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So schlimm ist es nicht - Warum es beim Arzt manchmal länger dauert

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Wartezimmer - das klingt nach Langeweile. Wenn man sich krank fühlt, nervt das Zeitabsitzen. Und angeblich kommen Privatpatienten schneller dran. Jammern wir da auf hohem Niveau?

Patientin sitzt in einem Wartezimmer
Patientin sitzt in einem Wartezimmer.
Quelle: dapd

Wenn ein Raum schon klingt wie Langweile pur: Wartezimmer. Und die Ablenkung in Boulevardblättern taugt nur bedingt: C-Promis können gar nicht genug erleben, Ex-Sportler und Musiker sich nicht oft genug verlieben und wieder trennen. Und häufig ist es nicht einmal leicht, überhaupt einen zeitnahen Arzttermin zu kriegen. Doch klagen Patienten zurecht übers viele Warten?

Wartezeiten in Deutschland eigentlich kurz

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) machte jüngst Furore, als er Ärzten mehr Geld für Sprechstunden ohne Terminvergabe versprach. Mediziner und Krankenkassen lehnten das prompt ab. Experten sprechen von einer Phantomdebatte. So zählten die Wartezeiten in Deutschland im internationalen Vergleich zu den kürzesten, heißt es.

In einem Papier für das Wissenschaftliche Institut der Privaten Krankenversicherung (WIP) schreibt die Sozialwissenschaftlerin Verena Finkenstädt, Wartezeiten seien im Gesundheitswesen unvermeidbar. So seien etwa Notfälle nicht planbar und führten zu Wartezeiten für Patienten mit festem Termin. Allgemein gelte: "Je weniger Ärzte es gibt, desto mehr Patienten entfallen auf den einzelnen Arzt und desto länger ist die Wartezeit auf einen Termin."

Warten auf den Termin

Zudem gingen Patienten heute häufiger zum Arzt anstatt abzuwarten oder Hausmittel zu nehmen und kämen auch öfter mit Bagatellerkrankungen in Notaufnahmen. Das hat Folgen: Laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) gaben bei einer Befragung im vergangenen Jahr nur noch 27 Prozent der Versicherten an, im Vorjahr ohne einen Tag Wartezeit einen Termin bekommen zu haben. In den Umfragen bis 2008 lag der Anteil stets bei mindestens 30 Prozent. Deutlich häufiger als früher gebe es auch Wartezeiten von mehr als drei Wochen.

Mehr Ergebnisse der KBV-Befragung

WIP-Projektleiterin Finkenstädt schaute, ob sich Wartezeiten für gesetzlich Versicherte verkürzen würden, wenn es keine privat Versicherten gäbe. Ihr Fazit: Die Wartezeit auf einen Facharzttermin würde sich um nicht einmal einen Tag verkürzen, die Wartezeit auf einen Hausarzttermin um 0,1 Tage. In der Praxis würde sich die Wartezeit um 1,1 Minute beim Hausarzt und weniger als eine Minute beim Facharzt verringern, berichtet die Sozialwissenschaftlerin, die für die Private Krankenversicherung arbeitet.

Privatpatienten sind lukrativer

Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, sagt: "Studien sind das eine, die alltäglichen Erfahrungen vieler Patienten zeigen etwas anderes." Manche gesetzlich Versicherte müssten monatelang auf einen Termin warten. "Auch, weil Privatpatienten für den Arzt schlicht lukrativer sind."

Besonders schwierig sei die Situation für Alte und Pflegebedürftige. "Deshalb ist wichtig, dass die Terminservicestellen ausgeweitet werden, Ärzte mehr Sprechstunden anbieten und Hausbesuche machen sollen."

"Warten lassen ist ein Machtmittel"

Warum Warten nervt, beschreibt Mathematik-Professor Christian Hesse im Buch "Leben²": "Warten lassen ist ein Machtmittel. Wer uns warten lassen kann, hat die Oberhand. Er ist der Herr über unsere Zeit." 374 Tage unseres Lebens verbrächten wir mit Warten. "Öfter noch als Homo sapiens sind wir Homo expectans, der wartende Mensch."

Laut Finkenstädt überschätzen Patienten oft die Wartezeit. Auch die KBV-Befragung ergab: "Lediglich jedem zehnten Befragten hat es bei seinem letzten Arztbesuch zu lange gedauert, bis dafür ein Termin zu bekommen war."

Mehr Service und Transparenz gefordert

Doch Unzufriedenheit wächst auch dann, wenn Patienten lange in der Praxis warten müssen. "Ab 30 Minuten werden sie ungehalten", sagt Pflegeexperte German Quernheim, der Kliniken berät und das Buch "Warten, aber richtig!" geschrieben hat. "Warten ist immer der Punkt neben Unfreundlichkeit und fehlenden Informationen, der die Unzufriedenheit von Patienten ansteigen lässt." Ein Patient werde mit "Einen Moment noch" ins Wartezimmer geschickt. "Dann ist es aber kein Moment, denn ein solcher beträgt maximal 90 Sekunden."

Wichtig sei etwa in der Klinik-Notaufnahme zu wissen: "Nicht wer zuerst kommt, mahlt zuerst, sondern wer schlimmer dran ist." Das müssten Krankenhäuser und Praxen klarmachen - am besten mehrsprachig. Es gehe um Transparenz: "Wenn der Patient den Grund gut nachvollziehen kann, hat er eher Verständnis", sagt Quernheim. Besser sei, offen zu sagen, wenn es länger dauert. Und Patienten zum Beispiel anzubieten, dass sie in die Stadt gehen können und angerufen werden, wenn sie an der Reihe sind. Oder im Wartezimmer für Ablenkung zu sorgen, etwa durch Lektüre oder WLAN. Quernheim: "Wenn ich mich auf etwas anderes fokussiere, dann ist das Warten nicht mehr so drückend."

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