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Emotional Support Animals - Wo Pferde ins Flugzeug dürfen und warum das Ärger macht

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Ein Blindenhund im Flugzeug - warum nicht! Aber Pferde, Schweine, Enten, Eichhörnchen oder gar Pfauen? Kommt vor. In den USA. Wie eine bestimmte Vorschrift für Ärger sorgt.

Hunde im Flugzeug - das mag ja noch angehen. Aber Pferde?
Hunde im Flugzeug - das mag ja noch angehen. Aber Pferde?
Quelle: AP

Wer Pferde fliegen sehen möchte, hat in den USA ganz gute Chancen. Also, nicht im Frachtflugzeug, sondern in der Kabine für die menschlichen Passagiere. Genau genommen geht es um Miniaturpferde, Schulterhöhe nach offizieller US-amerikanischer Definition in der Regel zwischen rund 61 und 86 Zentimetern, Gewicht zwischen 32 und 45 Kilogramm.

Ein ernster Hintergrund

Warum das aktuell erneut ein Thema ist? Das Verkehrsministerium der USA veröffentlichte vor wenigen Tagen Richtlinien, die bekräftigen, dass Hunde, Katzen und eben auch mal Miniaturpferde auf inneramerikanischen Flügen unter bestimmten Bedingungen von Airlines in der Kabine mitgenommen werden können. Und dass die Airlines das dulden müssen - und zwar ohne Geld dafür verlangen zu können.

Die Vorschrift hat einen ernsten Hintergrund, wird aber nach Überzeugung von Fluggesellschaften zunehmend missbraucht. Zugelassen sind sogenannte Service Animals, auf die Menschen mit körperlichen Behinderungen oder psychischen Erkrankungen angewiesen sind - also zum Beispiel Blindenhunde.

Auch speziell trainierte Miniaturpferde zählen nach einer Definition des Justizministeriums dazu, wobei sie viel seltener Verwendung finden als die auch in Deutschland weit verbreiteten Assistenzhunde. Sie kommen etwa bei Menschen zum Einsatz, die Hunde aus religiösen Gründen ablehnen oder gegen sie allergisch sind. Und auch in den USA sorgen sie, trotz offizieller Regelung, für immer mal wieder Aufsehen:

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Seit 2003 gibt's die Emotional Support Animals

Schon 2003 hat das Verkehrsministeriums definiert, dass Tiere auch dann zu den Service Animals gehören können, wenn sie nicht für eine besondere Aufgabe ausgebildet sind: sogenannte Emotional Support Animals. Sie sollen ihre Besitzer, die beispielsweise unter Angstattacken oder Depressionen leiden, durch ihre reine Anwesenheit emotional stützen. Voraussetzung ist die Bescheinigung eines Arztes oder Psychologen, dass der Betroffene aus psychologischen Gründen auf das Tier angewiesen ist.

Und eben bei diesen Emotional Support Animals wittern die Fluggesellschaften erheblichen Missbrauch. Sie hegen den Verdacht, dass manche Haustierhalter ihre Lieblinge schlicht umdeklarieren lassen. Der Dachverband Airlines for America, kurz A4A, beklagt, dass falsche Bescheinigungen im Internet erhältlich seien, und ist sich sicher, dass Passagiere die Regelung ausnutzen würden, um die Transportbedingungen der Fluggesellschaften zu umgehen. Danach kostet der normale Transport von Tieren nämlich natürlich Geld.

Während die Fluggesellschaften für Service Animals nichts berechnen dürfen, sieht es bei der regulären Mitnahme von Tieren anders aus: So fallen etwa bei der Fluggesellschaft United für Katzen, Hunde, Hasen oder Vögel in der Kabine 125 Dollar (110 Euro) pro Tier und Strecke an.

Geschätzt: In zwei Jahren mehr als verdoppelt

A4A schätzt, so berichten US-Medien, dass 2016 rund 481.000 Emotional Support Animals auf inneramerikanischen Flügen unterwegs gewesen seien; 2017 angeblich schon 751.000. Vor wenigen Tagen teilte der Verband nun mit, im vergangenen Jahr hätten mehr als eine Million Passagiere Tiere zur emotionalen Unterstützung mit in den Flieger genommen.

Welche Tierarten zu den Emotional Support Animals zählen, wurde 2003 nicht definiert - und das dürfte wohl der Grund für diese Entwicklung sein. Das Verkehrsministerium legte damals nur fest, dass "unübliche Service Animals", die ein Sicherheits- oder Gesundheitsrisiko darstellten, nicht transportiert werden müssen. "Schlangen und andere Reptilien, Frettchen, Nagetiere und Spinnen fallen sicherlich in diese Kategorie von Tieren", hieß es. Ansonsten müsse im Einzelfall entschieden werden - auch unter Berücksichtigung von Gewicht und Größe des Tieres.

Am häufigsten werden nach Angaben des Verkehrsministeriums Hunde oder Katzen zur "emotionalen Unterstützung" an Bord gebracht. Immer wieder machen aber skurrile Vorfälle mit Tieren Schlagzeilen, die man gemeinhin nicht mit auf Reisen nimmt: So brachte im vergangenen Oktober eine Reisende ein als Emotional Support Animal deklariertes Eichhörnchen in einen Flieger der Frontier Airlines, die ausdrücklich keine Nagetiere an Bord zulässt. Nachdem die Frau sich weigerte, das Flugzeug zu verlassen, mussten alle Passagiere aussteigen.

Eichhörnchen, Schwein, Ente, Pfau

Im Dezember 2014 durfte eine Frau ihr Emotional-Support-Schwein zwar mit an Bord eines US-Airways-Fluges nehmen. Nachdem das Tier sein Geschäft im Gang der Kabine verrichtete, mussten Schwein und Besitzerin den Flieger aber noch vor dem Start wieder verlassen, meldeten lokale Medien. Eine Ente namens Daniel Turducken Stinkerbutt durfte dagegen nach einem Bericht der "Washington Post" im Oktober 2016 in einer Maschine von American Airlines reisen. United wiederum verweigerte im Februar 2018 einem Pfau das Boarding, weil die Airline ihn für zu groß und zu schwer befand.

US-Fluggesellschaften begannen schließlich damit, die Bedingungen für die Mitnahme von Emotional Support Animals zu verschärfen. Sie forderten, diese Tiere gar nicht mehr als Service Animals anzuerkennen. Durchsetzen konnten sie sich damit nicht, wie die neuen Richtlinien zeigen: Die Tiere bleiben an Bord erlaubt. Und nicht nur werden Hunde, Katzen und Miniaturpferde nun ausdrücklich zugelassen. Auch dürfen Airlines nicht alle anderen Tierarten kategorisch ablehnen. Dafür wird ihnen unter anderem gestattet, Dokumente etwa zu Impfungen oder zum Verhalten des Tieres einzufordern.

Das Verkehrsministerium macht in den Richtlinien auch deutlich, dass bestimmte Hunderassen nicht generell ausgeschlossen werden dürfen. Das geht gegen die US-Fluggesellschaft Delta: Sie hatte im vergangenen Jahr erklärt, Pitbulls nicht mehr als Service Animals zuzulassen. Nach Delta-Angaben waren zuvor Mitarbeiter gebissen worden. Die Airline handelte sich mit dem Schritt wütende Proteste ein: Mehr als 240.000 Menschen unterzeichneten eine Online-Petition, in der gefordert wurde, das Pitbull-Verbot wieder aufzuheben.

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