Sie sind hier:

Grenze USA - Mexiko - Wartelisten für Migranten werden immer länger

Datum:

Ihr Ziel: Die USA. Aber bis ein Fall geprüft wird, vergehen Monate. Währenddessen müssen die Betroffenen unter heiklen Bedingungen in Mexiko ausharren. Und es werden immer mehr.

Mexiko - Migranten in Tijuana
Die Lage in den mexikanischen Grenzstädten hat sich auch dadurch verschärft, dass die USA auch diejenigen, die bereits einen Asylantrag gestellt haben, zurückschicken.
Quelle: reuters

Jeden Morgen machen sich die Männer aus Kamerun auf den Weg. Entgegen aller Wahrscheinlichkeit hoffen sie, dass die mexikanischen Beamten sie durchwinken könnten. "Ich gehe hin, denn sollten sie aufmachen, bin ich drin", sagt Rashidou Hdzekasaah. Am anderen Ende des Übergangs liegt San Diego. Dort wollen der 35-Jährige und seine Landsleute einen Asylantrag stellen. Ihre Chancen schwinden jedoch zusehends.

Hdzekasaah gehört zur englischsprachigen Minderheit in Kamerun, die aktuell unter Übergriffen der französischsprachigen Zentralregierung leidet. Diese Bevölkerungsgruppe hat neben anderen dazu beigetragen, dass auf der offiziellen Warteliste für Migranten im mexikanischen Tijuana seit vergangenem Sonntag mehr als zehntausend Namen stehen - noch vor drei Monaten waren es nur halb so viele gewesen. Hdzekasaah ist seit zwei Monaten in der Stadt. Und für ihn dürfte sich das Warten noch etwas hinziehen. Denn der Liste nach sind mehr als 6.000 andere Migranten vor ihm an der Reihe.

Monate der Ungewissheit

Die Lage in den mexikanischen Grenzstädten hat sich zuletzt auch dadurch verschärft, dass die USA sogar diejenigen, die bereits einen Asylantrag gestellt haben, zunächst einmal zurückschicken. Bis zu den ersten Anhörungen verbringen die Betroffenen dann oft mehrere weitere Monate in Ungewissheit. Laut Zahlen der US-Regierung sowie Recherchen der Nachrichtenagentur AP ist davon auszugehen, dass es insgesamt mindestens 50.000 Menschen sind, die unter zum Teil sehr kritischen Verhältnissen ausharren.

Nicht nur für die Asylsuchenden ist das Warten eine Geduldsprobe - auch für die Bewohner der Grenzstädte. Im Juli blockierten mehr als hundert Kameruner eine Straße, um mehr Transparenz bezüglich der offiziellen Listen zu fordern. Kurz zuvor hatten die US-Behörden mehrere Tage lang gar keine Anträge angenommen. Wer in diesen Tagen in Tijuana aufgerufen wird, hat in der Regel etwa dreieinhalb Monate gewartet. Wer in diesen Tagen in der Stadt ankommt, muss sich auf eine noch deutlich längere Zeit einstellen.

Von Seiten der US-Regierung dürfte dies so gewollt sein. Nachdem Präsident Donald Trump im Juni mit neuen Zöllen gedroht hatte, erklärte sich Mexiko relativ schnell bereit, in noch größerem Umfang als eine Art Warteraum für Asylsuchende zu dienen. Wie Mark Morgan, amtierender Leiter der US-Grenzschutzbehörde CBP (Customs and Border Protection), am Donnerstag mitteilte, sind seit Einführung der Regelung im Januar mehr als 30.000 Personen nach gestelltem Asylantrag wieder zurückgeschickt worden. Bereits im vergangenen Jahr hatte die US-Regierung die Zahl der pro Tag akzeptierten Anträge stark begrenzt.

