Sie sind hier:

Kriegsverbrechen - Den Haag: Warten auf das Mladic-Urteil

Datum:

Das UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen in Ex-Jugoslawien urteilt über Ratko Mladic. Das Urteil fällt 22 Jahre nach dem Srebrenica-Massaker, für das er als verantwortlich gilt.

Angeklagt wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit: Der bosnische Serbenführer Ratko Mladić soll für das Massaker von Srebrenica verantwortlich sein, bei dem mehr als 8000 Menschen starben.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Ratko Mladic, ehemaliger Armeechef der bosnischen Serben, wird für die blutigsten und grausamsten Episoden des Bosnienkrieges von 1992 - 1995 verantwortlich gemacht.

Srebrenica - das kaum vorstellbare Grauen

Suhra Malic, 81 Jahre alt, ist eine der Mütter von Srebrenica.  Das Gehen fällt ihr mittlerweile schwer, wir sitzen in ihrem Wohnzimmer in Potocari, einem kleinen Ort in der Gemeinde von Srebrenica. Außen am Haus sind immer noch die Einschusslöcher von damals zu sehen. Zwei ihrer Söhne wurden im Juli 1995 umgebracht, als sie versuchten, Potocari durch die Wälder zu verlassen.

22 Jahre ist das jetzt her, damals wurde das Leben von tausenden Menschen ausgelöscht, das ihrer Angehörigen in diesem Sommer für immer zerstört. 8.000 Männer, Heranwachsende und Jungen wurden regelrecht abgeschlachtet. Wenn man weiter mit Frau Malic über ihre Familie redet, wird das Grauen, das diese Frau erleben musste, noch deutlicher. Ihr Mann und seine drei Brüder, fünf Neffen - sie alle wurden umgebracht, ihre Schwester wurde in ihrem Haus verbrannt. Ihr blieb nur ihre Tochter, die heute in Schweden lebt. Sie konnte nicht an dem Ort bleiben, wo ihre gesamte männliche Verwandtschaft gewaltsam ums Leben kam. Ein Neffe ist der Einzige, der dort geblieben ist, er kümmert sich heute um Suhra Malic.

Ein Urteil wird keine Erleichterung bringen

"Wenn dieser Mladic, dieses Ungeheuer, ein mildes Urteil bekommt und nicht lebenslang im Gefängnis bleibt, dann sollten wir Mütter eigentlich nach Den Haag fahren und dieses Gericht niederreißen. Eigentlich sollte Mladic hierher gebracht werden zu der Gedenkstätte in Srebrenica, und er sollte das einmal mit seinen eigenen Augen sehen, das Feld mit den weißen Grabsteinen von Vätern, Söhnen, Männern aufgereiht, einer nach dem anderen ... das ist kaum auszuhalten."

Suhra Malic ist eine von vielen Frauen, die sich zu den "Müttern von Srebrenica" zusammengeschlossen haben, sie kämpfen seit 22 Jahren darum, dass die Täter des Massakers zur Rechenschaft gezogen werden. Und heute ist nun der Tag, der zwar keine Erleichterung bringen wird, aber vielleicht ein bisschen Genugtuung. Denn heute wird das letzte Urteil gesprochen in Den Haag, über Ratko Mladic.

Mit Hilfe 16 Jahre lang versteckt

16 Jahre lang konnte sich Mladic vor seinen Richtern verstecken, teilweise mit aktiver Hilfe Serbiens unter Slobodan Milosevic. Mladic konnte sich damit länger als jeder andere der 161 Angeklagten dem Zugriff des Haager Tribunals entziehen. Ihn erwartet am Mittwoch als letzter Beschuldigter des 1993 gegründeten Gerichtes ein Urteil. Anklagepunkte unter anderem: Militärischer Befehlshaber über das Massaker von Srebrenica mit über 8.000 Toten, die Belagerung von Sarajevo und viele andere Verbrechen.

In Bunkern in Ostbosnien versteckt, wie in einem James-Bond-Film mit konzentrierten Ringen aus Leibwächtern mit bis zu 100 Mann - die Flucht von Mladic hatte etwas Bizarres. Vor Osama bin Laden waren Radovan Karadzic und er die meistgesuchtesten Männer der Welt. Dennoch wussten viele in Serbien und im serbischen Teil Bosniens über seinen Aufenthaltsort Bescheid. Teilweise lebte er sogar noch in der Hauptstadt Belgrad und zeigte sich sogar bei Fußballspielen.

Tiraden statt Reue

Erst als Milosevic längst in Den Haag ist und der internationale Druck auf Serbien so groß wird, hat die jahrelange Flucht ein Ende. Im Mai 2011 wird er in einem Dorf unweit der serbischen Grenze zu Rumänien aufgespürt und verhaftet. Er ist verwahrlost, ein Wrack und körperlich am Ende.  Der heute 74-jährige soll während der Jahre auf der Flucht drei Schlaganfälle erlitten haben.

Im Laufe des Prozesses sorgte er in Den Haag immer wieder für Eklats, teilweise musste er sogar aus dem Sitzungssaal entfernt werden, weil er nationalistische Schimpftiraden von sich gab. Ein Zeichen der Reue für die Massaker von Srebrenica zeigte er nie.

Für Surah Malic wird der Tag heute keine Veränderung bringen - jeden Tag wird sie an die Gräueltaten erinnert: "Als ich noch laufen konnte, bin ich jeden Grabstein auf der Gedenkstätte abgelaufen, bis ich meine Söhne gefunden habe. Seitdem ich weiß wo sie liegen, war ich nie wieder dort." Aber vielleicht empfindet sie ein bisschen Genugtuung, wenn sie ein Urteil hören sollte, das bedeutet, dass Ratko Mladic das Gefängnis höchstwahrscheinlich nie wieder verlassen wird.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.