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Wahl in Brandenburg - Es wird knapp - jede Stimme zählt

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Es wird knapp, die regierende SPD und die AfD liegen auch nach den letzten Umfragen dicht beieinander. Die große Frage ist - wer wird stärkste Kraft in Brandenburg?

Wahlplakate zur Landtagswahl in Brandenburg hängen vor dem Nauener Tor entlang der Friedrich-Ebert-Straße in Potsdam am 10.08.2019
Gekämpft wird bis zuletzt - bei der Landtagswahl in Brandenburg wird es spannend.
Quelle: dpa

Er kämpft bis zuletzt. Dietmar Woidke steht noch am Tag vor der Wahl in der Lausitz am Wahlkampfstand der SPD. In Forst hat er seinen Wahlkreis. In den letzten Wochen war er jeden Tag im Land unterwegs, nach der Arbeit in der Staatskanzlei ging es los. Kaum ein Landstrich, in dem er nicht gewesen ist.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke stellt ein neues SPD-Plakat vor.
Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) ist bei vielen Bürgern beliebt.
Quelle: dpa

Woidke ist der beliebteste und bekannteste Politiker im Land. Er wirft sein ganzes Gewicht als Ministerpräsident in den Wahlkampf. Für ihn geht es um Alles. Kaum vorstellbar, dass er das Amt weiterführt, wenn die AfD am Wahlabend die Nase vorne hätte. Man merkt ihm an, wie wichtig es ihm ist, dass seine SPD gewinnt, und man merkt ihm die Strapazen an. Ein riesiges Pensum hat er absolviert und gekämpft. Im Wahlkampf hat er gehadert - mit der Bundes-SPD, der schon fast unwürdigen Suche nach einem Duo, das die Partei führt. "Rückenwind sieht anders aus", war da noch die harmloseste Aussage.

Die AfD ist siegessicher

Zum ersten Mal in einem Bundesland hat die AfD die Chance stärkste Kraft zu sein. Lange Zeit lag sie in den Umfragen vorne. Mit Slogans aus der Bürgerbewegung von 1989 hat sie bei vielen Brandenburgern den Nerv getroffen. Mit "Der Osten steht auf", "Wende vollenden" und "Wende 2.0" knüpfte die Partei gezielt an das Lebensgefühl derer an, die 30 Jahre nach der Wende enttäuscht sind.

Im Wahlkampf war die AfD die einzige Partei, die auf die großen Plätze ging – und die Menschen kamen. Besonders nach Cottbus zog es die Partei immer wieder. Auf den Wahlkampfveranstaltungen war auch der Ton immer schärfer als in den Interviews. Andreas Kalbitz, der Spitzenkandidat, wetterte gegen Masseneinwanderung, Ausländerkriminalität und Genderwahn. Deutschland-Fahnen und Deutschland-Hymne waren bei den Zuhörern wichtiger als politische Lösungen für das Land.

Immer wieder präsent in Brandenburg: der Thüringer Björn Höcke. Er unterstützte Kalbitz, der - wie Höcke - zum rechten Flügel der AfD gehört.

Die Grünen können ihr Glück kaum fassen

Seit der Wende müssen die Grünen zittern, ob sie den Einzug in den Landtag schaffen. So richtig beliebt war die Umwelt-Partei in Brandenburg nicht. Ihre Klientel wohnte im Speckgürtel um Berlin, im ländlichen Raum war die Partei kaum vertreten. Die Grünen konnten vom Hype der Bundespartei profitieren. Die Frau des grünen Spitzen-Duos auf Bundesebene, Anna Lena Baerbock, kommt aus Potsdam. Gerade junge Leute waren im Wahlkampf von der grünen Spitzenfrau begeistert. Auch wenn sie selbst nicht zur Wahl steht, trägt sie zu den guten Umfrage-Ergebnissen der Grünen bei. Die Partei klettert von rund sechs Prozent auf aktuell 14,5 Prozent.

Die Grünen treffen mit ihren Themen den Nerv: Nein zur Braunkohle; ökologische Landwirtschaft und eine weltoffene Gesellschaft stehen hoch im Kurs. Darin sehen viele das Gegenmodell zur AfD. Ihr Wahlkampf hatte die eingängigsten Slogans: Ein glückliches Schweinchen ziert das Wahlplakat: "Hallo Grunz – Tschüss Quälerei. Mit "Hallo Biene – Tschüss Pestizide" und "Hallo Klima – Tschüss Braunkohle" bringen die Grünen ihre Themen auf den Punkt.

Die Spitzenkandidatin Ursula Nonnemacher engagiert sich schon seit Jahren in der Politik. Sie sitzt für die Grünen im Landtag. Immer wieder betont sie, dass sie Glück haben, dass der "Klimawandel bei Familien am Küchentisch angekommen ist". Ohne die Partei wird es wohl keine Regierung in Brandenburg geben. 

Die Linken besinnen sich auf ihre Stärke: der Osten

Die Linken haben einen Wahlkampf geführt, der an die guten alten Zeiten erinnern sollte. Für einen Treuhand-Untersuchungsausschuss, keine Entschädigung für die Hohenzollern, die in Brandenburg und Berlin Besitztümer zurück haben wollen, für soziale Gerechtigkeit und gleiche Löhne in Ost und West.

Eine richtige Zukunftsorientierung ist das zwar nicht gerade, aber die Besinnung auf ihre Ostkompetenz kam bei den Bürgern im Wahlkampf gut an. Ihnen schadet die Regierungsverantwortung weniger als der SPD. In Umfragen verlieren sie zwar gegenüber den letzten Landtagswahlen, liegen aber aktuell bei 14 Prozent.

Der Spitzenkandidat der CDU ist durch das Land gewandert

Ingo Senftleben wollte ran "an die Brandenburger". Er wanderte durch Land und  nicht immer traf er dabei auf viele Bürger. Sein Slogan, "Mauerer, Brückenbauer, Ministerpräsident" war vollmundig.

Selbst wenn die CDU die stärkste Kraft werden sollte, fehlt es an Macht-Optionen. Auch wenn er selbst ein Bündnis mit Linken und Grünen nicht ausschließt, sind die möglichen Koalitionspartner eher skeptisch.

Das Zünglein an der Wage

Die FDP und die Freien Wähler haben Chancen in den Landtag einzuziehen. Sie können die Arithmetik der großen Parteien durcheinander bringen. In Brandenburg werden für eine Regierungsbildung mindestens drei Parteien gebraucht. Ob das ausreicht, wird man sehen. So knapp war es noch nie bei einer Landtagwahl in Brandenburg.

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