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Studie zu Firmenbeteiligungen - "Made in China 2025": Experten sehen Warnsignale

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Vor dem Besuch der Bundeskanzlerin in Peking hat die Bertelsmann-Stiftung chinesische Beteiligungen an deutschen Unternehmen untersucht. Sie hat Warnsignale ausgemacht.

Daimler ist mit der Kernmarke Mercedes-Benz in China erfolgreich.

Quelle: Kay Nietfeld/dpa

Während im Weißen Haus in Washington das Motto "America First" an erster Stelle steht, klingt die chinesische Strategie etwas differenzierter: "Made in China 2025", will heißen: Die Regierung in Peking verfolgt den Plan, in vielen Bereichen bis zum Jahr 2025 führend zu sein. Damit soll sich das Land von einer bloß produzierenden Werkbank zum Technologieführer der Welt mausern.

Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt, dass das Land bei diesem Ansinnen einigermaßen planmäßig vorzugehen scheint. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass etwa zwei Drittel dieser Beteiligungen in die zehn Schlüsselbranchen passen, die China in seiner Strategie für 2025 definiert hat", sagt die Autorin der Studie, Cora Jungbluth.

Zwischen Investition und Protektionismus

Dabei hat die ganze Geschichte aber, wie so oft, zwei Seiten. Zum einen nämlich können direkte Investitionen von potenten Firmen und Geldgebern aus China den Unternehmen hierzulande helfen. Denn meist verfolgen die Geldgeber langfristige Interessen. Damit kommen die in Rede stehenden Firmen also an Kapital, mit dem sie planen und das sie für Investitionen nutzen können.

Andererseits aber gibt es eine Schieflage, weil China seinerseits seine Schlüsseltechnologien schützt, sprich: Peking behindert in vielen Bereichen die ausländische Konkurrenz beim freien Marktzugang in das Land. Das Problem liegt also bei fehlender Gegenseitigkeit zwischen beiden Ländern. Das bedeutet laut Cora Jungbluth, dass "die potentielle staatliche Einflussnahme auf diese Firmenbeteiligungen zu unfairem Wettbewerb führen kann".

Investitionen in sehr sensiblen Bereichen

Wohlgemerkt: Kann, nicht muss. Das sieht auch der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, so. Er und sein Team diskutieren ebenfalls seit längerem, ob die chinesischen Investitionen möglicherweise sogar eine Gefahr für Deutschland darstellen. Eine eindeutige Antwort auf diese Frage möchte auch Krämer nicht geben. Aber Warnsignale gebe es bei dieser Frage schon. Denn er hat festgestellt, dass die chinesischen Firmen bei Ihren Beteiligungen häufig höhere Preise bezahlen, als aus rein wirtschaftlichen Erwägungen heraus nötig wäre. "Und es fällt zudem auf, dass die chinesischen Investitionen sich in sehr sensiblen Bereichen bewegen", beispielsweise der Infrastruktur für die Versorgung mit Elektrizität.

Der Studie der Bertelsmann-Stiftung zu Folge fallen zwei Drittel aller untersuchten chinesischen Unternehmensbeteiligungen in den Bereich der Schlüsseltechnologien, in denen China bis 2025 führend sein will.

Jungbluth und Krämer kommen wegen dieser Warnsignale zu dem gleichen Schluss: Sie fordern, die Schwelle für Prüfverfahren herunterzusetzen. Derzeit liegt diese Schwelle für Überprüfungen von ausländischen Direktinvestitionen bei 25 Prozent; sie solle auf zehn Prozent sinken. Denn mit dieser Schwelle haben ausländische Unternehmen bereits hohe Kontrollbefugnisse und Mitspracherechte in den Unternehmen.

Prominente Beispiele von Daimler bis Kuka

Es gibt viele prominente – und oft kontrovers diskutierte – Beispiele für Beteiligungen chinesischer Investoren an deutschen Firmen: So etwa der kürzlich überraschend gelungene Einstieg des chinesischen Autobauers Geely bei Daimler oder die Beteiligung des chinesischen Haushaltsgerätekonzerns Midea am Roboterbauer Kuka. Auch die Beteiligung des chinesischen HNA-Konzerns an der Deutschen Bank wird in diesem Zusammenhang gerne und mit Recht zitiert.

Die Beispiele sind auch deswegen bezeichnend, weil es sich hierbei eben oft um jene Bereiche handelt, die China zu Schlüsseltechnologien mit dem Ziel der Marktführerschaft auserkoren hat: Alternative oder elektrische Antriebstechniken für Autos gehören dazu, Robotik und künstliche Intelligenz oder auch Biomedizin. Für die aktuelle Studie hat die Bertelsmann-Stiftung 175 chinesische Firmenbeteiligungen in Deutschland untersucht, die zwischen den Jahren 2014 und 2017 ab einem Beteiligungswert von 10 Prozent geschlossen worden sind.

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