Sie sind hier:

Waldbrände in Brasilien - Regionalchefs geben Bolsonaro Kontra

Datum:

Im Streit um das Hilfsangebot der G7 bekommt Bolsonaro im eigenen Land Gegenwind: Die Gouverneure des Amazonasgebiets mahnen den brasilianischen Präsidenten zur Mäßigung.

Anwohner in der Flammenhölle im Amazonasgebiet bei Porto Velho, Brasilien am 27.08.2019
Präsident Bolsonaro gibt Indigenen Mitschuld an Bränden.
Quelle: Reuters

Die Gouverneure des Amazonasgebiets fürchten internationale Wirtschaftssanktionen und einen schweren Imageschaden wegen des Streits um die verheerenden Waldbrände und das Hilfsangebot der G7-Staaten. "Wenn sich Brasilien auf internationaler Ebene isoliert, setzt es sich ernsten Handelssanktionen gegen unsere Produzenten aus", sagte der Regierungschef des Bundesstaates Maranhão, Flávio Dino, bei einem Treffen der Gouverneure mit Bolsonaro.

Bauern sorgen sich um Exportgeschäft

Präsident Jair Bolsonaro hatte zuvor eine Entschuldigung vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron gefordert, bevor er die von den Industrieländern angebotene Hilfe bei den Löscharbeiten annehmen will. Der Rechtspopulist warf Macron vor, ihn als Lügner bezeichnet und die Souveränität des Amazonasgebiets infrage gestellt zu haben.

"Ich denke, jetzt sollten wir uns um unsere Probleme kümmern und der Welt der Umweltdiplomatie ein Zeichen geben, denn sie ist fundamental für die Landwirtschaft. Sonst erleiden wir einen schweren Imageschaden, der bereits jetzt allen Anlass zu Sorge gibt", sagte der Gouverneur von Pará, Hélder Barbalho.

Bolsonaro gilt eigentlich als Freund der Agrarindustrie. Weil wegen seiner Umweltpolitik nun aber einige europäische Länder bei der Ratifizierung des Freihandelsabkommens zwischen der EU und dem Mercosur auf die Bremse treten, sorgen sich mittlerweile auch die brasilianischen Landwirte um ihr Exportgeschäft mit Rindfleisch und Soja.

Klöckner erhöht Druck

"Brasilien hat sich mit Abschluss des Mercosur-Abkommens zu einer nachhaltigen Waldwirtschaft bekannt", sagte Bundesagrarministerin Julia Klöckner der "Welt". "Wenn das Land dieser Verpflichtung nicht nachkommt, werden wir nicht tatenlos zuschauen."

Brasilien hat sich mit Abschluss des Mercosur-Abkommens zu einer nachhaltigen Waldwirtschaft bekannt. Wenn das Land dieser Verpflichtung nicht nachkommt, werden wir nicht tatenlos zuschauen.
Julia Klöckner

Das Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem Mercosur beinhaltet ein Nachhaltigkeitskapitel mit verbindlichen Regelungen. "Wenn diese nicht eingehalten werden, kann es die vereinbarten Zollerleichterungen nicht geben", sagte Klöckner.

Die Bundesregierung muss sich nach den Worten von Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) dafür einsetzen, die Abholzung der Wälder zu stoppen. "Der Regenwald darf nicht für neue Sojafelder brennen", sagte Müller der "Passauer Neuen Presse". "Ein wichtiger Schritt wäre, auf Schweinemast auf Basis billiger Sojaimporte von gerodeten Flächen zu verzichten."

Bolsonaro gibt Indigenen Mitschuld

Auch wegen seiner umstrittenen Äußerung zu Umweltschützern bekam Bolsonaro von den Gouverneuren Kontra. Der Staatschef hatte zuletzt behauptet, NGOs könnten die Waldbrände gelegt haben, um sich für die Streichung öffentlicher Mittel zu rächen und seine Regierung zu diskreditieren. Es sei ein Fehler, Nichtregierungsorganisation zu verteufeln, sagte Gouverneur Dino. Denn es gebe in der Welt und in Brasilien sehr ernsthafte NGOs.

Bei dem Treffen mit den neun Gouverneuren der Amazonasregion am Dienstagabend (Ortszeit) machte Bolsonaro die Indigenen mitverantwortlich für die verheerenden Brände. So lägen seiner Regierung 400 Anträge auf Landzuteilung vor, die er jedoch alle ablehnen werde. Die Brände interpretierte der Präsident als eine Antwort auf seine Weigerung. Würde er entsprechenden Forderungen nachgeben, wären die Brände "in zwei Minuten vorbei", so Bolsonaro.

Trump verteidigt Bolsonaro: "Großartiger Job"

Rückendeckung erhielt Bolsonaro hingegen von US-Präsident Donald Trump. "Ich habe Präsident Jair Bolsonaro gut kennengelernt", schrieb er auf Twitter. "Er arbeitet sehr hart wegen der Brände im Amazonasgebiet und macht einen großartigen Job für das brasilianische Volk."

Ein Klick für den Datenschutz

Erst wenn Sie hier klicken, werden Bilder und andere Daten von Drittanbietern nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server (Facebook, Google, Instagram, Twitter, etc.) übertragen. Über den Datenschutz dieser Anbieter können Sie sich auf den jeweiligen Seiten informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in einem 'ZDF-Cookie'. Diese Zustimmung können Sie in den Einstellungen unter 'Mein ZDF' jederzeit widerrufen. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Bolsonaro bedankte sich ebenfalls bei Twitter: "Vielen Dank, Präsident Trump. Wir bekämpfen die Waldbrände mit großem Erfolg.
Brasilien ist und wird immer eine internationale Referenz in nachhaltiger Entwicklung sein. Die Fake-News-Kampagne gegen unsere Souveränität wird nicht funktionieren."

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.