Sie sind hier:

Erste Wahlen nach der Ära Mugabe - Simbabwe zwischen Skepsis und Euphorie

Datum:

Auf den Straßen von Harare spürt man vorsichtigen Optimismus. Mehr als fünf Millionen registrierte Wähler sind aufgerufen, das Parlament und einen neuen Präsidenten zu bestimmen.

In Simbabwe hat die erste Präsidentenwahl nach der Ära Mugabe begonnen. Bereits vor Sonnenaufgang bildeten sich in der Hauptstadt Harare lange Schlangen vor den Wahllokalen.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Die Sonne brennt auf die Besucher und Journalisten im Nationalstadion in Harare. Es ist die letzte Wahlkampfveranstaltung von Präsident Emmerson Mnangagwa (ZANU-PF) vor der Abstimmung. Jahrzehntelang stand er an der Seite von Robert Mugabe, war Teil des Regimes, das das Land herunterwirtschaftete, jetzt verspricht er den Wandel:

Besonders euphorisch wirken seine Anhänger nicht. Ein Großteil wurde mit Bussen vom Land zu der Veranstaltung gebracht. Viele tanzen und jubeln ihm zu, doch viele andere wirken, als seien sie nicht freiwillig hier.

Einschüchterung und Nötigung

Freie und faire Wahlen hat der Präsident versprochen, doch nicht alles lief bislang korrekt ab. So gab es unter anderem Unstimmigkeiten bezüglich der Wählerlisten und die Vereinten Nationen hatten bereits vor Tagen Bedenken wegen mutmaßlicher Einschüchterung und Nötigung von Wählern geäußert.

Doch es gibt auch positive Zeichen, Zeichen von mehr Freiheit. Noch während Emmerson Mnangagwa redet, verlassen viele das Stadion. Zu Mugabes Zeiten hätte sich das kaum einer getraut. Und auch bei der Meinungsfreiheit hat sich was getan. Immer mehr Menschen trauen sich auch vor laufender Kamera zu sagen, was sie denken.

Der Herausforderer

Am sichtbarsten wird das auf der Abschlussveranstaltung der Oppositionspartei, der Movement For Democratic Change Alliance (MDC). Tausende sind gekommen und jubeln dem Vorsitzenden Nelson Chamisa euphorisch zu. Der 40-Jährige wird vor allem von der Jugend unterstützt. Die glaubt nicht, dass das alte Regime ein neues Simbabwe schaffen wird. Experten trauen Chamisa zu, dass er Simbabwe tatsächlich in eine neue Zukunft führen könnte, wenn er die Wahl gewinnt. Er will das Land reformieren und spart nicht mit Kritik.

Eines der ärmsten Länder der Welt

Simbabwe steckt in einer tiefen Wirtschafts- und Finanzkrise. Schätzungen zufolge sind etwa 90 Prozent der Menschen arbeitslos. Egal, wem sie ihre Stimme geben, sie alle hoffen auf eines:

Die Macht des Militärs

Seit 1980 hatte Robert Mugabe das Land mit harter Hand regiert. Seine Gegner ließ er niederknüppeln und ermorden. In den 80er-Jahren soll er – zusammen mit Mnangagwa, der damals Minister für Staatssicherheit war - für den Tod Tausender Menschen der Volksgruppe der Ndebele verantwortlich gewesen sein. Außerdem ließ Mugabe Tausende weiße Farmer enteignen und gewaltsam vertreiben. Mit seiner Politik wirtschaftete Mugabe die einstige Kornkammer des Kontinents völlig herunter und wurde selbst immer korrupter – bis das Militär ihn im November 2017 zum Rücktritt zwang.

Es war auch das Militär, das Emmerson Mnangagwa ins Amt brachte. Ehemalige ranghohe Militärs bekleiden heute Regierungsposten. Viele Simbabwer fragen sich, was passiert, wenn Nelson Chamisa gewinnen sollte. Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Regime, das mit Gewalt an die Macht kam, diese freiwillig wieder abgibt?

Erste Ergebnisse der Wahl soll es in einigen Tagen geben. Den jüngsten Umfragen zufolge wird es ein knappes Rennen.

Hintergrund

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.