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Präsidentschaftswahl - Wahlsieger Duque will Kolumbien vereinen

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Nach den friedlichsten Wahlen seit Jahrzehnten steht Rechtskandidat Ivan Duque als neuer Präsident Kolumbiens fest. Er wird auf eine starke Opposition treffen.

In Kolumbien hat Ivan Duque die Stichwahl um das Präsidentenamt gewonnen. Der 41-Jährige kündigte an, am Friedensvertrag mit der FARC-Guerilla Änderungen vorzunehmen.

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Irgendwie schien es in dieser historischen Wahlnacht nur Gewinner zu geben: Der 41-jährige konservative Favorit Ivan Duque, der mit rund 54 Prozent der Stimmen zum jüngsten Präsidenten in der Geschichte des südamerikanischen Landes gewählt worden ist. Aber auch Gustavo Petro, der ehemalige Guerillero, der mit knapp 42 Prozent das beste Ergebnis eines Linkspolitikers in den vergangenen Jahrzehnten einfahren konnte.

"Welche Niederlage", twitterte Petro am Abend stolz und baute seine acht Millionen Wähler auf. "Noch regieren wir nicht." Der ehemalige Bürgermeister Bogotas, der in der Hauptstadt und einigen Provinzen gewann, kündigte an, aus dem Senat heraus die "Bürgerschaft zu mobilisieren." Angesichts eines furiosen Wahlkampfes in den sozialen Netzwerken ist davon auszugehen, dass ihm das gelingen wird. Petro hat rund zehnmal so viele Follower bei Twitter wie der neue Präsident.

Duque will bei Friedensvertrag mit FARC nachverhandeln

Kolumbien hat einen polarisierenden Wahlkampf erlebt, weil es mit Duque und Petro zwei Kandidaten aus den beiden Rändern des politischen Spektrums in die Stichwahl schafften. Entsprechend groß wird die Aufgabe sein, das gespaltene Land wieder zu versöhnen. Duque versprach vor seinen jubelnden Anhängern: "Ich werde meine ganze Energie darauf verwenden, das Land zu vereinen."

Er trage in seinem Herzen keine Rachegefühle und für ihn existierten auch keine Feinde, so Duque weiter. Er wolle aber einen Frieden mit Gerechtigkeit in dem die Opfer im Mittelpunkt stehen sollten. Den Friedensvertrag mit der inzwischen entwaffneten und befriedeten Guerilla-Organisation FARC will Duque nicht aufkündigen, aber modifizieren. Dazu bräuchte er allerdings deutliche Mehrheiten im Parlament.

Auch der FARC-Boss gratuliert

Die Wahlen waren ein Beleg für die Demokratisierung des Landes, das sich in den letzten Jahren mit dem Friedensabkommen mit der FARC sowie den noch laufenden Friedensgesprächen mit der ELN-Guerilla Stück für Stück vom jahrzehntelangen Bürgerkrieg verabschiedet. FARC-Chef Timochenko, vor einigen Jahren noch erbitterter Feind der kolumbianischen Rechten, gratulierte am Abend dem neu gewählten Präsidenten via Twitter: "Es ist ein Moment der Größe und der Versöhnung, wir respektieren die Entscheidung der Mehrheit und gratulieren dem neuen Präsidenten."

Die neue demokratische Diversität schlägt sich nun mit einer breiteren politischen Landschaft nieder, die sich auch im Wahlergebnis wiederspiegelt. Florian Huber, Leiter der Heinrich-Böll-Stiftung in Bogota und Mitglied einer internationalen zivilgesellschaftlichen Wahlbeobachtungsmission (MOE), sprach nach dem Urnengang, von den "friedlichsten und fairsten Wahlen der letzten Jahrzehnte". Die größte Herausforderung für die neue Regierung sei es, die politische Polarisierung zu überwinden, insbesondere angesichts eines gestärkten linken politischen Spektrums, sagte Huber im Gespräch mit heute.de.

Duque muss sich auf starke Opposition einstellen

Auf den neuen Präsidenten warten nun schwierige Aufgaben: Die Integration vieler Hunderttausender Flüchtlinge aus Venezuela, die Kolumbien – weitgehend allein gelassen von der internationalen Staatengemeinschaft – bewältigen muss. Die Friedensgespräche mit der ELN müssen erfolgreich zu Ende gebracht, der Friedensvertrag mit der FARC mit Leben erfüllt werden. Zudem werden die vielen in Kolumbien engagierten internationalen NGO's genau darauf achten, ob die neue Rechtsregierung den Schutz der Menschenrechtsaktivisten gewähren kann. Allein in den letzten zwei Jahren wurden fast 200 Menschenrechtler und soziale Aktivisten ermordet.

Zudem wird sich Duque auf eine starke Opposition einstellen müssen. Petro, der bislang eher eine lokale Figur mit Hausmacht in Bogota war, ist durch den Wahlkampf zu einem nationalen Player geworden, der schon einmal die roten Linien für die nächsten Jahre gezogen hat. Gegen das auch in Kolumbien emotional besetzte Thema der Erdölförderung mit Hilfe des "Frackings" will er ebenso die Massen mobilisieren wie gegen eine Gefährdung des Friedensprozesses. Duque, der sich als Vertreter einer neuen Generation sieht, wird auf eine neue selbstbewusste Linke treffen.

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