ZDFheute

Das Offensichtliche, nicht beweisbar

Sie sind hier:

Bielefeld-Verschwörung - Das Offensichtliche, nicht beweisbar

Datum:

Eine Million Euro für den, der beweisen kann, dass es Bielefeld nicht gibt: Mehr als 2.000 haben es versucht. Geschafft hat es keiner. Hier einige Ideen, die ganz nah dran waren.

Unsere Welt ist bekanntlich voll von aberwitzigen Verschwörungstheorien - von Chemtrails über Außerirdische in der Area 51 bis zu der Behauptung, US-Geheimdienste hätten die Türme des World Trade Centers gesprengt. Alles Quatsch - bis auf eine einzige Theorie: Bielefeld gibt es nicht. Wie schwierig (oder geradezu unmöglich?) es sein kann, auch das Offensichtliche zu beweisen, hat nun ein Wettbewerb gezeigt, der (da muss man erst mal drauf kommen!) vom Stadtmarketing Bielefeld ausgeschrieben worden war. Leider, so das Urteil zwischengeschalteter Experten, konnte keine der eingereichten Theorien schlüssig die Nicht-Existenz Bielefelds beweisen. Die ausgelobte Million bleibt also - ja wo eigentlich? Bielefeld kann es ja kaum sein. Egal: Werfen wir einen kleinen Blick auf einige dieser Argumentationen - und ihre Widerlegung.

Mathematischer Versuch I

Der Einsender Maurice Béringuier versucht sich an einem logischen Beweis und bedient sich der Mathematik. Über den Ansatz "Sei P die Aussage 'Bielefeld existiert'. Dann existiert Bielefeld genau dann, wenn P wahr ist, also: P ↔ Bielefeld existiert. Umgekehrt gilt: ̚ P ↔ Bielefeld existiert nicht." Ferner arbeitet er mit der Aussage Q "Ein Beweis dafür, dass Bielefeld nicht existiert, wurde erbracht" sowie der Aussage M "Das Preisgeld von einer Million Euro wird für einen erbrachten Beweis für die Nicht-Existenz Bielefelds ausgezahlt."

Über ein Ausschlussverfahren gelangt Béringuier schließlich zu dem Ergebnis, dass zwei Aussagen stimmen: "1. Es wurde kein Preisgeld ausgezahlt, der Beweis wurde nicht erbracht, Bielefeld existiert nicht. 2. Es wurde kein Preisgeld ausgezahlt, der Beweis wurde erbracht, Bielefeld existiert. Beide möglichen Szenarien besagen nun, dass P nicht wahr ist, also ̚ P → Bielefeld existiert nicht.

Der hinzugezogene Experte bemängelt an diesem Ansatz vor allem einen Fehler: "Herr Béringuier behauptet hier, dass auch die Aussage a) 'Wenn das Preisgeld nicht ausgezahlt wird, dann existiert Bielefeld nicht', gelten würde. Herr Béringuier gibt keinerlei Begründung für diese Implikation, und sie folgt nicht aus den drei oben genannten Implikationen." Trotz der Ablehnung des Beweisversuchs gibt es aber auch Lob: "Herr Béringuier hat in der Tat bewiesen, dass das Preisgeld nicht ausgezahlt werden wird, egal, ob Bielefeld existiert oder nicht." Der Nächste bitte!

Die fehlende Stadtgründungsurkunde

Christian Diers wiederum baut seinen Versuch folgendermaßen auf: "Die Stadt Bielefeld existiert nicht und hat niemals existiert, weil es keine Stadtgründungsurkunde gibt, welche die tatsächliche Gründung 'einer Stadt im Bielefelde' durch Graf Hermann von Ravensberg im Jahr 1214 und somit die offizielle Existenz der Stadt Bielefeld belegen könnte." Zwar gebe es in aktuellen und historischen Dokumenten "vereinzelte Andeutungen, vage Vermutungen und willkürlich ausgewählte Verweise" zur "Stadt im Bielefelde", die sich wahlweise auf die Namen "Bilifeld", "Bilihusen", "Bilihuserfeld" oder "Bilserfeld" bezögen, "aber keine eindeutig erkennbare Stadtgründung als Verwaltungsakt". Diers geht bei seiner Argumentation sogar noch weiter und zieht einen erschütternden Schluss: "Ausgehend von der bisher als einmalig geltenden Bielefeld-Verschwörung, müssen wir zukünftig auch die Gültigkeit aller anderen urkundlich nicht eindeutig belegbaren Städtegründungen seit Anbeginn der Menschheit in Frage stellen."

