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Kritik an Japans Ankündigung - Walfang ist "ein Sterben auf Raten"

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Japan will in Zukunft wieder kommerziell Wale jagen. WWF-Expertin Heike Vesper warnt vor drastischen Folgen für den Bestand. Und kritisiert besonders die Grausamkeit des Walfangs.

Trotz heftiger Kritik von Umweltschützern wird Japan künftig den kommerziellen Walfang wieder aufnehmen. Das Land verlässt nach rund 30 Jahren die Internationale Walfangkommission.

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heute.de: Frau Vesper, Japan will wieder kommerziell Wale jagen. Was bedeutet das?

Heike Vesper: Wir sind ehrlich gesagt ziemlich überrascht. Das kommt sehr kurzfristig - und auch zu einer denkbar blöden Zeit, in der Wale und Delfine unter einem besonders hohen Druck stehen.

heute.de: Inwiefern?

Vesper: Die Populationen erholen sich zwar langsam. Aber wir sind noch lange nicht auf dem Niveau, auf dem die Weltmeere vor dem Walfang waren. Außerdem nimmt die Fischerei weiter zu. Und da aus so einem Abkommen auszutreten, schwächt den Schutz der Wale.

heute.de: Wie drastisch?

Vesper: Das kommt jetzt darauf an, was Japan macht. Bei einem groß angelegten, kommerziellen Walfang, bei einer massiven Jagd, werden die Bestandszahlen zwangsläufig sinken. Wale sind nicht gemacht für den menschlichen Konsum. Die Reproduktionsrate ist einfach zu gering: Bereits wenige getötete Wale stellen da eine große Belastung für den gesamten Bestand dar.

Außerdem, und das wird oftmals vergessen: Viele Wale sterben durch Beifang in Fischernetzen, weil sie mit Schiffen kollidieren oder durch andere Gefahrenquellen. Da müssen wir ganz klar festhalten: Den Walen geht es nicht so gut, dass sie in irgendeiner Form gejagt werden könnten. Und ganz grundsätzlich muss man sich mal Gedanken darüber machen, ob die Menschen alles essen müssen, was es auf unserem Planeten so gibt. 

heute.de: Japan rechtfertigt die Entscheidung mit dem Verweis auf Traditionen.

Vesper: Das stimmt. Und natürlich ist das auch ein Einwand, den wir ernst nehmen. Wer sind wir, anderen Nationen vorzuschreiben, welche Traditionen gut sind und welche schlecht? Allerdings hat Japan erst sehr spät angefangen mit dem Walfang. Das ist etwas anderes als bei den Inuit auf Grönland oder im Norden Kanadas. Und auch die Dimension ist eine andere: Bereits der Walfang der letzten Jahre - zu angeblich wissenschaftlichen Zwecken - war ein Deckmantel für kommerziellen Walfang. Es ging immer nur darum, zu verkaufen und Geld mit den Walen zu verdienen. Obwohl der Konsum von Walen wirklich geringfügig ist - und die Tiere noch dazu schadstoffbelastet sind: Schwangere dürfen zum Beispiel gar kein Walfleisch essen.

heute.de: Der Walfang ist auch deshalb so umstritten, weil er als besonders grausam gilt. Warum ist das so?

Vesper: Die Wale werden regelrecht gehetzt. Das ist das eine. Und dann ist es aber auch ein sehr ungleicher Kampf. Die druckbetriebenen Harpunen, mit denen die Walfänger schießen, sind im Verhältnis zur Größe des Tieres sehr klein. Wenn ein Jäger im Wald beispielsweise ein Reh richtig trifft, stirbt es praktisch in der Sekunde, in der es getroffen wird. Einen Wal können sie dagegen höchstens schwer verletzen. Die Tiere schwimmen oft noch mehrere Kilometer, ehe sie verenden. Das ist ein langsamer, ein qualvoller Tod. Zumal die Tiere manchmal noch leben, wenn sie auf das Schiff gezogen und ausgeweidet werden. Das ist ein Sterben auf Raten - und der Grund, warum das so grausam ist.

heute.de: Wie wichtig sind Wale für das Ökosystem Ozean?

Vesper: Im Meer gilt noch viel stärker als an Land, dass alles mit allem zusammenhängt. Alle teilen sich den gleichen Lebensraum - das Wasser. Da Wale besonders weit wandern, zum Teil von antarktischen in arktische Gewässer und wieder zurück, spielen sie für das gesamte Ökosystem eine große Rolle - allein schon, weil sie an so vielen Orten Teil der Nahrungskette sind. Zwar wären Meere auch ohne Wale noch Meere. Aber das kann nicht das sein, was der Mensch wirklich will.

heute.de: Was muss Ihrer Meinung nach jetzt passieren?

Vesper: Wir erwarten auf jeden Fall, dass Japan sich weiter an die Vereinbarungen der internationalen Staatengemeinschaft zum Schutz der Wale hält. Egal, ob sie jetzt Mitglied bei der IWC sind oder nicht: Es gibt einfach Orte und Arten, die definitiv nicht bejagt werden dürfen. Dem hatte auch Japan zugestimmt. Auch wenn es schöner wäre, den Walfang grundsätzlich einzustellen.

Das Interview führte Alisa Keil.

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