis. Die größte Oppositionspartei UNITA, aber auch die kleinere Casa-CE machen sich daher Hoffnung, mehr Wählerstimmen gewinnen zu können als bei den letzten Wahlen. Die Opposition befürchtet jedoch auch Wahlmanipulationen, die verhindern könnten, dass das Ergebnis den wirklichen Willen des Volkes wiederspiegelt.

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