So weit will der hinzugezogene Experte Jochen Rath, Stadtoberarchivrat vom Stadtarchiv (da ist es wieder!) Bielefeld jedoch nicht gehen. Im Gegenteil: Rath stimmt zu, dass es keine Stadtgründungsurkunde aus dem Jahr 1214 gebe - was für diese Zeit aber nicht unüblich sei. Allerdings: "Für die Jahre 1287 bis 1798 sind im Stadtarchiv Bielefeld Urkunden überliefert, in denen die Landesherren, die jeweils die Regentschaft in der Grafschaft Ravensberg inklusive Bielefelds antraten, für die Stadt Bielefeld Privilegien erteilten/bestätigten - dabei wird die Stadteigenschaft und/oder Existenz von (Stadt)Bürgern, die es nur in Städten gab, jeweils ausdrücklich benannt." Okay, nächster Versuch.

Mathematischer Versuch II

Kurz und knackig macht es Mirko Gutjahr mit folgender Lösung: "Es gelte Bielefeld = B. Bekannt ist, dass das Universum (U) unendlich groß ist, also U = ∞. Bielefeld (wir gehen spaßeshalber davon aus, dass es existieren würde), ist angeblich derart definiert, dass es Teil des materiellen Anteil (M) des Universums ist, also gilt B ∈ M. Bielefeld ist aber nur ein ganz kleiner Teil des materiellen Universums. Während das Universum (U) selbst unendlich groß ist, ist die Materie (M) selbst nur in einem endlich großen Umfang vorhanden. Daraus folgert: U – M = U. Im Vergleich zu U ist also M als Wert völlig vernachlässigbar. M lässt sich also aus der Gleichung herauskürzen. Daraus folgt: M ≈ 0. Da aber B ∈ M = 0 ergibt sich in der Schlussfolgerung: B = 0. Der Wert für Bielefeld ist also Null. Damit ist bewiesen: Bielefeld ist nicht existent."

Das liest sich natürlich erst einmal schlüssig, das Gutachten jedoch findet tatsächlich ein Haar in der Suppe: "Die gesamte Argumentation basiert auf der Aussage, dass bekannt sei, dass das Universum unendlich groß sei. Dies ist eine Behauptung, die nicht als korrekt akzeptiert werden kann, da es bis heute keine Antwort auf die Frage nach der Größe des Universums gibt. Bekannt sind nur endliche untere Schranken für die Größe. Auch wenn diese sehr, sehr groß sind, beweist dies nicht, dass das Universum unendlich groß ist." Und weiter heißt es: "Aber selbst wenn wir die Behauptung, dass das Universum unendlich groß sei, akzeptieren, krankt die weitere Argumentation an Unklarheiten und der falschen Folgerung, dass etwas, das sehr klein ist (hier Bielefeld bzw. die sichtbare Materie), nicht existieren kann." Ja, da ist was dran. Andere Ideen? Aber sicher doch:

Namensvariationen

Sowohl Valentin Becher als auch Dennis Jorzick tauchen ebenfalls tief in die Geschichte ein und leiten aus den Ergebnissen ihrer Nachforschungen ab, dass es Bielefeld nicht geben kann. Sogar auf der Bielefeld-Homepage heiße es, so Jorzick: "Bielefeld ('Biliuelde') wurde im Jahr 1214 vom Graf Hermann von Ravensberg gegründet." Biliuelde - nicht Bielefeld also! Ebenso sei noch ein anderer Name aus dem 9. Jahrhundert im Umlauf: Bylanuelde. Klingt auch anders, oder? Becher hingegen hat auf alten Karten der "Graffschafft Lippe" entdeckt, dass dort "eindeutig kein Bielefeld zu finden ist. An genau dieser Stelle befindet sich nur ein völlig unbekannter Ort namens 'Bielfeld'."

Auch diese beiden Argumentationen stoßen beim Stadtoberarchivrat Jochen Rath auf Ablehnung. "Die urkundlichen Erwähnungen Bielefelds als Ort/Stadt und in Schreibvarianten werden durch die parallele Nennung anderer Landschaften (insbes. Grafschaft Ravensberg), Orte in der Umgebung, Persönlichkeiten (insbes. Grafen/Gräfinnen von Ravensberg) und Personen in den jeweiligen Quellen kontextualisiert, so dass sich stets eine eindeutige oder spätestens seit 1214 naheliegende Zuordnung zu Bielefeld ergibt." Und weiter: "Ausdrückliche amtliche Erwähnungen 'Bielefelds' als Stadt folgten spätestens 1878, als Bielefeld aus dem Kreis Bielefeld ausgegliedert und als kreisfreie Stadt einen 'besonderen Stadtkreis' bildete."

Gut, das nehmen wir so hin und lehnen uns lächelnd zurück in der Gewissheit: Bielefeld gibt es nicht. Es ist nur verdammt schwer das zu beweisen.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.