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Präsident des Feuerwehrverbandes - "Es fehlen tragfähige Löschhubschrauber"

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Die Waldbrandgefahr in Deutschland ist besorgniserregend hoch. Hartmut Ziebs, Präsident des Feuerwehrverbandes, erläutert, was jetzt präventiv zu tun ist und wo es Defizite gibt.

Benötigt würden Hubschrauber, Bekleidung und gezieltes Training, so Hartmut Ziebs, Präsident Deutscher Feuerwehrverband. Besonders gefährdet seien Brandenburg und der Süden Deutschlands.

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ZDF: Welche Regionen in Deutschland sind aus Ihrer Sicht besonders gefährdet in diesem Jahr?

Hartmut Ziebs: Also zurzeit sind sehr gefährdet Brandenburg, da sind sehr sandige Böden, sehr trockene Böden, und der Süden Deutschlands mit seinen extremen Nadelwäldern.

ZDF: Im vergangenen Jahr hatten wir eine große Diskussion darüber, ob die Feuerwehren in Deutschland vernünftig ausgestattet sind, um mit dieser Gefahr umzugehen. Da ging es vor allem auch um die Ausrüstung. Wie ist Ihre Wahrnehmung? Hat sich da etwas getan?

Ziebs: Wir sind zusammen mit der Innenministerkonferenz, einer Unterarbeitsgruppe der Innenministerkonferenz, zugange, hier nochmal eine Anforderung zu definieren und da sind die Kommunen auf dem Wege, hier nachzusteuern.

ZDF: Im vergangenen Jahr haben wir über Löschflugzeuge geredet. Sie haben jetzt noch einmal Löschhubschrauber in die Diskussion gebracht. Warum? Was können die in besonderer Weise, was bisherige Mittel nicht leisten können?

Ziebs: Löschflugzeuge sind für Deutschland eigentlich nicht geeignet. Das ist auch nicht die Strategie und die Taktik der deutschen Feuerwehren. Wir setzen schon seit Jahrzehnten auf Löschhubschrauber, aber da haben wir Defizite. Es gibt zu wenige - zu wenige tragfähige Hubschrauber, die nur die Bundeswehr vorhält. Hier müsste nachgesteuert werden. Hier fehlen uns circa zehn bis zwanzig Hubschrauber deutschlandweit.

ZDF: Was brauchen wir noch?

Ziebs: Wir brauchen jetzt nochmal ein Besinnen der Bevölkerung und aber auch der Forstwirtschaft auf die Erfahrung aus dem Waldbrand in Niedersachsen 1975. Das heißt: Die Prävention im Waldbrand ist extrem wichtig – große Waldbrandschneisen, Verkehrswege für die Feuerwehren in den Wäldern vorzuhalten, Löschteiche vorzuhalten, den Waldboden – so schön das auch ist – ein bisschen zu entrümpeln, damit das brennbare Material nicht so zahlreich vorhanden ist. Und dann müssen sich die Feuerwehren auch noch ein bisschen darauf vorbereiten durch Training.

ZDF: Was heißt das, "durch Training"?

Ziebs: Das heißt: Wir müssen noch einmal das schulen, was wir schon seit Jahrzehnten wissen, wie man sich beim Waldbrand feuerwehrseitig verhält, wie wir vorgehen – aber, dann kriegen wir das wieder hin.

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ZDF: Sie haben jetzt ausrüstungsseitig nur die Löschhubschrauber angesprochen. Wenn es so einfach ist, dann sind die Feuerwehren ja auf einem guten Weg – oder? Was fehlt noch?

Ziebs: Eigentlich fehlt nicht viel. Wir haben uns gut vorbereitet für schwere Feuerbrandeinsätze. Das heißt die Ausrüstung, die Schutzkleidung der Feuerwehr ist eigentlich optimal – aber nicht gut geeignet für Waldbrände. Hier brauchen wir etwas mehr leichte Kleidung. Das wissen die Feuerwehren vor Ort und hier steuern viele Feuerwehren jetzt nach.

ZDF: Jetzt ist der Katastrophenschutz Sache der Länder. Sie fordern ein nationales Konzept. Warum?

Ziebs: Es macht eher Sinn, das national zu steuern. Nehmen wir mal rein theoretisch an, ein Land kommt in eine arge Bredouille durch einen Waldbrand und fordert dann von einem anderen Land Hilfe an und das sagt: Nein, möchte ich jetzt nicht. Eine nationale Steuerung wäre sinnvoll, gerade wenn es zu mehreren Waldbränden in Deutschland kommt, dass die Ressourcen da noch gezielt gesteuert werden können.

ZDF: Ganz zum Schluss noch einmal die Frage: Was kann jeder einzelne tun, der im Sommer im Wald unterwegs ist? Was darf man unbedingt nicht tun, um Waldbrände zu vermeiden?

Ziebs: Also bitte kein offenes Feuer im Wald verwenden. Nicht grillen im Wald, auf Flächen, die trocken sind. Bitte nicht rauchen im Wald. Und der berühmte Pkw mit dem Katalaysator auf der Wiesenfläche – auch bitte dort nicht parken, denn der heiße Katalysator kann die Wiese entzünden.

Das Interview führte Wolf-Christian Ulrich im ZDF-Morgenmagzin

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