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Reform der Emissions-Zertifikate - Warum der CO2-Handel nicht funktioniert hat

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Unternehmen, die viel CO2 ausstoßen, müssen zahlen. Wer wenig ausstößt, wird belohnt. Eine gute Idee, die aber bis jetzt an einem entscheidenden Geburtsfehler gescheitert ist.

Brennendes CO2-Schild  vor Kohlekraftwerk
Demonstration vor der Baustelle eines Kohlekraftwerkes Quelle: dpa

Seit 2005 gibt es in der Europäischen Union einen munteren Handel mit Emissionszertifikaten. Dabei geht es weder um Waren noch um Aktien. Ein Zertifikat ist nichts anderes als die Berechtigung, eine Tonne Kohlendioxid oder ähnliche Schadstoffen auszustoßen. Das bedeutet also: Wird ein Unternehmen klimafreundlicher, kann es Zertifikate verkaufen. Wird es das nicht – etwa, weil es die Produktion hochfährt – muss es welche dazukaufen.

Zertifikate zu Dumpingpreisen

Eigentlich logisch, dass Unternehmen unter diesen Bedingungen gerne in neue umweltschonende Technologien investieren. Denn dann brauchen sie weniger Zertifikate, können mit den überzähligen sogar Geld verdienen und tun nebenbei auch noch Gutes für das Klima. Soweit die Idee. In der Praxis funktioniert das aber nur dann, wenn die Investitionen nicht teurer sind als die Zertifikate.

Und genau das ist im Moment der Fall. Es gibt nämlich schlicht zu viele Emissionszertifikate auf dem Markt, ein Überangebot. Sie werden deshalb zu regelrechten Dumpingpreisen gehandelt. Die Emission von einer Tonne Kohlendioxid, was einem Zertifikat entspricht, war zeitweise für nur rund fünf Euro zu haben. Im Moment sind es acht, 2005 waren es noch 30 Euro. Das führt dazu, dass zu wenige Unternehmen einen Nutzen darin sehen, Geld in klimafreundliche Technik zu stecken.

Pro Jahr rund zwei Milliarden Zertifikate

Soweit hätte es eigentlich gar nicht kommen dürfen. Denn die Menge der Emissionszertifikate ist gedeckelt. Es gibt nicht beliebig viele davon. Ihre Zahl ist seit Beginn des Handels von der EU festgeschrieben. Die Zertifikate werden über die Mitgliedstaaten an die Unternehmen nach festen Regeln vergeben – entweder "kostenlos" oder über eine Versteigerung. Pro Jahr sind das europaweit rund zwei Milliarden Emissionszertifikate.

Aus dem dann einsetzenden Handel zwischen den Unternehmen halten sich Politik und Behörden heraus. Gekauft und verkauft wird an nationalen und internationalen Börsen, über Makler und manchmal auch direkt zwischen den Unternehmen. Echte "Papiere" sind die Emissionszertifikate dabei natürlich nicht. Sie existieren lediglich in elektronischer Form und "lagern" in der Regel auf speziellen Konten.

Ein ausgeklügeltes System, das allerdings nur zu weniger CO2-Emissionen führen kann, wenn die Zahl der Zertifikate so knapp ist, dass sie den tatsächlichen Ausstoß gar nicht vollständig abdeckt. Denn nur dann sind die Unternehmen gezwungen zu reduzieren. Und nur dann sind die Zertifikate teuer genug, um Anreiz für umweltfreundliche Investitionen zu sein.

Reform ab 2021

Funktioniert hat das in den letzten Jahren nicht. Über die Gründe wird viel gerätselt. Auf  Druck der einzelnen Länder wurden wohl schon von Anfang an zu viele Zertifikate ausgebeben. Eine Verschärfung sehen Fachleute in der Wirtschaftskrise von 2008: Damals kamen weit mehr auf den Markt, als von der schwächelnden Industrie gebraucht wurde. Ein anderer Grund: Für Unternehmen gibt es die Möglichkeit, mit Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungs- und Schwellenländern Extra-Zertifikate zu bekommen – was offenbar munter genutzt wird. Dazu kommt, dass der Preis für Öl und Gas noch immer sehr niedrig ist. Fazit: Es gibt zu viele Zertifikate für zu wenig Geld.

Die EU will das System ab 2021 deshalb reformieren und dabei Jahr für Jahr deutlich mehr Zertifikate aus dem Markt nehmen als bisher. Schon länger fordern Umweltschützer einen "dynamischen Faktor", also eine fest kalkulierbare allmähliche Reduzierung der Zertifikate. Dies würde den Druck erhöhen und auch die Suche nach klimafreundlichen Technologien vorantreiben. Wenn die Rechnung aufgeht, könnte der Preis für die Zertifikate bald wieder steigen und der Emissionshandel zu dem werden, was er sein könnte: ein effizientes Klimaschutzprojekt, das für die Volkswirtschaft so billig ist wie kaum ein anderes.

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