Immer mehr Menschen warten an der Grenze

Der 45-jährige William Mendoza ist gemeinsam mit seinem 17-jährigen Sohn aus dem westlichen Guatemala geflüchtet. Er war davon ausgegangen, dass sie nach Überqueren der Grenze innerhalb der USA auf freien Fuß gesetzt werden würden, bis über ihre Anträge entschieden sei. Trotz der jüngsten Verschärfungen war dies zumindest bei Familien bis zuletzt oft der Fall - zum einen, weil es nicht genügend Unterbringungsmöglichkeiten für Familien gibt und zum anderen, weil ein US-Gericht entschieden hat, dass Minderjährige höchstens 20 Tage festgehalten werden dürfen.

Doch für Mendoza kam es anders. Drei Tage nach der illegalen Einreise nach Texas über den Rio Grande hieß es, dass er und sein Sohn wegen der begrenzten Kapazitäten vor Ort nach San Diego geflogen werden würden. Nach der Landung in Kalifornien informierten die US-Behörden die etwa 130 Passagiere, dass sie bis zu ihren gerichtlichen Anhörungen in Mexiko zu warten hätten. Der 45-jährige Guatemalteke wurde aufgefordert, sich am 13. September am Grenzübergang zu melden. Zu dem Zeitpunkt waren es noch zwei Monate bis zu dem angesetzten Termin. "Die Nachricht hat alle schwer getroffen - Frauen, Männer und Kinder", sagt er.

Immer mehr Flüchtlinge kommen aus Kamerun

Flüchtlinge warten an US-Südgrenze auf Weiterreise in die USA.
Flüchtlinge warten an US-Südgrenze auf Weiterreise in die USA.

Dass die Zahl der Wartenden gerade in Tijuana zuletzt so stark gestiegen ist, hat aber eben auch viel mit den aus Kamerun ankommenden Flüchtlingen zu tun. Viele von ihnen berichten, wie in ihrer Heimat die Soldaten der Regierung ganze Dörfer niedergebrannt, wahllos um sich geschossen und mutmaßliche Widerständler gefoltert hätten.

Viele Flüchtlinge harren mit mehreren Personen in kleinen Wohnungen aus.
Viele Flüchtlinge harren mit mehreren Personen in kleinen Wohnungen aus.

Auch der 33-jährige Beltran Ngi kommt in Tijuana jeden Morgen an den Grenzübergang. Obwohl noch mehr als 8.000 Personen vor ihm auf der Liste stehen, hört er gebannt zu, wenn jeweils ab etwa 8.00 Uhr per Megafon die Namen derer ausgerufen werden, die an der Reihe sind. Misstrauisch beobachtet er, wie einige Migranten auch ohne Namensaufruf zu einem Bus der mexikanischen Grenzschutzbehörden geführt werden. Als Ngi nach Tijuana kam, lebte er zunächst mit sieben anderen Personen in einer Zwei-Zimmer-Wohnung. Als er sich seinen Anteil an der Miete von umgerechnet etwa 45 Euro nicht mehr leisten konnte, wechselte er in eine Notunterkunft, in der Schlafplatz und Verpflegung kostenlos sind. Sein Transitvisum für Mexiko ist bereits abgelaufen. Trotzdem hofft er, zur Überbrückung der Wartezeit, mit seinen Englischkenntnissen einen Job in einem Call-Center zu finden.

In Kamerun war Ngi nach eigenen Angaben fünf Tage lang mit 40 anderen Gefangenen in einer Zelle mit nur einem einzigen Eimer als Toilette eingesperrt. Zuvor hätten Soldaten seinen Vater geschlagen und dessen Haus in Brand gesetzt, sagt er. Für die Flucht wählte er eine Route, die bei Kamerunern beliebt ist: Zunächst flog er nach Ecuador, das Bürger des afrikanischen Landes ohne Weiteres einreisen lässt; von dort ging es durch acht Länder bis an die US-Grenze. Während eines elftägigen Fußmarsches durch Panama habe er an Hunger gelitten, berichtet Ngi. Aber da habe er sich gesagt: "Es ist besser, im Dschungel zu sterben, als von Kugeln getötet zu werden."

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um Ihnen ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier können Sie mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.