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Altersvorsorge - Warum Frauen sich ums Geld kümmern sollten

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Mit finanzieller Vorsorge beschäftigen sich viele Frauen nicht gerne - oft aus Unsicherheit. Dabei haben sie einen Vorteil: Sie neigen weniger zur Selbstüberschätzung.

Frau mit Geldscheinen
Frau mit Geldscheinen
Quelle: Imago

"Ich habe mich um das Thema Geldanlage nicht gekümmert, und es wird mich im Rentenalter böse erwischen", sagt eine 60-Jährige. Sie werde wohl Pfandflaschen sammeln müssen, meint eine andere resigniert, weil die gesetzliche Rente nicht reichen werde. So wie diesen Frauen geht es vielen.

Frauen verdienen weniger. Sie haben wegen der Familie zurückgesteckt, sich um die Kindererziehung gekümmert und mehr in Teilzeit gearbeitet als ihre Männer. Auch sind Frauen stärker von Altersarmut betroffen. Einer OECD-Studie zufolge ist in Deutschland die Rente der über 65-Jährigen heute im Schnitt um 46 Prozent niedriger als bei Männern. Das ist ein vergleichweise hoher Unterschied: In den Niederlanden sind es 42 Prozent, in Österreich 39, in Frankreich 33, im OECD-Schnitt gar 25 Prozent.

Meist kümmern sich die Väter

Natascha Wegelin schreibt in "Madame Moneypenny", ihrem Finanzblog für Frauen: Hochrechnungen zufolge werde bei bis zu 75 Prozent der heute 35- bis 50-jährigen Frauen die gesetzliche Rente unter dem jetzigen Hartz-IV-Niveau liegen. Ein Grund auch: Frauen leben länger. Die Lebenserwartung für 2009 geborene Mädchen liegt bei 90,7 Jahren, die der Jungen hingegen bei 86,4 Jahren.

Bewusstsein zu schaffen - das sei sehr wichtig, sagt Alexandra Niessen-Ruenzi. Sie erforscht an der Universität Mannheim den Umgang der Geschlechter mit Finanzen. Dabei hat sie festgestellt, dass schon in der Familie mit Jungen häufiger darüber gesprochen werde als mit Mädchen. Das habe eine Umfrage unter Studierenden der Unis in Frankfurt, Mannheim und St. Gallen ergeben. Und andere Studien zeigten, dass schon Mädchen weniger Taschengeld erhielten als Jungen. Und in zwei Drittel der Familien kümmern sich die Väter um das große Geld. Da entwickle sich auch heute noch schnell ein Rollenvorbild, meint die Gender-Forscherin.

"Frauen können es sich nicht leisten, sich nicht um Geld zu kümmern"

Das sind schlechte Voraussetzungen für einen eigenverantwortlichen Umgang mit Geld. "Wenn zu Hause jemand gesagt hat: 'Kind, kümmere dich um dein Geld und verlass dich nicht auf den Mann', also etwas anderes vorgelebt wurde, dann kümmern sich Frauen auch eher darum", bestätigt Anne Connelly. Die frühere Top-Managerin der Investmentfondsbranche hat das Finanzforum "hermoney" gegründet, das den Nutzerinnen grundlegende Finanzinformationen liefert.

Frauen könnten es sich gar nicht leisten, sich nicht um Geld zu kümmern, ist sie überzeugt. Zumal seit 2008 das Scheidungsrecht dahingehend geändert wurde, dass nicht berufstätige Frauen nicht mehr automatisch lebenslang Unterhalt vom Ex-Mann beziehen. Deshalb meint Connelly: "Jede Frau sollte wissen, welche finanziellen Konsequenzen ihre persönlichen Lebensentscheidungen haben." So findet man auf hermoney auch die relevanten Informationen über finanzielle Fragen nach Lebensphasen gegliedert.

Der Mann ist keine Altersversorgung.
Isolde Mischke-Flach

"Der Mann ist keine Altersversorgung", mahnt auch Isolde Mischke-Flach. Sie hat mit einer Kollegin die D&M Frankfurter Finanzexpertinnen gegründet und berät vorwiegend Frauen. "Sie fühlen sich bei einer weiblichen Beratung wohler", meint sie. "Denn wir können uns in vieles besser hineinversetzen, weil wir meist ähnliche Erwerbsbiografien haben." Viele Frauen wollten zunächst einmal verstehen, worauf es ankommt, und nicht sofort ein Produktangebot erhalten. Frauen wollten also anders informiert werden als Männer.

Viele trauen sich nicht, Fragen zu stellen

Das aber ist schwierig in einer immer noch männerdominierten Finanzbranche. Denn vielen Frauen sei die Bedeutung des Themas schon klar, sagt Alexandra Niessen-Ruenzi von der Uni Mannheim. Doch sie seien sehr unsicher. Auch vermeintlich "dumme" Fragen zu stellen, trauten sich viele von ihnen einem Mann gegenüber nicht. Und männliche Berater nutzen das tatsächlich aus: "Eine neue Studie zeigt, dass dasselbe Finanzprodukt an weibliche Kunden zu einem höheren Preis verkauft wird als an Männer."

Inzwischen gibt es einige Finanzberaterinnen, die sich auf Frauen spezialisiert haben. Auch die Finanzbranche wird allmählich wach: Die Sparkassen etwa haben eine auf Frauen ausgerichtete Homepage gestaltet, bei der Commerzbank-Tochter comdirect haben sich die "Finanzheldinnen" gegründet, die sich auch zum Ziel gesetzt haben, zunächst einmal die Frauen zu informieren. Wenn die sich dann einmal fit fühlen, trauten sie sich auch an die Aktienanlage heran - meist über Indexfonds oder ETFs, die einen Aktienindex wie den Dax oder den weltweiten MSCI World abbilden. Denn so kann man auch mit kleinen Beträgen langfristig eine auskömmliche Rendite erzielen.

Frauen neigen weniger zu Selbstüberschätzung

Einen Vorteil aber haben Frauen: Sie sind beständiger in der Geldanlage, wenn sie sich einmal entschieden haben, und schichten nicht so häufig um wie Männer. Der Grund: Nach Ansicht der beiden Ökonomie-Nobelpreisträger Daniel Kahneman und Amos Tversky neigen Frauen im Vergleich zu Männern weniger zur Selbstüberschätzung. Männer verfolgten eine bestimmte Strategie bei der Geldanlage, Frauen warteten eher ab. Und das zahlt sich wegen der geringeren Kosten für die Umschichtung oft aus.

Sich aber von Männern auffordern zu lassen, Frauen könnten sparen, indem sie auf ihren täglichen "Latte to go" verzichten, das mögen viele Frauen gar nicht. "Latte-Faktor" heißt ein Buch zweier männlicher Autoren in den USA, die darin Frauen erklären, wie sie mit den kleinen Summen, die sie täglich ausgeben, wirklich Geld machen könnten. Von oben herab belehrt zu werden, das bringt Frauen nicht weiter. Noch den kleinsten Betrag zu sparen, rentiert sich zwar: "Der Zinseszinseffekt ist nicht zu unterschätzen", sagt Alexandra Niessen-Ruenzi. Aber den Frauen wäre mehr geholfen, so meinen Finanzberaterinnen, wenn sie zunächst ihre Basis-Altersvorsorge regelten und sich dann informierten, wie sie möglichst darüber hinaus noch sinnvoll sparen können.

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