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Warenhäuser unter Druck - Wären Karstadt und Kaufhof gemeinsam stark?

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Schwierige Zeiten für Warenhäuser: Ihr Anteil am Einzelhandelsumsatz geht immer weiter zurück. Wäre ein Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof die Rettung?

Karstadt hatte immer mal wieder versucht, Kaufhof zu übernehmen.
Karstadt würde gerne Kaufhof übernehmen.
Quelle: Martin Gerten/dpa

Dieses Mal steht Kaufhof unter besonderem Druck. Im Februar hatte dessen Eigentümerin, die nordamerikanische Hudson's Bay Company (HBC), zwar eine neuerliche Offerte des Karstadt-Eigners, des österreichischen Immobilienunternehmenrs René Benko und seiner Signa-Gruppe, abgelehnt. Man wolle die Kaufhof-Gruppe, die HBC erst im Oktober 2015 übernommen hatte, selbst in die Erfolgsspur bringen, lautete damals die Begründung. Doch inzwischen hat HBC eine neue Chefin, Helena Foulkes, und die möchte sich von Verlustbringern in Europa trennen, hieß es - wohl auch unter dem Druck von Aktionären wie "Land and Buildings", der das Management aufgefordert hatte, das Europageschäft abzustoßen.

Unternehmen unter Kostendruck

Kaufhof
Warenhäuser haben große Konkurrenz.

Unternehmen stehen unter erheblichem Erfolgs- und Kostendruck, meinen Handelsexperten, und das vor allem wegen des Online-Handels. Zusammen machen beide Warenhausketten zwischen vier und fünf Milliarden Euro Umsatz, das sind nur noch knapp drei Prozent des gesamten Einzelhandelsumsatzes in Deutschland. In den siebziger Jahren hatten Warenhäuser noch einen Anteil von 14 Prozent. Damals aber waren es auch noch mehr - Hertie und Horten waren große Konkurrenten von Karstadt und Kaufhof, wurden dann jedoch von diesen übernommen. Daneben betrieben auch die Versandhändler Quelle und Neckermann eigene Warenhäuser.

Seit einigen Jahren aber kämpfen auch die beiden verbliebenen Warenhäuser ums Überleben. Karstadt war 2009 mit der damaligen Konzernmutter Arcandor in die Insolvenz gefallen, wurde dann aber vom Milliardär Nicolas Berggruen gerettet. Der verkaufte das Unternehmen vier Jahre später an den österreichischen Immobilieninvestor René Benko. Der hatte zwar auch großes Interesse an den Immobilien, die er inzwischen weitgehend abgestoßen hat. Doch ihm liegt auch das Handelsgeschäft am Herzen: Er stellte einige fachkundige Manager ein, darunter den jetzigen Karstadt-Chef Stefan Fanderl, der früher im Vorstand von Rewe gearbeitet hatte.

Karstadt schreibt schwarze Zahlen

Fanderl schaffte es in den letzten Jahren mit einem harten Sanierungskurs, Karstadt wieder in die schwarzen Zahlen zu bringen. Die Belegschaft schrumpfte in den letzten vier Jahren um 3.800 auf 12.500 Mitarbeiter. Die Warenhauskette hat keine Schulden mehr, sie ist profitabel und verfügt über gut 250 Millionen Euro Liquidität. Ein Grund dafür war auch, dass die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di zugestimmt hatte, dass Karstadt bis 2021 nicht nach Tarif zahlen muss, die Mitarbeiter also deutlich weniger verdienen als die Konkurrenz. Die Personalkosten wurden so bis 2017 auf 377 Millionen Euro gedrückt, 136 Millionen weniger als 2014.

"Deutsche Manager mit der Kenntnis vom deutschen Markt nicht nur einzustellen, sondern auch freie Hand zu lassen, das war ein entscheidender Schritt", meint Thomas Roeb, Handelsexperte der Hochschule Bonn Rhein-Sieg. "Diese haben Karstadt mit einer Strategie des Schritt-für-Schritt statt des großen Sprungs ins Ungewisse wieder stabilisiert."

