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Kritik an neuer Walfang-Expedition Japans

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Antarktis - Kritik an neuer Walfang-Expedition Japans

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Japans Walfänger stechen in See, ihr Ziel: die Antarktis. Dort sollen 333 Wale gefangen und getötet werden. Möglich macht das ein Schlupfloch, das seit Jahren für Streit sorgt.

Japanischer Walfänger
Japanische Walfänger sind auf dem Weg ins Südpolarmeer, um dort 333 Wale zu fangen (Archiv).
Quelle: dpa

Japan schickt wieder Walfangboote in die Antarktis -  zieht damit wieder internationale Kritik auf sich. Die Schiffe sind seit Montag in Richtung Südpolarmeer unterwegs, um dort 333 Zwergwale zu fangen, wie das Ministerium für Fischerei mitteilte.

Die Ausfahrten sind hoch umstritten: Denn kommerzieller Walfang ist weltweit seit 1986 verboten. Die Internationale Walfang Kommission (IWC) beschloss dieses Verbot, weil ein Walbestand nach dem anderen an den Rand der Ausrottung gelangte. Festgeschrieben ist das Verbot im Walfangmoratorium der IWC.

Der Mehrwert der Forschung ist gleich null.
Thilo Maack, Greenpeace Deutschland

Begründet wird die neuerliche Expedition aus Japan mit wissenschaftlicher Forschung und nicht mit kommerziellem Walfang – das ist mit einer Sondergenehmigung erlaubt. Die einzige Nation, die seit 2008 diese Sondererlaubnis nutzt, ist Japan. Das Fleisch der getöteten Wale wird anschließend zum Verzehr verwendet. Experten bezweifeln, dass auf den wirklich Forschung betrieben wird.

Thilo Maack, Meeresexperte bei der Umweltorganisation Greenpeace, kritisiert die Entwicklungen: "Japan schlägt damit direkt in das Gesicht der Staaten der Walfangkommission". Das, was die Japaner als Forschung angeben würden, wäre nichtig. Er erklärt: "Es gibt keine Ergebnisse, keine Publikationen aus diesen Expeditionen. Der Mehrwert ist gleich null."

Bereits von Ende 2017 bis März 2018 war eine Expedition in der Antarktis unterwegs und hatte 333 Zwergwale gefangen und getötet. Japans Flotte bricht damit zum vierten Mal seit 2014 in dieses Gebiet auf. 2014 verbot der Internationale Gerichtshof in Den Haag die Expeditionen, weil sie nicht wissenschaftlich seien. Im Jahr nach dem Urteil setzte das asiatische Land eine Saison aus – um kurz darauf wieder mit dem Walfang weiterzumachen.

Das Töten der Tiere ist für Forschung unnötig

Besonders stört Thilo Maack, dass die Forschungen, die Japan angibt zu betreiben, auch ohne Tötung der Wale möglich sei. "Es gibt Analysen über Gewebeproben oder über Ausscheidungen, die eine Tötung der Wale absolut überflüssig machen. Man muss nicht 333 Wale pro Jahr töten um zu wissen, dass sie Krill fressen."

Es ist ein kommerzielles Unternehmen im Gewand der Wissenschaft. Und das weiß jeder.
Thilo Maack, Greenpeace Deutschland

Als ein weiteres Indiz dafür, dass die Wale nicht zu Forschungswecken getötet werden, sieht er die Beschaffenheit der Schiffe und die Abläufe dort. Demnach werden die Wale sofort zerlegt und portioniert und nicht größeren Untersuchungen unterzogen. "Es ist ein kommerzielles Unternehmen im Gewand der Wissenschaft. Und das weiß jeder." Mit "jeder" sind andere Umweltorganisationen gemeint, aber wohl auch die Mitglieder und Beobachter der Walfangkommission.  

Denn Japan setzt sich seit Langem dafür ein, das Verbot kommerziellen Walfangs wieder aufzuheben. Japans Ansicht nach gibt es wieder ausreichend Wale, weshalb eine Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs zu rechtfertigen sei. Erst im September war die Aufhebung des Walfang-Moratoriums auf Antrag Japans mit 41 zu 27 Stimmen gescheitert. Neben Japan betreiben hauptsächlich noch Norwegen und Island Walfang, die das Moratorium nicht anerkennen und mehrere hunderte Wale für den Konsum jagen.

Die japanische Regierung führe aber noch ein weiteres Argument an, um den Walfang zu rechtfertigen, so Thilo Maack von Greenpeace. Die Wale seien verantwortlich für den Rückgang der Fischbestände. "Das ist absoluter Humbug und etwa so haltbar wie zu sagen, dass Spechte für das Waldsterben verantwortlich seien."

Walfang als politisches Vehikel

Was die Hintergründe des Festhaltens am Walfang der Japaner sind, kann auch Thilo Maack nur erahnen. Japan ist eine Walfangnation, in der die Tradition seit Jahrhunderten existiert. Doch der Walfang hat noch eine weitere Dimension: Politik. "Es ist offensichtlich so, dass die Japaner nicht ihr Gesicht verlieren wollen. Sie haben so viel Zeit und Geld in den Walfang investiert. Sie wollen sich nicht vorschreiben lassen, was sie essen und welche Ressourcen sie nutzen." Würde Japan in der Walfang-Frage nachgeben, wäre das ein Eingeständnis von Schwäche und würde vielleicht nach sich ziehen, dass man auch in anderen Fragen, wie dem UN-Hochseeabkommen, das Nachsehen habe. So aber könne man auf dem Rücken der Wale Stärke zeigen und dem Westen symbolisch gegen das Schienbein treten.

Für Meeres- und Tierschützer gibt es auch ohne Walfänger genug zu tun. Die Auswirkungen des Klimawandels sind auch in den Ozeanen zu spüren. Meere werden immer wärmer und saurer, dadurch gibt es beispielsweise weniger Plankton und Korallen. Experten warnen schon seit Langem vor den Folgen des Klimawandels und sehen das ganze Ökosystem Meer in Gefahr. Hinzu kommt die Verschmutzung der Ozeane – besonders durch Plastikmüll, die das System ebenfalls bedroht.

Greenpeace fordert Handelsbeschränkungen gegen Japan

"Japan muss aufwachen. Es muss verstehen, dass Walfang ein Anachronismus aus dem 20. Jahrhundert ist", sagt Thilo Maack. Er sieht die Bundesregierung in der Pflicht. Deutschland gehöre zwar zu den aktivsten Ländern in Bezug auf den Walschutz, müsse aber noch schärfer werden. Deshalb fordert er Handelsbeschränkungen mit Japan, solange dort Walfang betrieben wird. "Wenn Bundeskanzlerin Merkel wieder mit einer Wirtschaftsdelegation nach Japan reist, muss sie das auf der Agenda stehen haben."

Die Greenpeace-Umweltschützer hoffen nun auf das Jahr 2020. Dann findet die nächste Tagung der Walfangkommission statt. Ihr Ziel: Das Abschaffen von Artikel 8 des Walfang-Moratoriums. Der Artikel, der Walfang zu wissenschaftlichen Zwecken erlaubt.

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