Weniger Mitarbeiter bei Kaufhof

Die amerikanischen Eigentümer des Kaufhof seien jedoch mit dem Anspruch angetreten, den deutschen Warenhauskonzern Kaufhof auf den Kopf zu stellen. "Damit sind schon andere gescheitert", erinnert Roeb: Die amerikanische Supermarktkette Wal Mart habe sich in Deutschland nicht durchsetzen können, auch der frühere Karstadt-Eigentümer Berggruen und sein aus Südafrika stammender britischer Deutschland-Chef Andrew Jennings hätten sich auf die deutschen Besonderheiten nicht ausreichend eingestellt und zunächst auch nicht deutsch gesprochen. 96 Warenhäuser betreibt HBC in Deutschland, die Zahl der Beschäftigten bei Kaufhof ist seit einem Jahr um gut 1.800 auf knapp 17.000 gesunken. Partnerschaften mit verschiedenen Firmen wie der Parfümerie-Kette Sephora oder etwa der Modefirma Topshop sollen wieder mehr Kunden in die Kaufhäuser bringen. Doch das scheint bisher nicht erfolgreich genug zu sein.

"Von den aktuell 180 Warenhaus-Standorten von Karstadt und Kaufhof können vielleicht langfristig noch 120 bestehen bleiben", sagt Joachim Stumpf, Geschäftsführer der BBE-Handelsberatung. 20 Standorte von Karstadt und Kaufhof lägen sich sogar unmittelbar gegenüber. "Wenn Warenhäuser geschlossen werden, dann bedeutet das ja nicht, dass an diesen Stellen, oft ja hervorragende Innenstadtlagen, nicht auch wieder gute Handelsstandorte entstehen", meint Stumpf. Die Mitarbeiter hätten an solchen Standorten dann wahrscheinlich sogar gute Chancen, schnell eine neue Stelle zu finden. Denn das ist eine der wesentlichen Forderungen von ver.di: Für die Arbeitnehmer seien der Erhalt der Standorte, Beschäftigungssicherung und Tarifbindung wichtig, sagte eine Sprecherin der Dienstleistungsgewerkschaft.

Kleiderfirmen und Möbelhäuser Konkurrenz

Doch die Warenhäuser seien nicht nur wegen ihres späten Einstiegs in den Online-Handel in Schwierigkeiten gekommen, meint Handelsexperte Stumpf. Sie hätten auch generell ein Problem: So konkurrieren sie mit modernen Shopping-Centern und den Herstellern selbst, die nur ein Label wie etwa Hugo Boss oder Tommy Hilfiger führten oder auch Möbelhäusern, die auch Produkte wie Haushaltswaren verkauften, die auch die Kaufhäuser mit im Angebot hätten.

Und schließlich müssten beide Warenhausketten erhebliche Investitionen in die Digitalisierung und die Modernisierung der Häuser stemmen. "Sie könnten große Synergieeffekte erzielen", glaubt Stumpf und zählt Bereiche auf wie Multi-Channeling, also den Verkauf stationär wie online, Marketing, Einkauf, den Aufbau von Eigenmarken und die Logistik. "Jetzt ist auch die Situation am Arbeitsmarkt günstig, das auch mit möglichst geringen Auswirkungen für die Mittarbeiter zu schaffen", glaubt Stumpf.

Karstadt könnte inzwischen vielleicht allein überleben. Doch über den Berg ist es noch nicht: Die Umsätze gehen weiter zurück - zwischen 2009, dem Jahr der Insolvenz, und 2017 von 3,5 auf nun 2,2 Milliarden Euro. Es dürfte also noch Jahre dauern, bis auch Karstadt endgültig gerettet ist. Die Idee, ein gemeinsames Unternehmen zu gründen, an dem dann auch beide an den hoffentlich erzielten Erfolgen teilhaben könnten, wäre wahrscheinlich eine bessere Zukunftsperspektive - für beide.

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